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FED-Zinserhöhung fast sicher: Warum Bitcoin trotzdem steigen könnte

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Die US-Notenbank steht vor ihrer ersten Zinserhöhung seit Juli 2023. Das CME FedWatch Tool beziffert die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent inzwischen mit rund 93 Prozent. Für Bitcoin und den gesamten Kryptomarkt dürften aber vor allem die Abstimmung, der neue Dot Plot und Kevin Warshs Ausblick entscheidend sein.

Im Juli hielt das FOMC die Zielspanne mit neun zu drei Stimmen bei 3,50 bis 3,75 Prozent; drei Mitglieder votierten bereits für eine Erhöhung. Seitdem lieferten die August-Daten beiden Lagern Argumente: Die US-Wirtschaft schuf 162.000 Stellen bei 4,1 Prozent Arbeitslosigkeit. Der Verbraucherpreisindex stieg monatlich um 0,4 und jährlich um 3,4 Prozent, die Kernrate um 0,3 beziehungsweise 2,4 Prozent.

Fast alle zuvor skeptischen Fed-Beobachter änderten daraufhin ihre Prognose. Goldman Sachs sieht laut Nick Timiraos zwar „keine starke wirtschaftliche Begründung“ für höhere Zinsen, erwartet jedoch, dass viele FOMC-Mitglieder die Marktreaktion auf eine unerwartete Pause fürchten.

Prognosen für eine Fed-Zinserhöhung, Quelle: X @NickTimiraos

Die Entscheidung fällt am Mittwoch um 20:00 Uhr MESZ, Warshs Pressekonferenz beginnt um 20:30 Uhr. Die Fed veröffentlicht zudem neue Wirtschafts- und Zinsprojektionen.

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Moody’s Analytics warnt vor einem schweren Fed-Fehler

Der Chefökonom von Moody’s Analytics, Mark Zandi, hält das Risiko eines geldpolitischen Fehlers für „unangenehm hoch und steigend“. Höhere Zinsen könnten weder die Folgen hoher Energiepreise noch jene der Zölle beseitigen. Via X schrieb er:

„Die Wirtschaft wächst bereits nahe ihrem Potenzial und arbeitet praktisch bei Vollbeschäftigung. Die Inflation ist zweifellos zu hoch und liegt über drei Prozent. Ein großer Teil davon ist jedoch die Folge höherer Energiepreise und Zölle – Angebotsschocks, die Zinserhöhungen nicht beheben können und die von selbst nachlassen sollten, solange die Inflationserwartungen verankert bleiben.“

Um die Inflation schneller zu drücken, müsste die Fed laut Zandi das Wachstum unter sein Potenzial zwingen. Das sei besonders riskant, weil KI-Investitionen die Konjunktur tragen, während die übrige Wirtschaft bereits schwächelt.

Fundstrats Tom Lee stimmte der Einschätzung auf X zu. Goldman Sachs beziffere den Beitrag der Angebotsschocks zur Kern-PCE-Inflation derzeit auf 1,75 Prozentpunkte und erwarte bis Anfang 2027 einen Rückgang auf 0,75 Punkte.

„Warum erhöhen, wenn die Kern-PCE-Inflation auch ohne Zinsschritt um 100 Basispunkte sinken dürfte? Und denkt daran: Wenn sich die Märkte auf schlechte Nachrichten einstellen, steigen sie am Tag des Ereignisses.“

Warum das Abstimmungsergebnis wichtig wird

Michael Strain, Direktor für wirtschaftspolitische Studien und Senior Fellow am American Enterprise Institute, rechnet überraschend mit unveränderten Zinsen, obwohl er selbst für eine Erhöhung stimmen würde:

„Die Fed nimmt nur selten eine einmalige Zinserhöhung vor. Die richtige Frage lautet daher nicht, ob sie diese Woche erhöhen sollte, sondern ob sie jetzt einen neuen Zinserhöhungszyklus beginnen sollte. Aus diesem Blickwinkel müssten die Chancen deutlich niedriger liegen als die vom Anleihemarkt eingepreisten 87 Prozent.“

Strain sieht in den August-Daten keine eindeutige Beschleunigung der zugrunde liegenden Inflation; zugleich hätten sich die Finanzierungsbedingungen bereits verschärft.

Jim Bianco, Präsident von Bianco Research, zählt fünf Stimmen für eine Erhöhung, sechs für eine Pause und eine offene Stimme von Jerome Powell. Ein knappes 7:5-Votum für den Zinsschritt würde aus seiner Sicht die Unabhängigkeit des Gremiums unterstreichen.

Ein Ergebnis von 10:2 bis 12:0 könnte dagegen signalisieren, dass sich das Komitee Warsh untergeordnet hat – und politischen Druck auf die Fed erleichtern. Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung ist seit Mitte August steil gestiegen.

Entwicklung der Wahrscheinlichkeit für eine Fed-Zinserhöhung, Quelle: X @biancoresearch

Was die Fed-Entscheidung für Bitcoin bedeutet

Die Zinserhöhung sollte mittlerweile eingepreist sein und dürfte keinen Abverkauf am Bitcoin- und Kryptomarkt auslösen. Das Hauptaugenmerk wird auf der FOMC-Abstimmung, dem Dot Plot oder weiteren Straffungssignalen von Kevin Warsh liegen.

Diese könnten die US-Renditen und den Dollar stützen und Bitcoin sowie Altcoins belasten. Stellt Warsh den Schritt dagegen als einmalige Anpassung dar, wäre eine Rally denkbar.

Selbst eine Pause wäre nicht automatisch bullisch. Wertet der Anleihemarkt sie als Nachlassen im Kampf gegen die Inflation, könnten langfristige Renditen weiter steigen. Für Bitcoin entscheidet daher weniger die Zinsentscheidung als die Frage, ob die Fed einen neuen Zinserhöhungszyklus im Kampf gegen die weiterhin hohe Inflation in den USA eröffnet.