Starke Arbeitsmarktdaten lassen Bitcoin schwächeln
Nachdem der Bitcoin-Kurs gestern am späten Abend auf 82.283 US-Dollar und damit auf das höchste Niveau seit 3,5 Monaten steigen konnte, ging es heute wieder deutlich bergab.
Grund dafür sind die um 14:30 Uhr deutscher Zeit gemeldeten US-Arbeitsmarktdaten.
Im August wurden nämlich 162.000 neue Jobs – außerhalb der Landwirtschaft – geschaffen. Die Erwartungen lagen lediglich bei 55.000 Stellen.
Darüber hinaus wurden die Daten für die beiden Vormonate um insgesamt 55.000 nach oben korrigiert.
Die Arbeitslosenquote lag derweil bei 4,1 % und damit im Rahmen der Schätzungen.
Gegenüber dem Vormonat stiegen die Löhne um 0,3 %.
Bitcoin handelte unmittelbar vor der Veröffentlichung der Daten bei circa 81.300 US-Dollar. In unmittelbarer Reaktion ging es bis 17 Uhr unter 79.000 US-Dollar – ein Minus über 3 % in kürzester Zeit.
Mit diesem Kursrutsch wurde ein großer Teil der Gewinne des gestrigen Handelstags wieder ausradiert.
Gold und Silber schwächelten nach den Daten ebenfalls – wenn auch weniger als $BTC –, während sich die Aktienmärkte weitgehend unbeeindruckt zeigten.
Zinsanhebung wieder wahrscheinlicher
Gestern konnte $BTC noch deutlich profitieren, als sich der Notenbankgouverneur Christopher Waller eher dafür positionierte, den Leitzins unverändert zu lassen. Dies begründete er mit den jüngsten Inflationstrends, betonte aber auch, dass die bis zum nächsten FOMC-Meeting am 16. September gemeldeten Daten ausschlaggebend sein werden. Damit bezog er sich auf die Inflationsdaten für den August, die am 11. September gemeldet werden.
Für die Zinsentscheidung der Federal Reserve spielen aber auch die Arbeitsmarktdaten eine große Rolle, da die Zentralbank neben der Preisstabilität auch für Vollbeschäftigung sorgen soll. Überdies signalisiert ein heißer Arbeitsmarkt einen möglicherweise durch höhere Löhne angefachten Preisdruck.
Deshalb gilt grundsätzlich, dass schwache Arbeitsmarktdaten eher Zinssenkungen rechtfertigen und vice versa. Kevin Warsh erklärte bei seiner Rede auf dem Notenbankertreffen in Jackson Hole vergangene Woche aber bereits, dass der Arbeitsmarkt robust sei und sich die Federal Reserve entsprechend in erster Linie auf ihr Mandat der Preisstabilität fokussieren könne.
Die heute gemeldeten Daten signalisieren, dass der Arbeitsmarkt wieder an Dynamik gewinnt, nachdem im Juli noch weniger Stellen als erwartet geschaffen wurden. Dennoch: Für die Federal Reserve ist die Arbeitslosenquote, die mit 4,1 % weder positiv noch negativ überraschte, die wichtigste Zahl.
Nach Wallers Äußerungen am gestrigen Donnerstag fiel die Wahrscheinlichkeit, dass die Federal Reserve am 16. September den Leitzins um 25 Basispunkte anheben wird, von über 60 auf circa 50 %.
Heute gab es in Reaktion auf die Arbeitsmarktdaten wieder einen deutlichen Anstieg auf um die 60 %, wie Daten des CME FedWatch Tool zeigen. Das heißt, dass aktuell nur zu circa 40 % eingepreist ist, dass der Leitzins in der Spanne von 3,50 bis 3,75 belassen wird.
US-Präsident Donald Trump feierte die Arbeitsmarktdaten, da diese für eine starke Wirtschaft sprechen. Im Zuge dessen forderte er aber wieder Zinssenkungen – mit der Begründung, dass man sich deshalb über die Bonität der USA keine Sorgen machen müsse.
Soeben wurden hervorragende Beschäftigungszahlen bekannt gegeben, die alle Prognosen (außer meiner!) um das Doppelte oder Dreifache übertreffen – und das ist erst der Anfang! Die Arbeitgeber haben im August 162.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Senkt die Zinsen, denn die USA sind heute ein viel kredittüchtigeres Land als noch vor kurzer Zeit! EIN STARKES LAND BEDEUTET EINEN NIEDRIGEREN ZINSSATZ – ES IST EINE BESSERE BONITÄT … Ganz einfach! Wir sollten den NIEDRIGSTEN ZINSSATZ aller Länder der Welt haben, so wie „in den guten alten Zeiten“
Donald Trump
Das Problem ist und bleibt aber, dass ein heißer US-Arbeitsmarkt ein zentrales Argument gegen Zinssenkungen ist.
Für Bitcoin werden jetzt vor allem die Inflationsdaten am 11. September von großer Bedeutung sein, da diese voraussichtlich entscheiden werden, ob es eine Anhebung des Leitzinses gibt oder nicht. Bitcoin ist ein Asset, das sehr sensibel auf den geldpolitischen Ausblick reagiert – und das in beide Richtungen, wie sich gestern und heute wieder gezeigt hat.
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