Bitcoin Suisse hat die Belegschaft am Hauptsitz in Zug über einen Stellenabbau informiert, dem bis zu 60 der heutigen Arbeitsplätze zum Opfer fallen könnten. Zunächst folgt ein zehntägiges Konsultationsverfahren mit den Mitarbeitenden.
Als einer der ältesten Krypto-Finanzdienstleister der Schweiz hat sich Bitcoin Suisse auf den Handel und die Verwahrung von Kryptowährungen spezialisiert. Ursprünglich gründete Niklas Nikolajsen das Unternehmen 2013 mit weiteren frühen Bitcoin-Enthusiasten in Zug, seither gilt es als Pionier des Crypto Valley. Später kamen Staking und Lending hinzu. Mitgründer Andrej Majcen führt die Gruppe seit Januar 2024 als Group-CEO. Backoffice-Aufgaben will der Konzern nun aus Kostengründen nach Bratislava und Vietnam verlagern. Gleichzeitig stützen frische Lizenzen in Liechtenstein, auf Bermuda und in Abu Dhabi den internationalen Ausbau.
Backoffice-Stellen wandern nach Bratislava und Vietnam
An einer internen Versammlung im September 2026 erfuhren die Mitarbeitenden in Zug von den Plänen. Wie Finews berichtet, stehen bis zu 60 der heutigen Arbeitsplätze am Hauptsitz zur Disposition. Eine eigene Medienmitteilung zum Abbau hat das Unternehmen derzeit nicht veröffentlicht. Nach einem Konsultationsverfahren sollen die ersten Kündigungen schliesslich noch 2026 wirksam werden.
Betroffen sind vor allem Backoffice-Funktionen. Diese Aufgaben siedelt Bitcoin Suisse künftig entweder in Bratislava oder an einem neuen Standort in Vietnam an. Die slowakische Hauptstadt ist für die Gruppe kein Neuland. Denn schon im September 2025, bei der Ernennung von Peter Camenzind zum CEO der Bitcoin Suisse AG, verwies das Unternehmen auf seine Standorte in Kopenhagen und Bratislava. Den Standort in Vietnam hingegen baut die Gruppe komplett neu auf.
Majcen begründet den Umbau mit internationalem Wachstum
CEO Majcen verknüpft den Abbau mit einem Kurswechsel des gesamten Hauses. Bitcoin Suisse investiere in Wachstum und soll zu einem globalen Brand werden. Zug bleibt Hauptsitz, im Vordergrund steht jedoch das internationale Wachstum.
„In der Vergangenheit war unser Fokus vor allem auf die Schweiz gerichtet. Nun steht bei uns das internationale Wachstum im Vordergrund. Ausgehend von unserer grossen Kryptoerfahrung wollen wir der internationalen Kundschaft ein breites Offering im Wealth und Asset Management anbieten können, das über Krypto hinausgeht.“ - Andrej Majcen, Group-CEO und Mitgründer von Bitcoin Suisse gegenüber Finews
Dieselbe Linie findet sich ebenfalls im Crypto Wealth Management Report 2026. Im Vorwort schreibt Majcen, die wachsende Nachfrage nach breiteren und anspruchsvolleren Lösungen für digitale Vermögenswerte treibe „die nächste Phase der globalen Expansion von Bitcoin Suisse“ voran. Mit neuen Lizenzen erweitere das Unternehmen sein Angebot. Zu Handel, institutioneller Verwahrung und Staking kommen Anlageberatung, Portfolioverwaltung und Absicherungslösungen hinzu. Das Haus positioniert sich somit als „globaler crypto-nativer Wealth-Management-Partner“.
Drei neue Lizenzen stützen den internationalen Ausbau
Den Auftakt machte im Mai 2026 die Bermuda Monetary Authority. Sie erteilte der Tochter Bitcoin Suisse (International) Ltd. in Hamilton eine Class-F-Lizenz nach dem Digital Asset Business Act. Ebenso erhielt die Einheit eine Class-B-Registrierung nach dem Investment Business Act 2003, beides vorerst auf pre-operativer Basis. Im Juni 2026 zog die Finanzmarktaufsicht Liechtenstein (FMA) nach. Sie vergab der Bitcoin Suisse (Europe) AG eine MiCAR-Lizenz als Crypto Asset Service Provider, die auf der bisherigen Registrierung unter dem liechtensteinischen TVTG aufbaut. Die Lizenz ermöglicht der Tochter unter CEO Roman Przibylla das sogenannte Passporting im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum.
Im Juli 2026 schloss die Gruppe schliesslich einen mehrstufigen Lizenzierungsprozess in Abu Dhabi ab. Die Financial Services Regulatory Authority des Abu Dhabi Global Market erteilte der BTCS (Middle East) Ltd. die vollständige Financial Services Permission. Sie umfasst Handel, Verwahrung, Verwaltung und Absicherung von Krypto-Engagements. Ausserhalb der Schweiz deckt Bitcoin Suisse damit drei Rechtsräume ab, vom Europäischen Wirtschaftsraum über Bermuda bis in den Nahen Osten.
Der Weg über ausländische Bewilligungen hat eine Vorgeschichte im Heimmarkt. Im Juli 2019 hatte Bitcoin Suisse bei der FINMA eine Schweizer Banklizenz beantragt, das Gesuch jedoch im März 2021 zurückgezogen. Die Aufsicht hatte es zuvor als „nicht genehmigungsfähig“ eingestuft, unter anderem wegen Mängeln bei den Massnahmen gegen Geldwäscherei.
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