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Bitcoin fällt unter 78.000 Dollar: Ölpreisschock erhöht den Druck

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Bitcoin ist am Dienstag zeitweise unter die Marke von 78.000 Dollar gefallen und hat damit den niedrigsten Stand seit dem 3. September erreicht. Auslöser war vor allem die erneute Eskalation im Nahen Osten, die den Ölpreis kräftig steigen ließ und zugleich Aktien sowie andere Risikoanlagen belastete. Für den Kryptomarkt rückt damit erneut das Makroumfeld in den Vordergrund: Höhere Energiepreise könnten die Inflation anheizen und der US-Notenbank weniger Spielraum für eine lockerere Geldpolitik lassen.

Der Bitcoin-Kurs fiel zum Wall-Street-Handelsstart zwischenzeitlich bis auf rund 77.600 Dollar, bevor eine leichte Gegenbewegung einsetzte. Parallel gerieten auch die US-Aktienmärkte unter Druck. Der S&P 500 verlor zeitweise rund 0,5 Prozent, der Nasdaq Composite etwa 0,4 Prozent.

Deutlich stärker fiel die Reaktion am Ölmarkt aus. Brent stieg am Mittwoch über die Marke von 100 Dollar je Barrel und erreichte damit den höchsten Stand seit Ende Juli. Die US-Sorte WTI kletterte auf rund 95 Dollar und damit auf den höchsten Stand seit Anfang Juni.

Nahost-Eskalation treibt Ölpreise

Hinter dem Preissprung stehen neue militärische Auseinandersetzungen in der Region. Nach Angaben des U.S. Central Command griffen die USA mehrere iranische Öltanker im Golf von Oman und nahe Kharg Island an. Die Insel ist ein zentraler Umschlagplatz für die iranischen Ölexporte.

Iran erklärte seinerseits, US-Militärziele sowie Schiffe und Öltanker angegriffen zu haben. Gleichzeitig verschärften Angriffe der Huthi-Miliz auf saudische Städte und Energieinfrastruktur die Sorgen um mögliche Angebotsausfälle. Saudi Aramco setzte daraufhin zeitweise den Betrieb einzelner Raffinerieanlagen aus.

Besonders im Fokus steht erneut die Straße von Hormus. Eine stärkere Beeinträchtigung der Schifffahrt in der Meerenge könnte erhebliche Folgen für den globalen Ölmarkt haben.

Für Investoren ist dabei nicht nur der direkte Versorgungseffekt relevant. Steigende Energiepreise erhöhen auch das Risiko, dass sich der Inflationsdruck wieder verstärkt.

Inflationsrisiken werden zum Problem für Bitcoin

Genau darin liegt derzeit die Verbindung zum Kryptomarkt. Höhere Öl- und Dieselpreise können sich über Transport-, Produktions- und Konsumkosten auf die Gesamtinflation auswirken. Marktbeobachter verweisen deshalb zunehmend auf das Risiko eines stagflationären Umfelds: schwächeres Wachstum bei gleichzeitig höherer Inflation.

Für Bitcoin wäre das vor allem über die Geldpolitik relevant. Bleibt die Inflation hartnäckig, könnte die Federal Reserve weniger Spielraum für Zinssenkungen oder eine anderweitige Lockerung ihrer Geldpolitik haben.

Damit steigt auch die Bedeutung der kommenden US-Inflationsdaten. Der nächste Verbraucherpreisindex wird am Freitag veröffentlicht und könnte die Erwartungen an die weitere Fed-Politik erneut deutlich bewegen.

Bitcoin testet entscheidende Unterstützung

Auch aus technischer Sicht befindet sich Bitcoin aktuell an einer wichtigen Marke. Der Analyst Rekt Capital sieht den Bereich um 78.300 Dollar als zentrale Unterstützung.

Er zieht dabei Parallelen zum gescheiterten Bitcoin-Ausbruch im Mai. Damals stieg der Kurs zunächst bis auf rund 82.800 Dollar, fiel anschließend auf 78.300 Dollar zurück und verlor die Marke später als Unterstützung. Darauf folgte ein deutlicher Rückgang bis in den Bereich von rund 57.000 Dollar.

Nach Einschätzung von Rekt Capital würde ein Wochenschluss unter 78.300 Dollar mit anschließendem gescheiterten Rückeroberungsversuch das Risiko eines erneuten technischen Breakdowns erhöhen. Gleichzeitig würde Bitcoin damit ein weiteres tieferes Hoch in einer Serie ausbilden, die nach seiner Analyse bis Oktober 2025 zurückreicht.

Golden Cross liefert Gegensignal

Der kurzfristigen Schwäche steht allerdings ein bullisches technisches Signal gegenüber. Bitcoin hat erneut ein sogenanntes Golden Cross ausgebildet. Dabei steigt der 50-Tage-Durchschnitt über den 200-Tage-Durchschnitt – ein Muster, das von technischen Analysten häufig als Zeichen zunehmenden mittelfristigen Momentums gewertet wird.

Laut den vorliegenden Daten handelt es sich um das 13. Golden Cross in der Bitcoin-Historie. Die historische Aussagekraft des Signals ist jedoch begrenzt.

In drei früheren Fällen folgten innerhalb der nächsten zwölf Monate außergewöhnlich starke Kursgewinne von durchschnittlich mehr als 250 Prozent. In den übrigen neun Fällen lag die durchschnittliche Performance dagegen nur bei rund 24,9 Prozent. Ein Golden Cross ist damit kein verlässlicher Garant für eine neue Rallye.

Makroumfeld entscheidet über die nächste Bewegung

Bitcoin befindet sich damit derzeit in einem widersprüchlichen technischen und makroökonomischen Umfeld. Der starke Rebound seit Ende August und das Golden Cross sprechen für verbessertes Momentum. Gleichzeitig zeigen der Rückfall unter 78.000 Dollar und der erneute Test der Unterstützungszone um 78.300 Dollar, dass die jüngste Erholung noch nicht nachhaltig bestätigt ist.

Kurzfristig dürfte deshalb vor allem das Zusammenspiel aus Ölpreisen, geopolitischer Entwicklung und Inflationsdaten entscheidend bleiben. Sollte der Energieschock länger anhalten und die Erwartungen an eine lockerere US-Geldpolitik zurückdrängen, könnte dies den Druck auf Bitcoin und andere Risikoanlagen weiter erhöhen.

Gelingt es Bitcoin dagegen, die Zone um 78.300 Dollar zu verteidigen und anschließend den Bereich zwischen 80.000 und 82.000 Dollar zurückzuerobern, würde sich das technische Bild wieder deutlich aufhellen.