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Fed-Schock erschüttert Wall Street: Bitcoin steigt – doch der Krypto-Markt steht vor einer großen Bereinigung

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Die US-Notenbank hat die Zinsen erneut unverändert gelassen – und dennoch einen heftigen Ausverkauf an den Finanzmärkten ausgelöst. Während Technologieaktien einbrachen und die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen auf den höchsten Stand seit 2007 stieg, konnten Bitcoin und Gold zunächst zulegen. Gleichzeitig spitzt sich in Washington der Streit um die Krypto-Regulierung zu, während erste Börsen dem schwierigen Marktumfeld zum Opfer fallen.

Eigentlich hätte der Zinsentscheid der US-Notenbank am 29. Juli für Erleichterung sorgen können. Im Vorfeld hatten einige Marktteilnehmer befürchtet, dass die Federal Reserve unter ihrem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh die Zinsen erhöhen könnte. Dazu kam es nicht: Die Fed ließ ihren Leitzins die fünfte Sitzung in Folge unverändert.

Statt einer Erleichterungsrally folgte jedoch einer der turbulentesten Fed-Tage der vergangenen Jahre. Aktien und Anleihen schwankten stark, bevor die wichtigsten US-Indizes den Handel mit deutlichen Verlusten beendeten. Am Anleihemarkt wuchsen unterdessen die Zweifel, ob Warsh die Inflation konsequent genug bekämpfen kann.

Drei Fed-Mitglieder fordern eine Zinserhöhung

Die Entscheidung, die Zinsen unverändert zu lassen, fiel keineswegs einstimmig. Drei regionale Notenbankpräsidenten votierten für eine Zinserhöhung. Es war das erste Mal seit 2016, dass drei Mitglieder des Offenmarktausschusses gleichzeitig in dieselbe Richtung von der Mehrheitsentscheidung abwichen.

Damit bleibt eine Zinserhöhung im weiteren Jahresverlauf auf dem Tisch. Einige Ökonomen und Wall-Street-Häuser, darunter Citadel Securities, hatten bereits vor der Juli-Sitzung einen Zinsschritt gefordert. Die steigenden Ölpreise und die erneute Eskalation zwischen den USA und Iran hatten die Inflationsrisiken zuletzt wieder verschärft.

Entscheidend für die Marktreaktion war allerdings weniger der unveränderte Leitzins als die Kommunikation von Kevin Warsh. Die Fed veröffentlichte erneut eine auffallend knappe Erklärung. Auch auf der anschließenden Pressekonferenz vermied Warsh konkrete Hinweise auf das weitere Vorgehen.

Stattdessen erklärte der Fed-Vorsitzende, dass die Notenbank die kommenden Wirtschaftsdaten beobachten und ihre Entscheidungen nicht durch vorzeitige Signale an die Märkte vorwegnehmen wolle. Warsh hatte zuvor angekündigt, offenere Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Fed zuzulassen. Mit den drei Gegenstimmen bekam er die von ihm gewünschte Debatte – konnte die Anleger damit aber nicht beruhigen.

Anleihemarkt zweifelt an Warshs Inflationskurs

Besonders deutlich zeigte sich das Misstrauen am langen Ende des Anleihemarktes. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen stieg bis auf 5,21 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit 2007.

Gleichzeitig fiel die Rendite zweijähriger Staatsanleihen, die besonders empfindlich auf kurzfristige Zinserwartungen reagiert, auf rund 4,25 Prozent. Der Renditeabstand zwischen zwei- und 30-jährigen Anleihen weitete sich dadurch um mehr als 14 Basispunkte aus. Eine stärkere entsprechende Bewegung hatte es an einem Fed-Tag zuletzt im Dezember 2023 gegeben.

Dass kurzfristige Renditen fallen, während langfristige Renditen deutlich steigen, ist ein Warnsignal. Der Markt scheint derzeit weniger eine unmittelbar straffere Geldpolitik einzupreisen als vielmehr ein langfristiges Inflations- und Glaubwürdigkeitsproblem.

