Wie der Fehler funktioniert
Die Firmware der Coldcard-Geräte deaktiviert den eingebauten Zufallszahlengenerator des Chips. Als Ersatz baut ein Fallback-System die Wallet-Schlüssel aus der Seriennummer des Geräts und der internen Uhr zusammen. Beide Werte folgen vorhersehbaren Mustern. Damit wird aus einem vermeintlich zufälligen Seed ein lösbares Rätsel, das Angreifer mit gezielten Berechnungen knacken können.
Geräte mit bestimmten Firmware-Versionen, die seit 2021 veröffentlicht wurden, erhalten kaum echte Zufälligkeit. Neuere Modelle enthalten eine teilweise Korrektur, die jedoch den Lösungsraum lediglich auf rund vier Milliarden Kombinationen eingrenzt. Moderne Computer können diese Zahl vollständig durchsuchen. Block zufolge geht der Fehler auf ein Update aus dem Jahr 2021 zurück. Eine Korrektur ein Jahr später blieb unzureichend. Dasselbe Problem betrifft auch Papier-Wallets, Seed-Backups und andere Funktionen, die dieselbe Zufallsquelle nutzen.
Welche Geräte betroffen sind
Coinkite hat in einem offiziellen Statement klargestellt, dass Nutzer des Coldcard Mk3, die nach Firmware-Version 4.0.1 einen Seed generiert haben, potenziell gefährdet sind. Die Modelle Mk4, Q und Mk5 seien nach ersten Erkenntnissen nicht betroffen. Die vollständige Analyse aller betroffenen Firmware-Versionen ist noch nicht abgeschlossen. Coinkite und Block empfehlen daher, jeden Seed, der vor dem aktuellen Fix generiert wurde, als möglicherweise kompromittiert zu betrachten.
Was Betroffene jetzt tun sollten
Für einen Angriff ist kein physischer Zugang zum Gerät notwendig. Eine öffentlich sichtbare Bitcoin-Adresse oder ein exportierter öffentlicher Schlüssel reicht aus, um gezielte Berechnungen zu starten. Stimmt ein Ergebnis überein, besitzt der Angreifer den privaten Schlüssel und kann die Coins sofort verschieben.
- Coinkite empfiehlt, auf aktualisierter Hardware einen vollständig neuen Seed zu generieren.
- Funds sollten umgehend auf die neue Wallet übertragen werden.
- Ein Firmware-Update allein behebt das Problem nicht, da der schwache Seed weiterhin auf dem Gerät existiert.
- Nutzer, die ihrem Seed eine zusätzliche Passphrase hinzugefügt haben, sind deutlich weniger gefährdet.
Einordnung und Hintergrund
Der Vorfall reiht sich in eine Serie von Sicherheitsvorfällen im Krypto-Bereich ein. Schwache Schlüsselgenerierung hat Wallet-Inhaber bereits in der Vergangenheit geschädigt. Im laufenden Jahr hat eine Exposition eines Hauptschlüssels die südkoreanische Steuerbehörde getroffen. Eine Kompromittierung privater Schlüssel hat den Token von Humanity Protocol im Juni um 88 Prozent abstürzen lassen. Das Muster ähnelt zudem dem sogenannten Ill-Bloom-Exploit, bei dem Wallets durch schwache Seed-Phrasen geleert wurden.
Hardware-Wallets gelten als besonders sichere Methode zur Verwahrung von Bitcoin, weil sie private Schlüssel offline halten. Dieser Fall zeigt, dass Firmware-Fehler diese Sicherheit von innen heraus aushebeln können, unabhängig davon, ob das Gerät jemals mit dem Internet verbunden war.