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Coinbase-Quartalszahlen schocken: Aktie taucht ab – ein Fehler?

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Für Kryptounternehmen ist das Marktumfeld 2026 deutlich schwieriger geworden. Sinkende Kurse, geringere Handelsaktivität, hoher regulatorischer Aufwand und ein intensiver Wettbewerb belasten insbesondere zentralisierte Börsen. Zuletzt häuften sich sogar vollständige Rückzüge: AscendEX stellte Anfang Juli wesentliche Dienste ein, während BitMEX seine endgültige Schließung für den 23. September ankündigte. Auch BitMart beendet seine Handelsangebote schrittweise und will ab dem 26. August keine Spot- oder Futures-Geschäfte mehr ermöglichen.

Die Entwicklung zeigt, dass selbst bekannte Namen nicht automatisch gegen einen längeren Bärenmarkt geschützt sind. Gerade kleinere Plattformen kämpfen mit rückläufigen Volumina, sinkenden Gebühreneinnahmen und hohen Fixkosten. Umso gespannter blickte der Markt gestern auf Coinbase. Die größte börsennotierte Kryptoplattform der USA veröffentlichte ihre Ergebnisse für das zweite Quartal 2026 – und musste zeigen, ob ihr zunehmend diversifiziertes Geschäftsmodell die Schwäche des Handelsgeschäfts tatsächlich ausgleichen kann.

Coinbase-Aktie fällt nachbörslich deutlich

Die erste Reaktion der Anleger fiel negativ aus. Die Coinbase-Aktie verlor nach Veröffentlichung der Quartalszahlen im nachbörslichen Handel zeitweise rund sechs Prozent. Je nach Messzeitpunkt lag das Minus zwischen ungefähr fünf und acht Prozent. Ausschlaggebend waren vor allem der höher als erwartete Verlust, schwächere Umsätze und rückläufige Transaktionserlöse. Coinbase hatte zwar bereits während des Quartals unter geringeren Handelsvolumina und fallenden Kryptopreisen gelitten. Dennoch hatten Analysten mit einem besseren Gesamtergebnis gerechnet. Der Kursrückgang verdeutlicht daher, dass steigende Marktanteile allein momentan nicht ausreichen, um die Sorgen der Investoren über die schwache Profitabilität vollständig zu zerstreuen.

🚨 LATEST: Coinbase CEO Brian Armstrong says, "We store the most crypto in the world, and are the leading stablecoin platform."

The company reports a record of 10.3% share in global crypto trading volume for its Q2 earnings.pic.twitter.com/jVysqZV8KO

— Cointelegraph (@Cointelegraph) July 31, 2026

Coinbase meldet Verlust – gewinnt aber deutlich Marktanteile

Coinbase erwirtschaftete im zweiten Quartal 2026 einen Gesamtumsatz von rund 1,22 Milliarden US-Dollar. Damit lagen die Einnahmen etwa 19 Prozent unter dem Vorjahreswert und zudem unter den durchschnittlichen Analystenerwartungen von ungefähr 1,29 Milliarden US-Dollar. Unter dem Strich entstand ein Nettoverlust von 359,5 Millionen US-Dollar beziehungsweise 1,36 US-Dollar je Aktie. Im vergleichbaren Vorjahresquartal hatte Coinbase noch einen Gewinn von rund 1,43 Milliarden US-Dollar erzielt. Belastend wirkte unter anderem eine nicht realisierte Wertminderung von 209,5 Millionen US-Dollar auf gehaltene Kryptoassets.

Auch das klassische Handelsgeschäft entwickelte sich schwächer. Die Transaktionserlöse gingen auf rund 599 Millionen US-Dollar zurück und lagen damit ungefähr 21 bis 22 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Gleichzeitig sank das gesamte Spot-Handelsvolumen im Kryptomarkt gegenüber dem Vorquartal deutlich. Coinbase konnte innerhalb dieses schrumpfenden Marktes jedoch weitere Anteile gewinnen: Der Anteil am weltweiten Kryptohandelsvolumen stieg von 9,1 Prozent im ersten Quartal auf einen Rekordwert von 10,3 Prozent. Damit verbesserte sich Coinbase bereits das dritte Quartal in Folge. Auch bei Kryptoderivaten erreichte das Unternehmen nach eigenen Angaben erneut einen historischen Marktanteil.