Wenn Anleger daran zweifeln, dass die Fed die Inflation unter Kontrolle bringen kann, verlangen sie höhere Renditen für langfristige Kredite. Dadurch steigen die Finanzierungskosten unabhängig davon, ob die Notenbank ihren offiziellen Leitzins anhebt.

Die Auswirkungen sind bereits am Immobilienmarkt zu erkennen. Die Verzinsung einer 30-jährigen Festhypothek war in der Vorwoche auf 6,58 Prozent gestiegen – der höchste Stand seit fast einem Jahr.

Mehrere Ökonomen warfen Warsh deshalb vor, eine Gelegenheit zur Stärkung der Glaubwürdigkeit der Fed verpasst zu haben. Der Vorwurf: Warsh erkenne das Inflationsproblem, sei aber bislang weder bereit, die Zinsen anzuheben, noch eine klare Strategie für die kommenden Monate zu kommunizieren.

Nasdaq-100 rutscht in die Korrektur

Die steigenden langfristigen Renditen belasteten in der letzten Handelsstunde auch den Aktienmarkt. Der Dow Jones verlor 2,19 Prozent und verzeichnete damit seinen schwächsten Handelstag seit April 2025. Der S&P 500 fiel um 1,52 Prozent, während der Nasdaq Composite 1,74 Prozent abgab.

Für die drei großen Indizes war es der schlechteste Fed-Tag seit Dezember 2024. Der S&P 500 und der Dow Jones schlossen bereits den vierten Zinsentscheid in Folge mit Verlusten ab.

Besonders unter Druck standen Technologieaktien. Der Nasdaq Composite beendete den Handel 9,78 Prozent unter seinem Rekordschlussstand von Anfang Juni. Der Nasdaq-100 fiel sogar mehr als zehn Prozent unter sein jüngstes Hoch und befindet sich damit offiziell in einer Korrektur.

Dabei hatten die Indizes direkt nach der Fed-Entscheidung zunächst zugelegt. Zwischenzeitlich war der S&P 500 auf dem Weg zu seiner stärksten Erholung innerhalb eines Fed-Tages seit 2003. Die Bewegung drehte jedoch, als langlaufende Staatsanleihen erneut verkauft wurden und die Renditen nach oben schossen.

Zusätzliche Belastungen kamen aus der Geopolitik. Nach einem überraschenden iranischen Angriff drohte US-Präsident Donald Trump mit Vergeltung. Gleichzeitig sorgte ein Ausverkauf am technologielastigen südkoreanischen Aktienmarkt für Nervosität bei amerikanischen Halbleiterwerten.

Der „Crash-Puffer“ der Wall Street verschwindet

Ein Warnsignal für größere Kursschwankungen war bereits am Vorabend aufgetreten. Die Gamma-Exponierung der Market Maker im S&P-500-Optionsmarkt war den dritten Tag in Folge unter eine Milliarde Dollar je einprozentiger Indexbewegung gefallen.

Diese Positionierung wird teilweise als eine Art „Crash-Puffer“ der Wall Street bezeichnet. Bei hoher Gamma-Exponierung können die Absicherungsgeschäfte der Optionshändler größere Kursbewegungen dämpfen. Fällt die Exponierung unter eine kritische Schwelle, können sich Kursbewegungen dagegen nahezu ungebremst verstärken.

Ein vergleichbares Signal trat in den vergangenen rund 500 Handelstagen einschließlich des aktuellen Falls sechsmal auf. Nach den vorherigen fünf Ereignissen bewegte sich der S&P 500 innerhalb eines Monats im Median um 8,9 Prozent – etwa 2,5-mal so stark wie gewöhnlich. In drei Fällen folgte ein Rückgang von mindestens sieben Prozent.

Das Signal sagt allerdings nichts über die Richtung der nächsten Bewegung aus. Es zeigt lediglich, dass die stabilisierenden Mechanismen des Optionsmarktes derzeit geschwächt sind. Auf einen weiteren Ausverkauf könnte daher ebenso eine starke Gegenbewegung folgen.

