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Schicksalswoche für Bitcoin? Diese wichtigen Termine stehen bevor

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Bitcoin hat sich zum Wochenstart wieder oberhalb der Marke von 65.000 Dollar stabilisiert. Nach den starken Verlusten der vergangenen Wochen ist das zunächst ein konstruktives Signal. Von einer bestätigten Trendwende kann jedoch noch keine Rede sein. Der Kryptomarkt steht vielmehr vor einer der ereignisreichsten Wochen des Sommers: Die US-Notenbank Federal Reserve entscheidet über die Zinsen, kurz darauf folgt die Bank of Japan, mehrere der größten US-Technologiekonzerne legen ihre Quartalszahlen vor und auch der Konflikt zwischen den USA und Iran bleibt ein zentraler Risikofaktor.

Gleichzeitig liefern steigende Stablecoin-Zuflüsse und die verteidigten charttechnischen Unterstützungen erste Hinweise darauf, dass sich Investoren auf eine mögliche Fortsetzung der Erholung vorbereiten. Dem stehen jedoch erhebliche Risiken gegenüber. Ein überraschender Zinsschritt der Fed, ein erneuter Ölpreisschub oder schwache Ausblicke aus dem Technologiesektor könnten Bitcoin schnell wieder unter Druck setzen.

Bitcoin verteidigt wichtige Unterstützungszone

Bitcoin hielt sich am Wochenende über 64.000 Dollar und kletterte am Montag zeitweise auf mehr als 65.000 Dollar. Der Kurs hat damit erneut die technische Unterstützungszone verteidigt, die sich aus dem 0,236-Fibonacci-Retracement bei rund 63.700 Dollar und dem 50-Tage-Durchschnitt bei etwa 63.300 Dollar zusammensetzt.

Diese Zone ist aus technischer Sicht von besonderer Bedeutung, weil sie den jüngsten Rücksetzer auffing und damit die Erholung vom Juni-Tief bislang intakt hält. Solange Bitcoin oberhalb dieses Bereichs notiert, bleibt das kurzfristige Bild vorsichtig konstruktiv.

Der nächste unmittelbare Widerstand liegt am Hoch vom 27. Juli bei rund 65.680 Dollar. Ein Anstieg darüber könnte die Erholungsbewegung ausweiten. Die deutlich wichtigere Marke befindet sich jedoch bei etwa 67.370 Dollar. Dort verläuft das 0,382-Fibonacci-Retracement der vorherigen Abwärtsbewegung.

Ein Tagesschluss oberhalb dieser Schwelle wäre das erste klare Signal dafür, dass die Käufer wieder stärker die Kontrolle übernehmen. In diesem Fall würde der 100-Tage-Durchschnitt bei rund 69.500 Dollar in den Fokus rücken. Da diese Durchschnittslinie weiterhin fällt, wäre ein Ausbruch darüber technisch besonders aussagekräftig. Er könnte darauf hindeuten, dass Bitcoin nicht lediglich innerhalb eines bestehenden Abwärtstrends nach oben korrigiert, sondern beginnt, seine mittelfristige Marktstruktur zu verbessern.

Darüber wartet eine weitere Widerstandszone zwischen etwa 70.300 und 72.000 Dollar. Dort treffen das 0,5-Fibonacci-Retracement und der 200-Tage-Durchschnitt aufeinander.

Der Relative-Stärke-Index liegt derzeit bei ungefähr 54 Punkten. Das signalisiert leicht positives Momentum, ohne dass Bitcoin bereits überkauft wäre. Rein technisch besteht damit weiteres Aufwärtspotenzial. Der RSI allein reicht jedoch nicht aus, um einen nachhaltigen Ausbruch zu bestätigen.

Ölpreis fällt, geopolitisches Risiko bleibt bestehen

Unterstützung erhielt der Kryptomarkt zuletzt durch eine vorübergehende Entspannung im Konflikt zwischen den USA und Iran. Iran signalisierte, vorerst auf weitere Vergeltungsangriffe zu verzichten, solange auch die Vereinigten Staaten keine neuen Attacken durchführen. Der Preis für West Texas Intermediate fiel daraufhin um rund 5 Prozent.

