- Bitcoin-Kurs fällt vor dem Fed-Entscheid Richtung 77.000 US-Dollar
- Iran-Konflikt treibt Ölpreise und Zinserhöhungserwartungen nach oben
- Über der Marke von 82.000 US-Dollar entscheidet sich die Trendwende
Der Bitcoin-Kurs gerät vor dem Zinsentscheid der US-Notenbank erneut unter Druck. Am Freitag verliert die älteste Kryptowährung zeitweise knapp ein Prozent auf rund 77.200 US-Dollar und notiert damit rund ein Drittel unter dem Niveau von vor zwölf Monaten. Auslöser sind die Spannungen zwischen den USA und dem Iran sowie die Zurückhaltung der Anleger vor den anstehenden US-Verbraucherpreisdaten. Damit steht die Frage im Raum, ob der Rücksetzer eine günstige Gelegenheit eröffnet oder erst den Beginn einer tieferen Korrektur markiert.
Warum der Iran-Konflikt auf den Kurs drückt
Hinter dem Rückgang steht eine Kette, die am Ölpreis beginnt. Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran hat die Rohölnotierungen wieder anziehen lassen, das treibt die Inflationserwartungen und damit die Erwartung steigender Zinsen. Höhere Zinsen belasten Bitcoin besonders, weil die Kryptowährung selbst keine laufenden Erträge abwirft. Die Europäische Zentralbank hat ihren Leitzins am Donnerstag bereits angehoben, kommende Woche Mittwoch folgt die Entscheidung der US-Notenbank. Am Terminmarkt liegt die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung inzwischen bei rund zwei Dritteln, während die Kursgewinne des Augusts noch auf der gegenteiligen Annahme beruhten. Timo Emden vom Broker Captrader verweist darauf, dass die Sorge vor geldpolitischen Enttäuschungen den Risikoappetit dämpfe und die zuvor freundliche Stimmung am Kryptomarkt überlagere.
Was für einen Einstieg spricht
Für einen Einstieg spricht zunächst die Kapitalseite. Die amerikanischen Spot-ETFs sammelten binnen drei Wochen netto rund 3,8 Milliarden US-Dollar ein, allein am 3. September flossen ihnen rund 730 Millionen US-Dollar zu und damit so viel wie an keinem Tag seit dem 14. Januar. Hinzu kommt der Abstand zu früheren Höchstständen. Im Januar 2026 hatte Bitcoin noch fast 98.000 US-Dollar gekostet, im Herbst 2025 mit über 126.000 US-Dollar sein Rekordhoch markiert. Wer die langfristige Perspektive betont, findet in Coinbase-Chef Brian Armstrong einen prominenten Fürsprecher, der Bitcoin auf Sicht mehrerer Jahre bis zu 400.000 US-Dollar zutraut.
Die 82.000er-Marke als Prüfstein
Gegen einen schnellen Einstieg sprechen die Charttechnik und die Herkunft der jüngsten Gewinne. Citigroup hat ihr Kursziel für Bitcoin in zwei Schritten auf 82.000 US-Dollar gesenkt. In der Zone zwischen 81.000 und 82.000 US-Dollar liegt nach Einschätzung des ETP-Anbieters 21Shares zugleich der wichtigste charttechnische Widerstand. Erst ein Wochenschluss darüber wäre eine echte Trendwende und nicht nur eine Erholung im Abwärtstrend. Dazu kommen zwei Risiken. Der Augustanstieg beruhte laut 21Shares wesentlich auf einem Short-Squeeze mit rund 1,4 Milliarden US-Dollar liquidierter Gegenpositionen, den der Analysedienst CryptoQuant eher als Schließen alter Short-Wetten deutet denn als neue Käufe. Und der Hebel im System ist gewachsen, das offene Interesse an Terminkontrakten stieg binnen eines Monats um 14 Prozent auf fast 53 Milliarden US-Dollar.
Worauf es in den nächsten Tagen ankommt
Die Entscheidung über den Einstieg hängt damit weniger am aktuellen Kurs als an den kommenden Tagen. Kommenden Dienstag stimmt der US-Senat über das Krypto-Gesetzesvorhaben CLARITY Act ab, einen Tag später legt die Fed ihren Zinsentscheid samt Pressekonferenz vor. Entscheidend wird sein, ob die Notenbank der Erwartung steigender Zinsen entgegentritt und ob Bitcoin einen Wochenschluss oberhalb von 82.000 US-Dollar schafft. Bis dahin ist offen, ob die Erholung des Augusts mehr war als eine Gegenbewegung im Abwärtstrend.
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