Bitcoin und Gold reagieren mit Kursgewinnen

Während Aktien und Anleihen unter Druck gerieten, legten Bitcoin und Gold innerhalb weniger Minuten nach der Fed-Entscheidung zu. Einige Marktteilnehmer werteten die gespaltene Abstimmung und Warshs zurückhaltende Kommunikation als inflationsfreundliches Signal.

Auch der Dollar konnte von der Aussicht auf möglicherweise höhere Zinsen nicht profitieren. Der Dollarindex beendete den Handelstag rund 0,5 Prozent tiefer und gab damit seine bisherigen Monatsgewinne vollständig ab.

Für Bitcoin ergibt sich dennoch ein widersprüchliches Umfeld. Zweifel an der Inflationsbekämpfung der Fed und ein schwächerer Dollar können das Narrativ eines knappen, nichtstaatlichen Vermögenswerts stärken. Steigende langfristige Renditen verschärfen gleichzeitig die finanziellen Bedingungen und machen verzinste Anlagen attraktiver. Das kann riskante Vermögenswerte wie Bitcoin mittelfristig belasten.

Die nächste entscheidende Wegmarke ist die Fed-Sitzung im September. Bis dahin dürften neue Inflations- und Arbeitsmarktdaten darüber entscheiden, ob sich die drei Befürworter einer Zinserhöhung durchsetzen können. Ökonomen der Bank of America sehen die Fed bereits vor einer Glaubwürdigkeitsprüfung und halten einen Zinsschritt im September für möglich.

Lummis erhöht beim CLARITY Act den Druck

Neben der Geldpolitik bleibt auch die regulatorische Entwicklung in Washington für den Kryptomarkt entscheidend. Die republikanische Senatorin Cynthia Lummis hat den Digital Asset Market Clarity Act in einer ausführlichen Rede im Senat verteidigt und den Demokraten vorgeworfen, das Gesetz trotz umfassender Zugeständnisse weiter zu blockieren.

Nach Darstellung von Lummis wurde elf Monate lang über den inzwischen 616 Seiten umfassenden Entwurf verhandelt. Das Gesetz war im Mai mit 15 zu 9 Stimmen parteiübergreifend vom Bankenausschuss des Senats angenommen worden.

Der Entwurf soll die Zuständigkeiten von SEC und CFTC klarer voneinander abgrenzen und erstmals einen umfassenden Rechtsrahmen für digitale Vermögenswerte schaffen. Die Wurzeln des Vorhabens reichen bis zum gemeinsam mit der Demokratin Kirsten Gillibrand vorgelegten Responsible Financial Innovation Act aus dem Jahr 2022 zurück.

Lummis zufolge wurden zahlreiche Forderungen der Demokraten in das aktuelle Gesetz aufgenommen. Dazu gehören schärfere Definitionen zur Verhinderung von Umgehungskonstruktionen, zusätzliche SEC-Befugnisse, niedrigere Obergrenzen für Kapitalaufnahmen sowie strengere Vorgaben für Insiderverkäufe.

Drei neue Titel mit insgesamt 23 Abschnitten sollen zudem illegale Finanzströme bekämpfen. Vorgesehen sind unter anderem Regeln zur Einstufung tatsächlich dezentraler DeFi-Plattformen, Sanktionspflichten und neue Maßnahmen gegen Geldwäsche in Verbindung mit Russland, Iran und Nordkorea. FinCEN und CFTC sollen jeweils zusätzliche Mittel in Höhe von 150 Millionen Dollar erhalten.

Strenge Ethikregeln für Trump und andere Amtsträger

Einer der größten Streitpunkte betrifft mögliche Interessenkonflikte politischer Amtsträger. Nach Angaben von Lummis habe Präsident Trump weitreichenden Ethikregeln zugestimmt.

