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Bitcoin statt Banken: Iran baut Krypto-Nutzung im Außenhandel aus

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Bereits vor einigen Monaten berichteten wir hier bei Blocktrainer.de darüber, dass der Iran Kryptowährungen offenbar gezielt nutzt, um westliche Sanktionen zu umgehen. Dabei spielt insbesondere die größte iranische Kryptobörse Nobitex eine wichtige Rolle. Recherchen deuteten zudem darauf hin, dass auch die iranische Zentralbank selbst große Summen in Kryptowährungen bewegte.

Nun scheint sich diese Entwicklung weiter zu verstetigen.

Zentralbank lockert Devisenregeln

Wie die Financial Times unter Berufung auf iranische Unternehmer, Regierungsnahe und Analysten berichtet, hat die iranische Zentralbank ihre bisher sehr strengen Vorgaben für den Umgang mit Fremdwährungen in den vergangenen Monaten offenbar deutlich gelockert.

Unternehmen werden demnach inzwischen „stillschweigend dazu ermutigt“, Einnahmen aus dem Ausland „mit allen notwendigen Mitteln“ zurück ins Land zu bringen. Dazu gehört ausdrücklich auch die Nutzung von Kryptowährungen, vor allem Tether ($USDT) und Bitcoin, für grenzüberschreitende Zahlungen über iranische Kryptobörsen.

Im Rahmen der gelockerten Regeln können Händler Fremdwährungen nun auch auf dem großen freien Devisenmarkt des Landes tauschen, anstatt auf die staatlich vorgegebenen Wechselkurse angewiesen zu sein. Zudem dürfen sie ihre Exporterlöse direkt zur Finanzierung von Importen verwenden, ohne die Einnahmen zuvor über das offizielle Devisensystem abwickeln zu müssen.
Financial Times

Ein regierungsnaher Unternehmer beschreibt die neue Realität gegenüber der Financial Times entsprechend deutlich. Die Zentralbank frage inzwischen nicht mehr danach, wie das Geld ins Land gelangt sei. Das Akzeptieren von Kryptowährungen für Exporte sei mittlerweile fest etabliert.

Hintergrund ist der enorme Druck auf die iranische Wirtschaft. Das Land ist seit Jahren weitgehend vom internationalen Finanzsystem abgeschnitten. Gleichzeitig sollen iranische Unternehmen laut Justiz Schätzungen zufolge mittlerweile mehr als 100 Milliarden US-Dollar an nicht deklarierten Einnahmen im In- und Ausland angehäuft haben.

$USDT aktuell noch wichtiger als BTC

Ehrlicherweise scheint für den konkreten Außenhandel primär $USDT attraktiv zu sein, da der Stablecoin bekanntlich den Wert des US-Dollars abbildet und damit für klassische Handelsgeschäfte natürlich deutlich weniger volatil ist. Die Rolle von Bitcoin ist in diesem Hinblick wohl noch deutlich geringer.

Die Dimension ist trotzdem beachtlich. Nach Daten von TRM Labs wurden allein im Jahr 2025 Kryptowährungen im Wert von knapp 10 Milliarden US-Dollar durch den Iran bewegt.

Ganz ohne Nachteile ist die Stablecoin-Lösung aus iranischer Sicht allerdings nicht. Tether ist schließlich kein dezentrales Projekt wie Bitcoin und kann einzelne Adressen einfrieren. Im April fror das Unternehmen beispielsweise 344 Millionen US-Dollar in $USDT ein, die von US-Behörden mit der iranischen Zentralbank in Verbindung gebracht wurden.

Bei Bitcoin ist ein solches Einfrieren oder Beschlagnahmen natürlich nicht möglich, da es keine zentrale Instanz gibt, die darüber entscheiden könnte.

Das Office of Foreign Assets Control (OFAC) des US-Finanzministeriums sanktioniert mehrere mit dem Iran in Verbindung stehende Wallets – infolgedessen wurden Kryptowährungen im Wert von 344 Millionen US-Dollar eingefroren.

Wir werden den Geldflüssen folgen, die Teheran verzweifelt außerhalb des Landes zu bewegen versucht, und sämtliche finanziellen Lebensadern ins Visier nehmen, die mit dem Regime verbunden sind.
Scott Bessent, US-Finanzminister

Under Economic Fury, @USTreasury will continue to systematically degrade Tehran’s ability to generate, move, and repatriate funds.

Treasury’s Office of Foreign Assets Control is sanctioning multiple wallets tied to Iran — resulting in the freeze of $344 million in…

— Treasury Secretary Scott Bessent (@SecScottBessent) April 24, 2026

Bitcoin-Mining als zusätzlicher Ausweg

Bitcoin spielt für den Iran zudem noch auf einer anderen Ebene eine Rolle. Aufgrund der vergleichsweise günstigen Energiepreise hat sich im Land über Jahre eine relevante Mining-Industrie entwickelt.

Der Analysedienst Elliptic schätzte bereits im Jahr 2021, dass damals rund 4,5 Prozent des weltweiten Bitcoin-Minings im Iran stattfanden. Auf diese Weise kann das Land heimische Energie direkt in einen global handelbaren Vermögenswert umwandeln und damit wiederum Importe finanzieren beziehungsweise Sanktionen umgehen.

Das ersetzt natürlich nicht den klassischen Außenhandel. Es schafft aber einen zusätzlichen Kanal, der (insbesondere für die USA) deutlich schwerer zu kontrollieren ist als internationale Banküberweisungen.

Vom Umgehungsweg zum etablierten Werkzeug

Dass der Iran Bitcoin und Tether zur Umgehung von Sanktionen nutzt, ist grundsätzlich nichts Neues. Interessant ist vielmehr, dass diese Nutzung nun offenbar zunehmend institutionalisiert wird.

Während es bislang vor allem um einzelne Börsen, staatliche Akteure oder verdeckte Zahlungswege ging, scheint die iranische Zentralbank Kryptowährungen mittlerweile zumindest zu dulden, wenn Unternehmen damit Außenhandel abwickeln und dringend benötigte Devisen ins Land holen.

Diese Entwicklung zeigt damit ziemlich deutlich, was passiert, wenn ein Land zunehmend vom klassischen Finanzsystem abgeschnitten wird. Es sucht sich Alternativen. Und Bitcoin sowie Stablecoins scheinen dabei für den Iran inzwischen weit mehr zu sein als nur ein Nischenexperiment zu sein.

Das zeigte sich zuletzt auch an der Straße von Hormus. Dort kündigte der Iran an, Gebühren für die Passage von Schiffen in Kryptowährungen zu verlangen, und ausdrücklich genannt wurde dabei Bitcoin.
Gerade weil Stablecoins genau so wie klassische Fiatwährungen von Staaten beziehungsweise Emittenten eingefroren werden können, dürfte die Zensurresistenz von Bitcoin für den Iran zunehmend an Bedeutung gewinnen.