Die Kryptomärkte reagieren mit deutlichen Kursgewinnen auf überraschende Fortschritte im Konflikt zwischen den USA und dem Iran. Nachdem US-Präsident Donald Trump am Sonntagabend die Einigung auf ein Friedensabkommen verkündet hatte, sprang Bitcoin zeitweise bis auf knapp 66.000 Dollar und erreichte damit den höchsten Stand seit fast zwei Wochen. Gleichzeitig brachen die Ölpreise ein, während die Aktienfutures kräftig zulegten. Für den Kryptomarkt könnte die Entwicklung weit über eine kurzfristige Erleichterungsrally hinausgehen.
Friedensdeal sorgt für Risk-on-Stimmung
Auslöser der Kursbewegung war die Ankündigung eines umfassenden Abkommens zwischen Washington und Teheran. Trump erklärte auf seiner Plattform Truth Social, die Vereinbarung sei abgeschlossen und die Straße von Hormus werde nach der offiziellen Unterzeichnung am Freitag wieder geöffnet. Parallel dazu soll die US-Seeblockade gegen den Iran aufgehoben werden.
Die Nachricht traf auf einen Markt, der seit Monaten unter den wirtschaftlichen Folgen des Konflikts leidet. Die faktische Schließung der strategisch wichtigen Meerenge hatte seit Ende Februar erhebliche Verwerfungen an den Energiemärkten ausgelöst und den Ölpreis zeitweise deutlich über 100 Dollar je Barrel getrieben. Die dadurch ausgelösten Inflationssorgen belasteten insbesondere risikoreiche Anlageklassen wie Kryptowährungen.
Mit der Aussicht auf eine Normalisierung der Energieversorgung änderte sich das Bild nun schlagartig. Der Preis für WTI-Rohöl fiel um rund fünf Prozent auf den niedrigsten Stand seit Anfang März, während Brent-Rohöl ebenfalls deutlich nachgab. Bitcoin profitierte von der verbesserten Risikostimmung und kletterte auf bis zu 65.881 Dollar. Auch der breitere Kryptomarkt legte zu. Die gesamte Marktkapitalisierung stieg um rund zwei Prozent, während mehrere Altcoins zweistellige Tagesgewinne verzeichneten.
Marktbeobachter sehen in der Entwicklung vor allem den Abbau einer geopolitischen Risikoprämie. Sinkende Ölpreise reduzieren den Inflationsdruck und verbessern damit die Aussichten für Finanzmärkte insgesamt. Gleichzeitig verschwindet ein wichtiger Unsicherheitsfaktor, der Investoren in den vergangenen Monaten von risikoreicheren Anlagen ferngehalten hatte.
Standard Chartered sieht Ende des Krypto-Winters
Zusätzlichen Rückenwind erhielt der Markt durch eine neue Einschätzung der Großbank Standard Chartered. Deren Digital-Assets-Chefanalyst Geoff Kendrick erklärte gegenüber Kunden, dass die Tiefstände des aktuellen Zyklus wahrscheinlich bereits erreicht worden seien. Aus seiner Sicht markierte der Rücksetzer auf rund 59.000 Dollar Anfang Juni das Tief des laufenden Bärenmarktes.
Für diese Einschätzung verweist Kendrick auf drei Entwicklungen, die nun gleichzeitig auftreten. Erstens deuten neue Signale von Strategy-Gründer Michael Saylor auf weitere Bitcoin-Käufe des Unternehmens hin. Zweitens verzeichneten die US-Spot-Bitcoin-ETFs zuletzt wieder Nettozuflüsse. Allein am Freitag flossen rund 86 Millionen Dollar in die Fonds. Drittens setzen die fallenden Ölpreise den makroökonomischen Gegenwind für Risikoanlagen zunehmend unter Druck.
Besonders der Ölmarkt spielt dabei eine größere Rolle, als es auf den ersten Blick erscheint. In den vergangenen Monaten waren steigende Energiekosten ein zentraler Treiber der wieder anziehenden Inflation. Die US-Inflationsrate liegt inzwischen bei 4,2 Prozent und damit auf dem höchsten Niveau seit drei Jahren. Entsprechend hatten die Märkte zuletzt sogar wieder Zinserhöhungen der Federal Reserve eingepreist.
Fed-Sitzung wird zum nächsten Belastungstest
Ob aus der aktuellen Erholung tatsächlich ein nachhaltiger Aufwärtstrend entsteht, dürfte sich bereits in den kommenden Tagen entscheiden. Am Mittwoch steht die erste Zinssitzung der US-Notenbank unter dem neuen Fed-Chef Kevin Warsh an. Zwar rechnen die Terminmärkte mit überwältigender Mehrheit damit, dass die Leitzinsen unverändert bleiben. Dennoch warten Investoren gespannt auf Hinweise, wie die Fed die jüngsten Inflationsdaten und die veränderte Lage am Ölmarkt bewertet.
Ein dauerhaft niedrigerer Ölpreis könnte den Inflationsdruck deutlich abschwächen und damit den Spielraum für eine lockerere Geldpolitik im weiteren Jahresverlauf erhöhen. Genau dieses Szenario würde sowohl Aktien als auch Kryptowährungen unterstützen. Noch ist jedoch unklar, wie belastbar das angekündigte Friedensabkommen tatsächlich ist. Die Frage des iranischen Atomprogramms wurde zunächst vertagt, während mehrere Analysten davor warnen, die aktuelle Einigung bereits als endgültige Lösung des Konflikts zu betrachten.
Für Bitcoin bleibt die Entwicklung dennoch von großer Bedeutung. Nach Monaten, in denen Krieg, Inflation und Zinssorgen die Kursentwicklung dominierten, könnte erstmals wieder ein makroökonomisches Umfeld entstehen, das Risikoanlagen Rückenwind statt Gegenwind liefert. Die kommenden Tage dürften deshalb entscheidend dafür werden, ob der jüngste Kursanstieg lediglich eine Erholungsbewegung bleibt oder tatsächlich den Beginn einer neuen Aufwärtsphase markiert.