Die Wall Street zeigt zunehmend Interesse an Bitcoin (BTC), doch die breite Akzeptanz lässt auf sich warten. Morgan Stanley benennt das Kernproblem: ein erhebliches Wissensdefizit.
Das Problem liegt im Kopf
Laut Morgan Stanley liegt das eigentliche Problem nicht im Angebot, sondern im Kopf. Dies erklärt Amy Oldenburg, Leiterin Digital Assets der Bank, in einem Interview im Podcast Coin Stories.
Viele Finanzberater können Bitcoin nicht einmal richtig von anderen Kryptowährungen unterscheiden. Geschweige denn, dass sie den Unterschied zu Ethereum (ETH) oder Solana (SOL) einem Kunden erklären können, der nur wissen will, ob es sich für seine Altersvorsorge eignet.
Es wirkt in beide Richtungen. Kunden, die den Zusammenbruch von Kryptobörsen miterlebt haben, verbinden alle digitalen Währungen mit dem Chaos der FTX-Ära. Und Berater zögern, etwas zu empfehlen, das noch mit risikoreichen Aktien schwankt. Bitcoin sollte eigentlich ein Inflationsschutz sein, folgt jedoch den Aktienmärkten nach unten.
Bitcoin-Fonds einsatzbereit, Nutzung bleibt aus
Morgan Stanley, eine der größten Investmentbanken weltweit, startete am 7. April 2026 seinen Morgan Stanley Bitcoin Trust (Ticker: MSBT). Es war das erste Spot Bitcoin-Fonds einer US-Bank.
Ein Spot Bitcoin-ETF ist ein Börsenfonds, der echte Bitcoins hält. Anleger können so den Kurs direkt über ihren traditionellen Broker verfolgen, ohne die Coins selbst zu kaufen und zu verwalten.
Bei der Einführung sammelte das Fonds mehr als 33,8 Millionen Dollar ein und gehörte volumenmäßig zur Top 1 Prozent aller ETF-Starts.
Mit einer Kostenquote von 0,14 Prozent ist es sogar das günstigste Bitcoin-Fonds der Vereinigten Staaten. Damit liegt es 11 Basispunkte unter BlackRocks IBIT, das mit Abstand die meisten Bitcoins verwaltet.
Trotzdem blieb Morgan Stanley im Vergleich zu Konkurrenten zurück. Als systemrelevante Bank unterliegt sie der Aufsicht der US-Notenbank, mit strengeren Kapitalanforderungen als für einen unabhängigen Vermögensverwalter wie BlackRock.
Deshalb musste die Bank zusehen, wie Rivalen Jahre zuvor mit Kryptoprodukten auf den Markt kamen. 2024 fielen zudem mehrere geplante Partner in derselben Krise, die auch FTX traf, weg, was das Vorhaben komplett neu aufrollen musste.
Morgan Stanley verwaltet ein Kundenvermögen von rund 9,3 Billionen Dollar. Im Oktober 2025 empfahl die Bank ein Krypto-Investment von 2 bis 4 Prozent für wachstumsorientierte Portfolios.
Von M-Pesa zur Krise
Oldenburgs Perspektive auf Bitcoin stammt aus ihrer Zeit in Schwellenländern. Sie beobachtete 2007, wie das mobile Bezahlsystem M-Pesa in Ostafrika verbreitet wurde, mit Frauen, die Bargeld auf einfache Handys in Dörfern ohne Strom oder befestigte Straßen luden.
Die Parallele zu Bitcoin blieb ihr nicht verborgen. Die ersten Nutzer lehnten das alte System nicht aus Prinzip ab, sondern weil es sie bereits im Stich gelassen hatte.
„Es passt noch nicht alles zusammen“, sagte Oldenburg. Sie verglich den Moment mit den Anfangstagen des BlackBerry, als die Technik schon da war, der Nutzen jedoch noch nicht erkannt wurde.
Was könnte Bitcoin wirklich voranbringen? Laut Oldenburg möglicherweise eine Krise. Kein spektakulärer Zusammenbruch, sondern ein langsames Erodieren des Vertrauens in das Finanzsystem.
Das sah sie in Russland und der Ukraine, wo Bekannte von heute auf morgen keinen Zugang mehr zu ihrem Bankvermögen hatten.
Für Banken, die Bitcoin in ihre Bilanz aufnehmen möchten, müssen zunächst strenge Kapitalvorschriften reformiert werden. Morgan Stanley beantragt zudem eine spezielle Lizenz, um selbst Krypto für Kunden zu verwahren. Mit diesen Verbesserungen sei bankgehaltener Bitcoin laut Oldenburg „nicht ausgeschlossen“.