Vor wenigen Stunden hat Aviva Investors erstmals Anteile seines eigenen Fonds auf einer öffentlichen Blockchain ausgegeben. Die neue Anteilsklasse des Aviva Investors US Dollar Liquidity Fund wird über den $XRP Ledger verwaltet und richtet sich an zugelassene Investoren mit digitalen Wallets.
Das Produkt entstand gemeinsam mit dem Blockchain-Unternehmen Ripple. Die Verwahrung der digitalen Vermögenswerte übernimmt der regulierte Anbieter Komainu, während Licuido die Infrastruktur für die Tokenisierung bereitstellt.
Aviva überträgt Fondsanteile auf die Blockchain
Die tokenisierten Anteile verändern nach Angaben des Vermögensverwalters weder das Anlageziel noch das Risikoprofil des bestehenden Fonds. Auch Liquidität und regulatorischer Schutz sollen der konventionellen Anteilsklasse entsprechen.
Der Fonds wurde 2020 aufgelegt. Er investiert vor allem in kurzfristige, auf US-Dollar lautende Schuldtitel mit hoher Bonität und bietet tägliche Liquidität. Die zugrunde liegenden Vermögenswerte verbleiben beim Fondskustodian Bank of New York Mellon. Der Token bildet damit einen regulierten Fondsanteil ab, nicht die einzelnen Wertpapiere im Portfolio.
Die Central Bank of Ireland hat die neue Anteilsklasse genehmigt. Aviva Investors bezeichnet die Zulassung als regulatorisches Novum für tokenisierte Fondsstrukturen.
Mark Versey, Vorstandschef von Aviva Investors, führt aus, dass die Tokenisierung zu einer wichtigen Anlageklasse heranwachsen wird:
„[…] Wir sind der Ansicht, dass die Tokenisierung eine bedeutende Entwicklung in der Investmentbranche darstellt. Wir sind der Meinung, dass dieser Trend die Effizienz steigern und letztendlich zu besseren Ergebnissen für unsere Kunden führen wird, weshalb wir uns bereits seit einigen Monaten intensiv mit diesem Thema beschäftigen.
Unsere Partnerschaft mit Ripple war für dieses Vorhaben von entscheidender Bedeutung, und wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit, um die Möglichkeiten tokenisierter Fondsstrukturen weiter zu erkunden.“
$XRP Ledger soll Ausgabe und Verwaltung vereinfachen
Über den $XRP Ledger kann Aviva Investors die tokenisierten Anteile ausgeben, übertragen und verwalten. Das Netzwerk ist auf schnelle Transaktionen und niedrige Abwicklungskosten ausgelegt. Eingebaute Funktionen für Compliance und kontrollierte Transaktionen sollen den Einsatz durch regulierte Finanzinstitute erleichtern.
Nigel Khakoo, Senior Vice President für Trading and Markets bei Ripple, beschreibt, dass die Verschmelzung von traditionellem Finanzsystem mit der Blockchain-Technologie immer weiter voranschreitet:
„Aviva Investors hat gezeigt, dass es möglich ist, ein reguliertes, für institutionelle Anleger geeignetes tokenisiertes Produkt auf einer live betriebenen Infrastruktur auf den Markt zu bringen, wobei ein wirksamer Anlegerschutz gewährleistet ist.
Das $XRP-Ledger wurde genau für diese Art von Anwendung entwickelt, und wir gehen davon aus, dass diese Markteinführung einen wichtigen Präzedenzfall für andere Vermögensverwalter schaffen wird, die tokenisierte Fondsstrukturen prüfen möchten.”
Für Vermögensverwalter liegt der praktische Nutzen vor allem in der Fondsdistribution. Tokenisierte Anteile können technische Prozesse zwischen Fondsanbieter, Verwahrer und Investor verkürzen. Die regulatorischen Pflichten bleiben allerdings bestehen, ebenso die üblichen Risiken eines Geldmarktfonds.
Aviva Investors verwaltete zum 30. Juni 2025 ein Vermögen von rund 246 Milliarden Pfund. Die neue Anteilsklasse ist zunächst nur für berechtigte Investoren zugelassen.
Die Einführung der tokenisierten Fondsanteile reiht sich in eine Reihe institutioneller Blockchain-Initiativen von Ripple ein. Erst vor wenigen Tagen stellte das Unternehmen mit Ripple Mint eine Plattform vor, über die Banken, Börsen und Finanzdienstleister den Stablecoin RLUSD automatisiert ausgeben, einlösen und verwalten können.
Zudem investierte Ripple in den Compliance-Spezialisten Notabene, dessen Netzwerk nach Unternehmensangaben jährlich Transaktionen im Wert von mehr als zwei Billionen US-Dollar verarbeitet.