Die Bewegung reduzierte kurzfristig den Inflationsdruck. Dennoch bleibt die Lage angespannt. Rohöl hatte in der Vorwoche zeitweise mehr als 100 Dollar je Barrel gekostet. Selbst nach dem Rückgang notiert der Ölpreis daher weiterhin auf einem Niveau, das die Verbraucherpreise und die Inflationserwartungen nach oben treiben kann.

Besonders kritisch bleibt die Situation in der Straße von Hormus. Nach Daten von Lloyd’s List Intelligence sank die Zahl der Schiffspassagen in der Woche bis zum 20. Juli von 157 auf lediglich 53. Das entspricht einem Rückgang um 66 Prozent. Die Zahl der Tanker- und Gastransporte fiel im gleichen Zeitraum von 90 auf 30.

Die Meerenge ist für den globalen Energiemarkt von zentraler Bedeutung. Rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls passiert normalerweise die Straße von Hormus. Der verbliebene Verkehr findet derzeit nur in kurzen Zeitfenstern statt, wenn Reedereien und Betreiber das Sicherheitsrisiko als vertretbar einschätzen.

Ein erneuter militärischer Schlag oder ein Angriff auf Energieinfrastruktur könnte den Ölpreis daher schnell wieder über 100 Dollar treiben. Für Bitcoin wäre dies vor allem über die geldpolitischen Folgen relevant. Steigende Energiepreise erhöhen den Inflationsdruck, treiben häufig die Anleiherenditen nach oben und stärken die Erwartung einer restriktiveren Zentralbankpolitik.

Fed-Sitzung wird zum zentralen Marktereignis

Der wichtigste Termin der Woche ist die Sitzung des Offenmarktausschusses der Federal Reserve am 28. und 29. Juli. Die Zinsspanne liegt derzeit zwischen 3,5 und 3,75 Prozent. Die Mehrheit der Ökonomen rechnet damit, dass die Fed die Zinsen zum fünften Mal in Folge unverändert lässt.

Ganz ausgeschlossen ist eine Erhöhung jedoch nicht. Die Terminmärkte preisen eine Wahrscheinlichkeit von ungefähr 35 Prozent für einen Zinsschritt um 0,25 Prozentpunkte ein. Noch eine Woche zuvor hatte die Wahrscheinlichkeit zeitweise unter 10 Prozent gelegen.

Grund für die wachsende Nervosität ist vor allem der Ölpreisanstieg infolge des Iran-Konflikts. Gleichzeitig zeigt sich der US-Arbeitsmarkt weiterhin robust. Die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fielen zuletzt auf den niedrigsten Stand seit 1969. Die Verbraucherpreisinflation ging im Juni zwar auf 3,5 Prozent zurück, liegt damit aber weiterhin deutlich über dem Inflationsziel der Fed von 2 Prozent.

Auch innerhalb der Notenbank gibt es starke Argumente für eine erneute Straffung der Geldpolitik. Beim Juni-Treffen rechneten neun der 18 Teilnehmer mit mindestens einer Zinserhöhung bis zum Jahresende. Acht erwarteten unveränderte Zinsen, während lediglich ein Teilnehmer eine Senkung prognostizierte. Der Median für den Leitzins zum Jahresende stieg von 3,4 auf 3,8 Prozent.

Für Bitcoin ist die Risikoverteilung asymmetrisch. Ein unveränderter Zins gilt weitgehend als eingepreist und dürfte allein nur eine begrenzte Marktreaktion auslösen. Eine überraschende Zinserhöhung könnte dagegen erhebliche Kursverluste verursachen. Ähnliches gilt für eine unveränderte Entscheidung, die mit einer besonders restriktiven Kommunikation und einem klaren Hinweis auf einen möglichen September-Schritt verbunden wird.

Bitcoin wirft keine laufenden Erträge ab. Steigen die Renditen sicherer Staatsanleihen, erhöht sich deshalb der relative Nachteil gegenüber verzinslichen Anlagen. Gleichzeitig belastet ein stärkerer Dollar die Nachfrage nach Kryptowährungen und anderen Risikoanlagen.

