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Kevin Warsh positioniert sich als Krypto-Befüworter und Gegner des Gelddruckens

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Um Jerome Powell als Vorsitzenden der Federal Reserve (Fed) ablösen zu können, muss Kevin Warsh vom Senat bestätigt werden. Teil der Prozedur ist die Anhörung, die am heutigen Dienstag stattfand. Dabei durften ihm die Mitglieder des Bankenausschusses des Senats Fragen stellen.

Umstrittene Unabhängigkeit und finanzielle Auskunft

Direkt zu Beginn übte die demokratische Senatorin Elizabeth Warren Druck auf Warsh aus. Die bekannte Bitcoin-Gegnerin behauptete, dass US-Präsident Donald Trump sich selbst sowie seine Familie bereichern könne, wenn er einen Verbündeten als Fed-Chef installieren würde. Dabei führte sie das Beispiel an, dass das Krypto-Projekt der Trumps von der Fed besondere Konten bekommen könnte.

Eine Marionette an der Spitze der Fed würde dem Präsidenten zudem Zugang zu den weitreichenden Befugnissen der Fed verschaffen, um sich selbst, seine Familie und seine Freunde an der Wall Street zu bereichern. Dies könnte bedeuten, dass dem Krypto-Geschäft seiner Familie Sonderkonten eingeräumt würden.
Elizabeth Warren

Ein anderer Angriffsvektor der Demokraten war die kürzlich eingereichte finanzielle Auskunft Warshs, laut welcher der potenziell nächste Fed-Chef auch eine indirekte Beteiligung an einem Bitcoin-Lightning-Unternehmen hält.

Die mit Abstand größten Posten sind aber zwei „Juggernaut-Fonds“, die jeweils mehr als 50 Millionen US-Dollar schwer sind. Aus welchen Assets diese sich zusammensetzen, ist nicht bekannt. Warsh willigte zwar ein, diese Fonds unmittelbar nach seiner Bestätigung zu veräußern, doch mehrere demokratische Senatoren gaben sich damit nicht zufrieden. Sie bezweifelten, ob es zulässig ist, die Bestandteile geheimzuhalten.

Senatorin Warren fragte Warsh zudem, ob sich in diesen Fonds Positionen befinden, die mit den Unternehmungen der Trumps, Geldwäsche oder dem verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein in Verbindung stehen. Der ehemalige Notenbankgouverneur wich der Frage aus, womit er sie unter dem Strich nicht verneinte.

Eines der Hauptthemen der Anhörung war aber die Debatte um die Unabhängigkeit der Federal Reserve, die spätestens seit den Ermittlungen gegen Jerome Powell infrage gestellt wird. Donald Trump wünscht sich bekanntlich niedrige Zinsen und betonte im Dezember 2025 noch in einem Post, dass niemand Fed-Vorsitzender werden würde, der ihm widerspricht.

Ich möchte, dass mein neuer Fed-Vorsitzender die Zinsen senkt, wenn der Markt gut läuft, und nicht ohne Grund den Markt zerstört. [...] Wer mir widerspricht, wird niemals Fed-Vorsitzender werden.
Donald Trump auf Truth Social am 23. Dezember 2025

Warsh macht im Kontext dieses Themas mehrfach deutlich, dass ihm besonders viel an der Unabhängigkeit der Federal Reserve liegen würde. Außerdem behauptete er entgegen Medienberichten, dass Trump ihn nicht darauf gedrängt habe, sich zu Zinssenkungen zu verpflichten.

Kevin Warshs Geldpolitik

Als Warsh von Trump nominiert wurde, gerieten die breiteren Märkte und insbesondere Bitcoin unter Druck. Ein naheliegender Grund ist, dass sich der 56-Jährige in der Vergangenheit eher als Gegner einer lockeren Geldpolitik positioniert hat.

Wie vor der Anhörung aber bereits klar war, ist Warsh momentan durchaus Zinssenkungen zugeneigt. Er sieht den Produktivitätszuwachs durch die Künstliche Intelligenz nämlich als einen Treiber, der höheren Inflationsraten entgegenwirken und demnach einen niedrigeren Leitzins rechtfertigen kann.

