Der Bitcoin-Kurs bleibt zum Wochenstart unter Druck. Nachdem die Kryptowährung in der vergangenen Woche zeitweise bis auf die Marke von 60.000 Dollar gefallen war, richtet sich der Blick der Anleger zunehmend auf die Frage, ob sich bereits ein belastbarer Boden ausbildet oder ob der Markt vor einer weiteren Abwärtswelle steht. Besonders auffällig ist dabei die Entwicklung bei den US-Spot-Bitcoin-ETFs: Diese verzeichneten inzwischen die vierte Woche in Folge milliardenschwere Kapitalabflüsse.
Nach Daten von SoSoValue zogen Investoren in der vergangenen Woche rund 1,72 Milliarden Dollar aus den Spot-Bitcoin-ETFs ab. Allein in den ersten drei Handelstagen der Woche summierten sich die Abflüsse auf mehr als 1,3 Milliarden Dollar. Den größten Anteil daran hatte der iShares Bitcoin Trust von BlackRock, aus dem rund 1,34 Milliarden Dollar abgezogen wurden. Auch die Produkte von Fidelity und Grayscale verzeichneten deutliche Mittelabflüsse.
Damit setzt sich ein Trend fort, der den Markt bereits seit mehreren Wochen belastet. Insgesamt haben die Bitcoin-ETFs mittlerweile vier aufeinanderfolgende Wochen mit Nettoabflüssen von jeweils mehr als einer Milliarde Dollar hinter sich. Auch bei den Spot-Ether-ETFs bleibt die Stimmung angespannt. Dort wurden in den vergangenen vier Wochen insgesamt rund 886 Millionen Dollar abgezogen.
Makroökonomische Sorgen belasten die Risikomärkte
Marktbeobachter sehen die Ursache für die Schwäche allerdings weniger im Kryptosektor selbst als vielmehr im gesamtwirtschaftlichen Umfeld. Stärker als erwartete US-Arbeitsmarktdaten, steigende Renditen von Staatsanleihen und sinkende Hoffnungen auf baldige Zinssenkungen durch die US-Notenbank haben zuletzt den Druck auf risikoreiche Anlageklassen erhöht.
Hinzu kommen geopolitische Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Konflikt im Nahen Osten. Händler verweisen außerdem auf die Entwicklung des japanischen Yen, dessen Schwäche gegenüber dem US-Dollar erneut Erinnerungen an die Turbulenzen rund um den Yen-Carry-Trade weckt. Nach Einschätzung des Handelshauses QCP Capital muss sich Bitcoin derzeit gleichzeitig gegen steigende Zinsen, höhere Ölpreise, Währungsturbulenzen und geopolitische Risiken behaupten.
Charttechnisch bleibt die Zone um 60.000 Dollar die wichtigste Unterstützung. Mehrere Analysten warnen davor, dass ein nachhaltiger Bruch dieser Marke weitere Verkäufe auslösen könnte. Gleichzeitig verweisen Markttechniker darauf, dass Bitcoin erstmals in diesem Bärenmarkt den vielbeachteten 200-Wochen-Durchschnitt erreicht hat. Historisch markierte diese Zone in früheren Marktzyklen häufig den Bereich einer langfristigen Bodenbildung.
Strategy setzt die Bitcoin-Käufe fort
Während ETF-Anleger Kapital abziehen, bleibt der größte börsennotierte Bitcoin-Investor seiner Strategie treu. Das Unternehmen Strategy gab am Montag bekannt, weitere 1.550 Bitcoin für rund 101 Millionen Dollar erworben zu haben. Der durchschnittliche Kaufpreis lag bei 65.332 Dollar pro Bitcoin.
Damit steigt der Gesamtbestand des Unternehmens auf 845.256 Bitcoin. Für diese Position hat Strategy bislang rund 63,97 Milliarden Dollar investiert. Finanziert wurde der jüngste Kauf durch den Verkauf neuer Aktien im Rahmen des laufenden Kapitalmarktprogramms.
Besonders bemerkenswert ist der Zeitpunkt der Transaktion. Erst vor wenigen Tagen hatte Strategy erstmals seit Jahren einen kleinen Teil seiner Bitcoin-Bestände verkauft, um Dividendenzahlungen zu finanzieren. Die Transaktion löste in Teilen der Kryptogemeinschaft heftige Kritik aus. Mit dem erneuten Kauf signalisiert das Unternehmen nun jedoch, dass es unverändert an seiner langfristigen Bitcoin-Strategie festhält.
On-Chain-Daten zeigen Akkumulation trotz Kursrückgang
Parallel zu den ETF-Abflüssen zeichnet sich auf der Blockchain ein differenzierteres Bild ab. Daten von Glassnode und CryptoQuant zeigen, dass zahlreiche Anlegergruppen die Kursschwäche derzeit für Zukäufe nutzen.
Besonders aktiv waren in den vergangenen 60 Tagen Wallets mit Beständen zwischen 1.000 und 10.000 Bitcoin. Diese Gruppe erhöhte ihre Positionen um mehr als 53.000 Bitcoin. Auch Adressen mit 100 bis 1.000 Bitcoin sowie kleinere Anleger bauten ihre Bestände aus.
Lediglich die größten Wallets mit mehr als 10.000 Bitcoin reduzierten ihre Bestände im gleichen Zeitraum. Die Daten deuten damit auf eine Umverteilung innerhalb des Marktes hin: Während einige sehr große Akteure verkaufen, nutzen mittelgroße Wale und Teile der Privatanleger die Schwächephase zum Aufbau neuer Positionen.
Zusätzliche Aufmerksamkeit erhält diese Entwicklung durch technische Indikatoren. Mehrere Analysten weisen darauf hin, dass der tägliche sowie der Zwei-Wochen-RSI von Bitcoin aktuell die niedrigsten Werte der Geschichte erreicht haben. Solche extremen Überverkauft-Signale traten in der Vergangenheit häufig in der Nähe bedeutender Marktböden auf.
Bernstein bleibt trotz Schwäche optimistisch
Unterstützung erhalten die Bullen auch von den Analysten des Research-Hauses Bernstein. Zwar seien die Zuflüsse in Bitcoin-ETFs und Unternehmensreserven im laufenden Jahr deutlich zurückgegangen, dies müsse jedoch nicht zwangsläufig negativ interpretiert werden.
Nach Berechnungen von Bernstein flossen 2026 bislang rund 12 Milliarden Dollar in Bitcoin-ETFs und Unternehmenskäufe, nachdem dieser Wert im Gesamtjahr 2025 noch bei rund 60 Milliarden Dollar gelegen hatte. Die Analysten sehen darin allerdings weniger einen Vertrauensverlust als vielmehr eine Veränderung der Anlegerstruktur.
Während viele Privatanleger aktuell auf den Boom rund um Künstliche Intelligenz und entsprechende Technologiewerte setzen, werde der Bitcoin-Markt zunehmend von institutionellen Investoren, Pensionsfonds, Staatsfonds und Unternehmensreserven geprägt. Aus Sicht von Bernstein könnte genau diese Entwicklung langfristig für mehr Stabilität sorgen.
Trotz der jüngsten Kursschwäche halten die Analysten daher weiterhin an ihrem Kursziel von 150.000 Dollar für Bitcoin bis zum Jahresende fest. Ob sich dieser Optimismus bewahrheitet, dürfte jedoch maßgeblich davon abhängen, ob die wichtige Unterstützungszone um 60.000 Dollar in den kommenden Wochen verteidigt werden kann.