Demnach sollen der Präsident, der Vizepräsident, Mitglieder des Kongresses, Bundesrichter und deren Ehepartner keine digitalen Vermögenswerte gegen Bezahlung herausgeben oder sponsern dürfen. Trump habe sich zudem bereit erklärt, seine bestehenden Krypto-Vermögenswerte in einen Blind Trust zu übertragen oder vollständig zu verkaufen.

Bei Verstößen könnten Börsen mit bis zu 250.000 Dollar pro Fall und Tag belangt werden. Amtsträger müssten ihre Gewinne abgeben und könnten zusätzliche Strafen von bis zu 500.000 Dollar oder zehn Prozent der erhaltenen Gegenleistung zahlen.

Lummis fordert die Demokraten nun auf, konkret zu benennen, welche Regelung ihnen weiterhin fehlt. Bleibt eine solche Forderung aus, wertet sie die Verzögerung als Versuch, das Gesetz ohne offene Abstimmung scheitern zu lassen.

Kryptoindustrie steht vor ihrer größten Bereinigung

Während Washington über die künftigen Spielregeln verhandelt, schreitet die wirtschaftliche Konsolidierung der Branche bereits voran. Lorenzo Valente, Research Associate bei ARK Invest, erwartet die bislang größte Bereinigungsphase des Kryptomarktes.

Kapitalgeber würden zunehmend selektiv und konzentrierten ihre Investitionen auf Projekte mit einem überzeugenden Geschäftsmodell. Schwächere Anbieter ohne klaren Product-Market-Fit dürften dagegen Schwierigkeiten bekommen, neue Finanzierungen zu erhalten.

Wie stark sich die Umsätze bereits konzentrieren, zeigt eine Analyse von Valente: Die Perpetual-Futures-Börse Hyperliquid und die Memecoin-Plattform Pump.fun sollen zusammen etwa 67 Prozent der betrachteten Krypto-Applikationsumsätze erzielen. Wird das synthetische Dollar-Protokoll Ethena hinzugerechnet, steigt der gemeinsame Anteil auf fast 80 Prozent.

Valente erwartet in den kommenden Monaten mehr Fusionen und Übernahmen, Chapter-11-Insolvenzen, Projektschließungen und sogenannte Acqui-Hires, bei denen vor allem die Mitarbeiter eines gescheiterten Unternehmens übernommen werden.

Trotz der kurzfristigen Verluste bewertet er diese Entwicklung langfristig positiv. Kapital, Nutzer und Talente würden sich dadurch auf die wenigen Protokolle konzentrieren, die tatsächlich ein funktionierendes Produkt und nachhaltige Einnahmen vorweisen können.

BitMEX und BitMart geben auf – Bybit expandiert

Die ersten Beispiele für die Konsolidierung sind bereits sichtbar. BitMEX kündigte nach einer strategischen Überprüfung durch die Muttergesellschaft HDR Global Trading an, die Börse im September zu schließen. Zuvor hatte das Unternehmen zahlreiche Handelspaare und Derivatekontrakte wegen unzureichenden Interesses entfernt.

Wenige Tage später folgte BitMart. Die Börse will ihre Handelsdienstleistungen am 26. August einstellen und den Betrieb bis Januar 2027 vollständig abwickeln. Als Gründe wurden die operativen Bedingungen, das Marktumfeld und die zukünftige strategische Ausrichtung genannt.

Andere Unternehmen nutzen die Bereinigung zur Expansion. Bybit übernahm eine Mehrheitsbeteiligung an der indonesischen Digital-Asset-Firma NOBI und startete auf dieser Grundlage eine lokal betriebene Kryptobörse. Damit baut das Unternehmen seine Position in einem der größten asiatischen Kryptomärkte aus.

Für den Kryptosektor beginnt damit eine richtungsweisende Phase. Kurzfristig stehen Bitcoin und andere digitale Vermögenswerte zwischen Inflationssorgen, steigenden Anleiherenditen und einer möglichen weiteren Korrektur an den Technologiemärkten. Langfristig könnten regulatorische Klarheit und die Bereinigung unrentabler Geschäftsmodelle jedoch die Grundlage für eine professionellere und stärker konzentrierte Industrie schaffen.