Kevin Warsh erhöht die Unsicherheit

Zusätzliche Nervosität entsteht durch den neuen Kommunikationsstil von Fed-Chef Kevin Warsh. Die anstehende Sitzung ist erst seine zweite als Vorsitzender. Anders als sein Vorgänger Jerome Powell verzichtet Warsh weitgehend auf konkrete Vorab-Signale.

Er hat die explizite Forward Guidance beendet und erklärt, Entscheidungen sollten erst während der Sitzungen fallen. Jede Sitzung solle intern zu einem intensiven Streit über den richtigen geldpolitischen Kurs führen. Warsh bezeichnete dieses Vorgehen als eine Art „family fight“.

Für Investoren bedeutet das einen deutlichen Regimewechsel. Unter Powell war häufig bereits vor der Sitzung relativ klar, welche Entscheidung die Mehrheit des Ausschusses unterstützen würde. Unter Warsh müssen Marktteilnehmer stärker die Positionen der einzelnen Mitglieder analysieren.

Nach Einschätzung des Strategen Jim Bianco gibt es aktuell etwa fünf verlässliche Stimmen für eine Zinserhöhung. Für eine Mehrheit wären sieben Stimmen notwendig. Zu den besonders entschlossenen Befürwortern einer Straffung zählen die Präsidentinnen der regionalen Fed-Banken von Dallas und Cleveland, Lorie Logan und Beth Hammack. New-York-Fed-Präsident John Williams gehört dagegen zu denjenigen, die zunächst weitere Daten abwarten wollen.

Mehrere Beobachter rechnen daher erstmals seit Warshs Amtsantritt mit offenen Gegenstimmen. Bei seiner ersten Sitzung im Juni hatte es noch keine Dissensen gegeben. Dies wurde teilweise als Schonfrist für den neuen Vorsitzenden interpretiert.

Unklar ist vor allem, welche Position Warsh selbst einnimmt. Während seiner Anhörungen vor dem Kongress blieb er bei zentralen Fragen vage. Er erklärte weder, welches Inflationsmaß er bevorzugt, noch welche konkreten wirtschaftlichen Entwicklungen eine Zinserhöhung auslösen würden.

Einige Ökonomen vermuten, dass Warsh eigentlich zu unveränderten Zinsen tendiert. Während seiner Bewerbung um den Vorsitz hatte er zeitweise eher eine lockerere Geldpolitik signalisiert. Gleichzeitig hat er sich öffentlich wiederholt als entschlossener Inflationsbekämpfer präsentiert. Sollte sich im Ausschuss eine Mehrheit für höhere Zinsen bilden, könnte er sich daher relativ leicht anschließen.

Bank of Japan könnte Carry-Trade unter Druck setzen

Nur zwei Tage nach der Fed beginnt die Sitzung der Bank of Japan am 30. Juli. Auch deren Entscheidung ist für Bitcoin relevant.

Über Jahrzehnte nutzten Investoren den japanischen Yen als besonders günstige Finanzierungswährung. Aufgrund der extrem niedrigen Zinsen konnten sie Kredite in Yen aufnehmen und das Kapital anschließend in höher rentierende Vermögenswerte investieren. Diese sogenannten Carry-Trades finanzierten Positionen in Aktien, Anleihen, Rohstoffen und indirekt auch Kryptowährungen.

Steigen die japanischen Zinsen oder signalisiert die Bank of Japan eine baldige Straffung, wird diese Strategie unattraktiver. Der Yen könnte aufwerten und Investoren könnten gezwungen sein, gehebelte Positionen zu reduzieren.

Bitcoin muss dabei nicht direkt mit geliehenen Yen gekauft worden sein, um unter Druck zu geraten. Der Kryptomarkt handelt rund um die Uhr und verfügt über hohe Liquidität. Wenn Anleger schnell Kapital freisetzen müssen, gehören Bitcoin und andere große Kryptowährungen daher häufig zu den Vermögenswerten, die zuerst verkauft werden.

Besonders problematisch wäre eine Kombination aus einer restriktiven Fed und einer restriktiven Bank of Japan. In diesem Fall würden sich die globalen Finanzierungsbedingungen innerhalb weniger Tage von zwei Seiten gleichzeitig verschärfen.