Zunehmend wichtig werden Einnahmen außerhalb des direkten Spot-Handels. Die Subscription-and-Services-Erlöse beliefen sich auf rund 555 Millionen US-Dollar. Sie machten damit 48 Prozent des Nettoumsatzes aus, nachdem der Anteil Ende 2024 noch bei 29 Prozent gelegen hatte. Insgesamt stammten 88 Prozent der Nettoerlöse nicht mehr aus dem Bitcoin-Spot-Handel. Das zeigt, wie stark Coinbase seine Abhängigkeit von einzelnen Bitcoin-Transaktionen inzwischen reduziert hat.

Besonders dynamisch entwickelten sich die Prediction Markets. Die Zahl der Kontrakte und die daraus erzielten Erlöse legten gegenüber dem Vorquartal um 106 Prozent zu. Das Geschäft überschritt damit laut Coinbase eine annualisierte Umsatzrate von 100 Millionen US-Dollar. Zugleich erreichte der durchschnittliche Bestand an $USDC innerhalb der Coinbase-Produkte mit 20 Milliarden US-Dollar einen neuen Höchststand.

Dies entsprach zum Quartalsende mehr als 30 Prozent aller umlaufenden $USDC.

Trotz des Nettoverlustes verbuchte Coinbase sein 14. Quartal in Folge mit positivem bereinigtem EBITDA. Der Wert lag bei rund 208 Millionen US-Dollar, blieb jedoch hinter den Markterwartungen zurück. Das Unternehmen senkte zugleich seine Prognose für die bereinigten Gesamtaufwendungen im laufenden Geschäftsjahr. Die Zahlen zeigen damit ein gemischtes Bild: Das operative Kerngeschäft bleibt unter Druck, während Marktanteile, Stablecoins, Derivate und neue Produktbereiche weiter wachsen.

Brian Armstrong sieht Coinbase als Infrastruktur der neuen Finanzwelt

Coinbase-CEO Brian Armstrong bleibt trotz des schwierigen Quartals ausgesprochen optimistisch. Seiner Einschätzung nach beginnt derzeit der größte finanzielle Wandel einer Generation. Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Immobilien und weitere Vermögenswerte würden langfristig auf Blockchain-Infrastrukturen übertragen. Coinbase solle dabei nicht nur als Kryptobörse, sondern als umfassende Handels-, Zahlungs- und Finanzplattform positioniert werden.

The biggest financial shift of our lifetime is starting, and Coinbase was built for this moment.

Every asset on earth (stocks, bonds, commodities, real estate, etc) is going to move onchain. The hundred-trillion-dollar financial system is being updated, faster than the… pic.twitter.com/K2Y97ya09S

— Brian Armstrong (@brian_armstrong) July 30, 2026

Armstrong verweist insbesondere auf die Rekordmarktanteile, das Stablecoin-Geschäft und die wachsende Nutzung der eigenen Base-Blockchain. Mehr als 90 Prozent des von Coinbase erfassten agentenbasierten Stablecoin-Volumens sollen über Base gelaufen sein. Zudem wurden über 97 Prozent der entsprechenden Onchain-Transaktionen über das x402-Protokoll abgewickelt.

Damit versucht Coinbase, sich von der Entwicklung einzelner Kryptowährungen unabhängiger zu machen. Armstrong betont, das Unternehmen sei längst keine reine Wette auf den Bitcoin-Kurs mehr. Stattdessen wolle Coinbase jene Infrastruktur bereitstellen, über die künftig Handel, Zahlungen, Kreditvergabe und tokenisierte Vermögenswerte abgewickelt werden. Die Quartalszahlen zeigen jedoch auch, dass diese Transformation noch nicht sämtliche Belastungen des schwachen Kryptomarktes kompensieren kann.