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Das Momentum ist zurück: Bitcoin profitiert wieder vom Debasement-Trade-Narrativ

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Der Bitcoin-Kurs pendelte sich nach der Rekordwoche mit dem höchsten US-Dollar-Kurszuwachs aller Zeiten nun um die 80.000-US-Dollar-Marke ein. Am Montag vergangener Woche kostete ein $BTC noch weniger als 63.000 US-Dollar.

Getrieben wurde die Rally in erster Linie durch die Ankündigung des US-Finanzministeriums, die Rückkäufe langlaufender Staatsanleihen mindestens zu verdoppeln. Hinzu kam, dass die US-Staatsschulden fast gleichzeitig die Marke von 40 Billionen US-Dollar geknackt haben.

Die Tatsache, dass Bitcoin so positiv auf die Sorgen rund um die Schuldensituation reagierte, führt offenbar dazu, dass das Asset wieder seinen Glanz zurückbekommen hat.

Das lässt sich unter anderem an der Nachfrage nach den US-amerikanischen Bitcoin-Spot-ETFs ablesen. Seit Montag vergangener Woche verzeichneten die Anlageprodukte insgesamt über 3 Milliarden US-Dollar an Zuflüssen.

Nettozuflüsse in die US-Bitcoin-Spot-ETFs pro Handelstag seit Mai – Quelle: SoSoValue

Sachwerte konkurrieren um die Aufmerksamkeit der Marktteilnehmer. Und nach dem starken Kursanstieg ist Bitcoin zurück im Fokus, während das Narrativ kaum besser sein könnte.

Schuldenproblematik lässt Bitcoin steigen

Die führenden US-amerikanischen Finanzmedien erkennen, dass der plötzliche Bitcoin-Kursanstieg im konkreten Zusammenhang mit der Anleihekaufmeldung des Finanzministeriums steht – auch wenn der größte „Short Squeeze“ in der Bitcoin-Geschichte die Bewegung offenbar deutlich verstärkte.

So titelte die sonst eher $BTC-kritische Financial Times vergangene Woche bereits:

Bitcoin und Gold legen kräftig zu, nachdem Bessents Eingriff in den Anleihemarkt den US-Dollar belastet
Financial Times

Am Freitag vergangener Woche veröffentlichte dann auch noch der Star-Investor Ray Dalio einen Beitrag zur Schuldenproblematik, in dem er Investoren eine Bitcoin-Allokation nahelegte.

Viele Volkswirtschaften haben ähnliche Schulden- und Defizitprobleme [wie die USA]. Das gilt für Großbritannien, die EU, China und Japan gleichermaßen. Deshalb gehe ich davon aus, dass in den meisten Volkswirtschaften ein ähnlicher Anpassungsprozess in Form von Schulden- und Währungsabwertung stattfinden wird, weshalb ich erwarte, dass nicht staatlich geschaffene Gelder wie Gold und Bitcoin sich relativ gut entwickeln werden. […] Als allgemeine Empfehlung schlage ich vor, das Portfolio gut über verschiedene Anlageklassen und Länder zu streuen, die solide Gewinn- und Verlustrechnungen sowie Bilanzen aufweisen und in denen keine größeren innenpolitischen oder außenpolitischen Konflikte herrschen, dabei Schuldtitel wie Anleihen unterzugewichten und Gold sowie einen kleinen Anteil an Bitcoin überzugewichten.
Ray Dalio

Bloomberg nutzte dies dann als Aufhänger für einen Artikel mit der Überschrift:

Dalio rät angesichts der drohenden Schuldenkrise dazu, Anleihen zu verkaufen und Gold sowie Bitcoin zu kaufen
Bloomberg

In dieser Woche, in der $BTC schließlich zum ersten Mal seit Mitte Mai wieder über 80.000 US-Dollar handelte, ging es mit positiven Meldungen dieser Art weiter.

Am Mittwoch veröffentlichte Bloomberg einen Artikel zu den starken Zuflüssen in Gold- und Bitcoin-ETFs. Diese wurden mit dem Begriff „Scarcity-Trade“ in Verbindung gebracht, was so viel bedeutet wie, dass sich Anleger auf Assets mit begrenzter Gesamtmenge stürzen.