Microsoft, Meta, Amazon und Apple im Fokus

Parallel zu den Zentralbanksitzungen startet eine entscheidende Phase der US-Berichtssaison. Microsoft und Meta veröffentlichen ihre Quartalszahlen am 29. Juli. Amazon und Apple folgen am 30. Juli.

Bitcoin hat sich in diesem Marktzyklus häufig wie eine volatilere Version des Nasdaq entwickelt. Steigen Technologieaktien, profitiert meist auch der Kryptomarkt. Kommt es dagegen zu einer deutlichen Korrektur bei großen Tech-Werten, reduzieren institutionelle Investoren häufig ihre Risikobudgets, was auch Bitcoin belastet.

Besonders aufmerksam dürften Anleger auf die Entwicklung der Cloud-Umsätze, des digitalen Werbegeschäfts und der Investitionen in künstliche Intelligenz achten. Starke Zahlen und überzeugende Aussagen zur Monetarisierung von KI könnten den Aktienmarkt stützen und Bitcoin helfen, die Erholung fortzusetzen.

Schwache Prognosen oder Hinweise darauf, dass die hohen KI-Ausgaben kurzfristig keine ausreichenden Renditen generieren, könnten dagegen eine erneute Flucht aus Risikoanlagen auslösen.

Die zeitliche Überschneidung erschwert die Interpretation möglicher Marktbewegungen. Microsoft und Meta berichten am Tag der Fed-Entscheidung. Amazon und Apple veröffentlichen ihre Zahlen kurz vor der Entscheidung der Bank of Japan. Größere Kursbewegungen könnten daher gleichzeitig auf Geldpolitik, Unternehmenszahlen und geopolitische Entwicklungen zurückzuführen sein.

Stablecoin-Zuflüsse signalisieren verfügbares Kaufkapital

Unterdessen zeigen Daten von CryptoQuant, dass Stablecoins, die US-Investoren zugeordnet werden, wieder verstärkt auf Kryptobörsen fließen.

Stablecoins auf Börsen können unmittelbar für den Kauf von Bitcoin oder anderen Kryptowährungen eingesetzt werden. Steigende Zuflüsse vergrößern daher grundsätzlich den Kapitalpool, der kurzfristig in den Markt fließen könnte. Sie belegen jedoch noch nicht, dass tatsächlich Käufe stattfinden.

Entscheidend ist zudem, auf welche Handelsplätze das Kapital fließt. Stablecoins auf Spotbörsen können potenziellen Kaufdruck signalisieren. Zuflüsse zu Derivatebörsen können dagegen sowohl für Long- als auch für Short-Positionen verwendet werden und zunächst lediglich die Volatilität erhöhen.

Eine belastbare Bestätigung der Bitcoin-Erholung wäre daher eine Kombination aus steigenden Spotumsätzen und einem Tagesschluss über dem Widerstand bei 67.370 Dollar. Wachsen die Stablecoin-Bestände weiter, während der Kurs unterhalb dieser Marke stagniert, würde dies eher darauf hindeuten, dass Anleger noch abwarten.

Analyst sieht langfristige Kaufzone zwischen 54.000 und 64.000 Dollar

Der Kryptoanalyst Doctor Profit bewertet den aktuellen Bereich weiterhin als langfristig interessante Akkumulationszone. Seiner Ansicht nach liegt die entscheidende Kaufspanne zwischen 54.000 und 64.000 Dollar.

Zusätzliche Bedeutung erhält der Bereich durch den 200-Wochen-Durchschnitt, der durch den unteren Teil dieser Zone verläuft. In früheren Bitcoin-Zyklen erwiesen sich Käufe in der Nähe dieser langfristigen Durchschnittslinie häufig als profitabel.

Doctor Profit rät davon ab, auf den exakten Tiefpunkt zu warten. Seine Strategie bestehe darin, innerhalb einer breiteren Preisspanne schrittweise Positionen aufzubauen und einen attraktiven Durchschnittspreis zu erreichen. Selbst wenn Bitcoin noch bis 54.000 Dollar fallen sollte, wäre ein langfristiger Einstiegspreis um 58.000 Dollar aus seiner Sicht außergewöhnlich günstig.