Bei der Bilanz der Federal Reserve hingegen bleibt er „hawkish“. Er ist nämlich überzeugt, dass die Zentralbank in den vergangenen Jahren zu viele Anleihen gekauft hat. Wie viele in der Bitcoin-Community argumentiert auch der potenziell nächste Fed-Chef, dass „Quantitative Easing“ die Preise von Vermögenswerten in die Höhe treibt und somit die Schere zwischen Arm und Reich vergrößert.

Als Fed-Chef möchte er die Bilanz abbauen. Das soll, so Warsh, auf der anderen Seite stärkere Zinssenkungen ermöglichen, von denen nicht nur die ohnehin schon Wohlhabenden profitieren sollen.

Ich bin der Meinung, dass wir eine kleinere Bilanz der Zentralbank brauchen. […] Gemeinsam mit dem Finanzminister werden wir einen Weg finden müssen, wie wir die Bilanz reduzieren können.
Kevin Warsh

Kevin Warsh, der potenziell nächste @FederalReserve-Chef, hat gerade bei der Anhörung im Senat unterstrichen, dass der Ausbau der Bilanz der US-Zentralbank finanzielle Assets in die Höhe getrieben hat. 🇺🇸

Als Fed-Chef möchte er die große Bilanz, die er kritisiert, reduzieren. 👀 pic.twitter.com/1quAElFPrF

— Blocktrainer (@blocktrainer) April 21, 2026

An anderer Stelle machte Warsh auch noch deutlich, dass „Gelddrucken“ ein Inflationstreiber ist. Und er beteuerte, dass es unter ihm als Fed-Chef keine Anstrengungen geben werde, eine Digitale Zentralbankwärung zu lancieren. Er halte es nämlich auch für keine gute Idee.

Kevin Warsh zu Kryptowährungen

In den vergangenen Jahren positionierte sich Warsh bereits mehrfach als Bitcoin-Befürworter. So sagte er Anfang 2021, dass Bitcoin das neue Gold der unter 40-Jährigen sei. 2025 nannte er Bitcoin dann auch noch die „coolste Software“.

Das einzige Mal, dass ihm bei der Anhörung eine konkrete Frage rund um Kryptowährungen gestellt wurde, war aber, als die „Bitcoin-Senatorin“ Cynthia Lummis an der Reihe war. Sie wollte von ihm wissen, ob „digitale Assets“ in die US-amerikanische Finanzindustrie integriert werden sollen, um den Bürgern neue Investitionsmöglichkeiten zu eröffnen sowie Verbraucherschutz zu gewährleisten. Kevin Warsh bejahte die Frage und fügte hinzu:

Digitale Vermögenswerte sind in den Vereinigten Staaten bereits fester Bestandteil der Finanzdienstleistungsbranche.
Kevin Warsh

Kevin Warsh ist der Meinung, dass „digitale Assets“ in die US-Finanzindustrie integriert werden sollten, damit die Bürger mehr Investitionsmöglichkeiten haben. 🇺🇸🏦👀 pic.twitter.com/CGmEom7Yb4

— Blocktrainer (@blocktrainer) April 21, 2026

Vor mehreren Jahren hätte eine solche Aussage noch die Kurse von Bitcoin und Co. beflügeln können. Heute, nachdem die USA bereits eine Pro-Krypto-Politik verfolgen und Donald Trump sogar ein Dekret zur strategischen Bitcoin-Reserve unterzeichnet hat, fällt das jedoch kaum noch ins Gewicht.

Unter dem Strich hatte die Anhörung keine nennenswerten Auswirkungen auf die Kapitalmärkte in ihrer Gesamtheit. Der angestrebte Bilanzabbau könnte Vermögenswerte zwar unter Druck bringen, doch Warshs diesbezügliche Ansicht ist schon länger bekannt und wie er selbst betonte, wird dies nicht von heute auf morgen geschehen.