Bitcoin- und Goldfonds verzeichnen Zuflüsse in Höhe von 7 Milliarden Dollar, während der „Scarcity-Trade“ an Fahrt gewinnt
Bloomberg

Weiter hieß es zudem, dass sich Investoren nicht mehr zwischen Gold und Bitcoin entscheiden, sondern auf beides setzen würden.

Die Korrelation von Bitcoin mit Gold ist derweil in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen, während sich $BTC zunehmend von dem Technologieindex Nasdaq 100 entkoppeln konnte, wie die Daten vom Vermögensverwalter Grayscale zeigen.

Rollierende 90-Tages-Korrelation von Bitcoin mit Gold/Nasdaq 100 – Quelle: Grayscale

Die Rückkehr des „Debasement-Trades“

Das alles passt zum Narrativ des „Debasement-Trades“, das schon einmal Ende vergangenen Jahres aufkam. Damals konnte $BTC aber nur kurz profitieren, während Gold und Silber noch bis Ende Januar auf neue Rekordstände stiegen.

Seit der vergangenen Woche wird der Begriff wieder verstärkt herangezogen, um die jüngste Rally bei Bitcoin und den Edelmetallen zu erklären.

Das renommierte Wall-Street-Analysehaus Bernstein gab in dieser Woche schließlich eine neue Bitcoin-Kursprognose ab. Aufgrund der voranschreitenden Geldentwertung sieht Bernstein $BTC Ende 2029 bei 300.000 US-Dollar handeln. Die 150.000-US-Dollar-Marke soll derweil schon im kommenden Jahr erreicht werden.

Der Nachrichtensender CNBC veröffentlichte daraufhin einen Artikel mit der Headline:

Durch den „Debasement-Trade“ wird Bitcoin in drei Jahren auf 300.000 Dollar steigen, sagt Bernstein
CNBC

Bernstein fiel in der Vergangenheit jedoch schon mit äußerst optimistischen Vorhersagen auf, die sich nicht bewahrheiteten. So passte das Analysehaus im Sommer 2024 beispielsweise die Prognose für Ende 2025 von 150.000 auf 200.000 US-Dollar an – ein Niveau, das $BTC bekanntlich nicht erreichte.

Das alles gilt umso mehr für die Investmentbank Standard Chartered, die für das Jahr 2025 noch einen Kurs in Höhe von 200.000 US-Dollar erreichbar sah. In einer aktuellen Research-Note hieß es jetzt, dass das vor einigen Monaten auf 100.000 US-Dollar heruntergesetzte Kursziel für Ende 2026 eventuell zu pessimistisch sei und $BTC in diesem Jahr noch in Richtung eines neuen Allzeithoch steigen könne.

BlackRock wieder im Bitcoin-Fieber

Ein Finanzunternehmen, das sich mit Kurszielen weitgehend zurückhält, ist BlackRock.

Der weltweit größte Vermögensverwalter veröffentlichte am Montag vergangener Woche noch einen neuen Bericht, in dem sich Robbie Mitchnick, der Leiter der Abteilung für digitale Assets bei BlackRock, mit der Frage auseinandersetzte, ob der fallende Kurs etwas an dem Investment-Case von Bitcoin geändert habe.

Das Fazit des Reports war:

Wir betrachten den Kursrückgang als Folge spezifischer Deleveraging- und Kapitalflussdynamiken und sind der Ansicht, dass die grundlegenden Investitionsargumente für Bitcoin als wichtige aufstrebende globale Währungsalternative und einzigartiges Instrument zur Portfoliodiversifizierung unverändert bestehen bleiben.
BlackRock

Mitchnick war in dieser Woche schließlich bei CNBC zu Gast, um über die aktuelle Situation bei Bitcoin zu sprechen. In dem Interview zeigte er sich erfreut darüber, dass sich die Einschätzung in dem Bericht wenige Tage später als zutreffend erwies.

Es ist schön, wenn man etwas veröffentlicht und es dann innerhalb weniger Tage durch nachfolgende Entwicklungen am Markt gewissermaßen bestätigt wird.
Robbie Mitchnick

Unter dem Strich nutzte Mitchnick die Zeit, um zu erklären, dass Bitcoin von zunehmenden Sorgen vor ausufernden Staatsschulden und der damit einhergehenden Geldentwertung profitieren solle.

Angesprochen auf das Krypto-Gesetz CLARITY Act erklärte er, dass dieses für Bitcoin nicht wirklich ausschlaggebend sei, da bei $BTC schon weitgehend regulatorische Klarheit herrsche.