Die aktuelle Phase bezeichnet er als mittelfristige Akkumulationsperiode, die ein bis zwei Monate dauern könnte. Anleger, die ausschließlich auf den perfekten Tiefpunkt warten, liefen Gefahr, später deutlich höhere Kurse zahlen zu müssen oder den Einstieg vollständig zu verpassen.

Strategy setzt Bitcoin-Käufe aus

Auch die Entwicklung bei Strategy, ehemals MicroStrategy, sorgt derzeit für Aufmerksamkeit. Das Unternehmen hat seit vier Wochen keine neuen Bitcoin-Käufe mehr gemeldet. Es handelt sich um die längste Kaufpause seit zwei Jahren.

Die letzte Transaktion datiert aus der Woche bis zum 21. Juni. Seitdem hat Strategy nicht nur auf weitere Käufe verzichtet, sondern erstmals Bitcoin verkauft. Zwischen dem 29. Juni und dem 5. Juli veräußerte das Unternehmen insgesamt 3.588 Bitcoin für rund 216 Millionen Dollar.

Die Erlöse wurden genutzt, um Dividenden auf Vorzugsaktien zu finanzieren und eine Liquiditätsreserve aufzubauen. Diese Reserve belief sich am 20. Juli auf rund 3,225 Milliarden Dollar.

Hintergrund ist der Rückgang des sogenannten mNAV. Diese Kennzahl setzt den Börsenwert von Strategy ins Verhältnis zum Wert der gehaltenen Bitcoin. Über Jahre wurde die Aktie mit einem deutlichen Aufschlag auf die Bitcoin-Bestände gehandelt. Dadurch konnte Strategy neue Aktien oberhalb des inneren Werts ausgeben und mit den Erlösen weitere Bitcoin erwerben.

Fällt der mNAV jedoch in Richtung 1, verliert dieses Modell seine Attraktivität. Neue Aktienausgaben können dann den Wert für bestehende Aktionäre verwässern. Ende Juni fiel die Kennzahl erstmals unter 1 und erreichte zeitweise rund 0,99. Zuletzt erholte sie sich auf etwa 1,03. Das Management sieht den tatsächlichen wirtschaftlichen Break-even allerdings näher bei 1,22.

Am 30. Juli veröffentlicht Strategy seine Quartalszahlen. Nach einem operativen Verlust von 14,5 Milliarden Dollar im ersten Quartal rechnen Analysten im zweiten Quartal mit einem operativen Gewinn von rund 3,86 Milliarden Dollar. Ein Teil der Schätzungen stammt jedoch aus der Zeit vor dem starken Bitcoin-Rückgang im Juni und könnte deshalb zu optimistisch sein.

CLARITY Act bleibt politischer Hoffnungsträger

Neben Geldpolitik und Unternehmenszahlen bleibt auch die Kryptoregulierung in den USA ein möglicher Kurstreiber. Einige Analysten bringen einen Bitcoin-Preis von bis zu 200.000 Dollar mit einer Verabschiedung des CLARITY Acts in Verbindung.

Das Gesetz soll die Zuständigkeiten der US-Aufsichtsbehörden für den Kryptomarkt klären. Das Researchhaus FM Intelligence sieht für Bitcoin innerhalb eines Jahres ein mögliches Kursziel zwischen 135.000 und 200.000 Dollar. Dieses Szenario erhält jedoch lediglich eine Wahrscheinlichkeit von 25 Prozent und setzt voraus, dass das Gesetz noch vor den Zwischenwahlen verabschiedet wird.

Das Basisszenario liegt deutlich niedriger bei 95.000 bis 130.000 Dollar.

Optimismus entstand zuletzt durch Aussagen von US-Finanzminister Scott Bessent, der den Gesetzgebungsprozess als nahezu abgeschlossen bezeichnete. Bitcoin stieg daraufhin zeitweise in Richtung 67.000 Dollar.

Große Banken bleiben dennoch zurückhaltend. Citi senkte sein Zwölf-Monats-Kursziel für Bitcoin Anfang Juli auf 82.000 Dollar. Zu Jahresbeginn hatte die Bank noch 143.000 Dollar erwartet, im März waren es 112.000 Dollar gewesen. Als Hauptgrund für die Abwärtsrevisionen nannte Citi den stockenden Gesetzgebungsprozess.

Standard Chartered bleibt optimistischer, hält mit einem Jahresendziel von 100.000 Dollar aber ebenfalls Abstand zu den besonders bullischen Prognosen.

Sieben politische Hürden bremsen das Gesetz

Der CLARITY Act muss noch mehrere erhebliche Hürden überwinden. Sieben demokratische Senatoren, die zuvor bereits für das Stablecoin-Gesetz GENIUS Act gestimmt hatten, lehnen den aktuellen Entwurf ab. Gerade dieser Widerstand ist problematisch, weil die Republikaner im Senat nur über 53 Sitze verfügen. Um eine Blockade zu überwinden, sind 60 Stimmen erforderlich.

Ein weiterer Streitpunkt sind die Kryptoeinnahmen von Präsident Donald Trump. Nach Angaben demokratischer Ausschussmitarbeiter erzielte Trump im Jahr 2025 mehr als 1,4 Milliarden Dollar durch Kryptoaktivitäten. Kritiker argumentieren, dass die vorgesehenen Ethikregeln nicht ausreichen, um Interessenkonflikte zu verhindern.

Auch der Zeitplan wird eng. Der letzte reguläre Arbeitstag vor der Sommerpause des Senats ist der 7. August. Nach der Rückkehr im September bleiben vor dem Wahlkampf lediglich 14 geplante Sitzungstage.

Selbst bei einer Zustimmung des Senats wäre das Verfahren noch nicht abgeschlossen. Das Repräsentantenhaus hatte bereits im Juli 2025 eine andere Version des Gesetzes verabschiedet. Es müsste entweder den rund 300 Seiten langen Senatsentwurf akzeptieren oder einen Kompromiss mit dem Senat aushandeln.

Auf der Prognoseplattform Kalshi stieg die Wahrscheinlichkeit einer Verabschiedung bis April 2027 innerhalb einer Woche von 33 auf 52 Prozent. Für den besonders bullischen Bitcoin-Fall wäre eine spätere Verabschiedung jedoch möglicherweise nicht ausreichend. Entscheidend wäre vielmehr, ob das Gesetz noch rechtzeitig vor den Zwischenwahlen in Kraft tritt.

Was die Bitcoin-Erholung bestätigen würde

Damit die aktuelle Erholung an Glaubwürdigkeit gewinnt, müssten mehrere Faktoren zusammenkommen. Zunächst müsste die Waffenruhe zwischen den USA und Iran Bestand haben. Gleichzeitig müsste sich der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus normalisieren, sodass der Ölpreis weiter fällt.

Die Fed müsste auf eine Zinserhöhung verzichten und idealerweise auch keine unmittelbar bevorstehende Straffung im September signalisieren. Starke Quartalszahlen der großen Technologiekonzerne könnten die Risikobereitschaft zusätzlich stützen.

Auf der Krypto-Seite müssten die Stablecoin-Zuflüsse in tatsächliche Spotkäufe übergehen. Charttechnisch wäre ein Tagesschluss über 67.370 Dollar der erste wichtige Beleg. Noch aussagekräftiger wäre ein Anstieg über den fallenden 100-Tage-Durchschnitt bei rund 69.500 Dollar.

Scheitert Bitcoin dagegen erneut am Widerstand und fällt unter die Unterstützungszone zwischen 63.300 und 63.700 Dollar, würde sich das Bild deutlich eintrüben. In diesem Fall wäre zunächst ein Rückgang in den Bereich um 62.000 Dollar möglich. Darunter würde das Juni-Tief bei etwa 57.800 Dollar wieder in den Fokus rücken.

Bitcoin hat die Marke von 65.000 Dollar zurückerobert. Ob daraus eine nachhaltige Erholung entsteht, entscheidet sich jedoch nicht allein am Kryptomarkt. Selten lagen so viele potenzielle Kurstreiber innerhalb weniger Tage: die Fed, die Bank of Japan, der Ölpreis, der Iran-Konflikt, die Tech-Berichtssaison, die Strategy-Zahlen und der politische Kampf um den CLARITY Act. Die nächste Bitcoin-Bewegung könnte entsprechend deutlich ausfallen.