Darüber hinaus betonte er auch, dass Bitcoin zwar kurzfristig wie ein Risk-on-Asset wirken möge, wenn sich der Kurs Hand in Hand mit Technologieaktien bewege. Dies sei aber, so Mitchnick, zum Teil durch die vielen spekulativen Marktteilnehmer und den Hebel zu erklären. Letztlich würden die fundamentalen Treiber von Bitcoin vielmehr jene eines Risk-off-Assets sein.

Bitcoin weist einige Eigenschaften auf, bei denen man meinen könnte, es müsse – in Anführungszeichen – ein Risk-on-Asset sein. Es ist eine neuartige Technologie und nach wie vor ein volatiler Vermögenswert. Gleichzeitig deuten die fundamentalen Risiko- und Renditetreiber in vielen Fällen jedoch darauf hin, dass sich Bitcoin entgegengesetzt zu Aktien und anderen traditionellen Anlageklassen verhält. Daher gibt es Phasen, in denen Bitcoin sich eher wie ein Risk-on-Asset verhält. Das wird teilweise durch die spekulativen Händler am Markt verursacht, die häufig mit Hebel handeln. Es gibt aber auch Phasen, in denen es sich eher wie ein Risk-off-Asset verhält. Gerade in den vergangenen Wochen ist die letztgenannte Sichtweise wieder stärker in den Vordergrund gerückt.
Robbie Mitchnick

Mitchnick konkludiert, dass es sinnvoller sein dürfte, auf Bitcoin als Risk-off-Asset zu wetten – und der Großteil der institutionellen Kunden zum selben Fazit kommt.

Ich denke, langfristig ist das das Narrativ, auf das man bei Bitcoin setzen sollte. So sehen es die meisten der langfristig orientierten institutionellen Anleger, mit denen wir zu tun haben.
Robbie Mitchnick

Robbie Mitchnick von @BlackRock erklärt @CNBC, dass Bitcoin manchmal zwar noch wegen der Spekulanten wie ein Risk-On-Asset handelt, man langfristig aber eher auf $BTC als Risk-Off-Asset wetten sollte. 💯

Zu diesem Fazit würden auch BlackRocks institutionelle Kunden kommen. 🔥📈 pic.twitter.com/2sUBoLPN3Y

— Blocktrainer (@blocktrainer) August 27, 2026

Nachhaltiger Stimmungswechsel?

Auch wenn Bitcoin noch 37 % vom Allzeithoch entfernt handelt, hat sich der Ausblick deutlich verbessert. Denn viele Marktteilnehmer scheinen das Asset als potenziellen Schutz vor der Geldentwertung wieder für sich entdeckt zu haben.

Das ist von großer Relevanz, da $BTC in den vergangenen Monaten offenbar unter dem KI-Hype an der Wall Street gelitten hat. Dieser hatte augenscheinlich nämlich Kapital aus anderen Sektoren angezogen, wie BlackRocks Mitchnick mehrfach erklärte.

Hinzu kommt, dass einige $BTC wohl schon abgeschrieben hatten und demnach nach der Rally diese These überdenken müssen. Bitcoin zeigte nämlich mal wieder eindrucksvoll, wie stark das Asset in nur wenigen Tagen zulegen kann.

Die jetzt wieder positive Stimmung rund um Bitcoin könnte dazu führen, dass die Anleger, die noch auf tiefere Kurse gewartet haben, kleinere Korrekturen direkt zum Einstieg nutzen werden.

Robbie Mitchnick hatte Ende Juni prognostiziert, dass Bitcoin Ende des Jahres wieder an Momentum gewinnen wird, wenn dann die Staatsschulden im Zuge der Midterm-Wahlen wieder in den Fokus rücken.

Jetzt sieht es so aus, als wäre dieser Stimmungswechsel schon einige Wochen vorher gekommen, was bedeuten könnte, dass es in den kommenden Monaten mit weiteren Katalysatoren umso stärker bergauf gehen wird.

Ob dabei das 100.000-US-Dollar-Kursziel von Standard Chartered bis Ende des Jahres oder gar die von Bernstein prognostizierten 150.000 US-Dollar für das kommende Jahr erreicht werden, muss letztlich die Zukunft zeigen.