FBI schnappt Bitcoin-Nutzer BarbaraWhite: So glückte der Coup
Das US-amerikanische Federal Bureau of Investigation (kurz FBI) schnappte jüngst erfolgreich zwei mutmaßliche Bitcoin-Nutzer. Ihnen wirft man kriminelle Geschäfte im Bereich der gefälschten Medikamente und der illegalen Betäubungsmittel vor, deren Finanzierung über die Kryptowährung erfolgt sei.
Bei den zwei Beschuldigten handelt es sich um die Brüder Vladislav Chernyshov und Stanislav Chernyshov, die in der Stadt Jacksonville des Bundesstaats Florida lebten, vermeldete die US-Justiz bereits vor einer Woche.
Unter dem Pseudonym BarbaraWhite sollen sie auf verschiedenen Darknet-Marktplätzen aktiv gewesen sein. Sollte ein US-Gericht die Brüder für schuldig befinden, droht ihnen eine Haftstrafe von je maximal zwanzig Jahren.
Neue Informationen von Chainalysis legen jetzt offen, wie es Ermittlern der Strafverfolgungsbehörde FBI gelungen ist, den Beschuldigten auf die Schliche zu kommen. Demnach wurde ihnen die Verwendung der transparenten Bitcoin-Blockchain zum Verhängnis.
FBI agents just arrested an alleged darknet market vendor who sold “FENT FREE” nitazenes – an opioid that can be more dangerous than fentanyl – for crypto.
We unpack how agents tracked their suspect down on-chain:
1/5 pic.twitter.com/je6ellSrXy
— Chainalysis (@chainalysis) September 8, 2026
Seit der Entstehung des Darknet-Marktplatzes Silk Road sind Kryptowährungen die bevorzugten Zahlungsmittel im Darknet, da diese die Rückverfolgung im Vergleich zu den zuvor verwendeten Methoden – etwa PayPal – erheblich erschweren.
Zunächst nahm der Bitcoin dafür eine zentrale Rolle ein. Inzwischen wurde dieser jedoch weithin von Privacy Coins wie Monero verdrängt, da diese durch ihre verschlüsselte Blockchain noch weniger Angriffsfläche bieten.
BarbaraWhite lieferte den Ermittlern über zahlreiche Bitcoin-Transaktionen etliche aufschlussreiche Informationen, so legen Blockchain-Analysten von Chainalysis offen.
Ermittler werfen Drogenhändler Mitschuld an drei Todesfällen vor
Stanislav Chernyshov sei dank der Blockchain-Analyse über Bitcoin erfolgreich identifiziert worden, schreibt Chainalysis in seinem Bericht. Über weitere Ermittlungen sei man schließlich zu der Einsicht gelangt, dass er seit 2020 einen digitalen Drogenhandel in Kooperation mit seinem Bruder Vladislav aufgebaut habe.
“Die Ermittler kombinierten Blockchain-Analysen mit Marktplatzdaten, Postunterlagen, Überwachungsmaßnahmen und verdeckten Käufen, um die Aktivitäten des Netzwerks von seinen Online-Aktivitäten bis hin zu den mutmaßlichen Betreibern in der realen Welt zurückzuverfolgen”, beschreibt Chainalysis diesen Prozess.
BarbaraWhite sei unter anderem auf den Marktplätzen Nemesis, Bohemia und Abacus aktiv gewesen. Dort sollen die Händler sowohl illegale Drogen wie auch gefälschte Oxycodon-Pillen verkauft haben.
Diese sollen extrem potente Nitazene enthalten haben, welche wegen ihrer immensen Wirkung möglicherweise unerwartete Auswirkungen auf die Käufer hatten. Bei Nitazenen handelt es sich um synthetische Opioide – vergleichbar mit der Droge Fentanyl.
Den Beschuldigten wirft man laut Chainalysis deshalb sogar die Mitschuld an drei Todesfällen vor. Zwölf Fälle, in denen es zu einer Überdosierung kam, könne man auf Pillen von BarbaraWhite zurückführen.
So viel Geld nahmen die Händler über Darknet-Marktplätze ein
Laut aktuellen Informationen verkaufte BarbaraWhite vermutlich mehrere hunderttausende Pillen über Darknet-Marktplätze. Aufzeichnungen der besagten Plattformen sollen jedoch zeigen, dass mindestens 95.000 Pillen von den beiden Brüdern verkauft wurden.
Dabei sollen Einnahmen in Höhe von mindestens 220.000 US-Dollar zustande gekommen sein. Für den Empfang der Gelder richteten die Brüder eine Reihe von Bitcoin-Adressen ein. Teile der empfangenen Coins sendete man dann an Geschäftspartner weiter.
Dazu soll ein Krypto-Dienstleister zählen, der Bestellungen im Auftrag seiner Kunden aufgibt. Auch an einen weiteren Drogenhändler und einen chinesischen Produzenten von Chemikalien seien Gelder geflossen.
Über diese Transaktionen sei BarbaraWhite an die Nitazene gelangt. Der Erwerb sei unter dem Vorwand der Forschung erfolgt und betreffe Drogen-Derivate. Durch die Herstellung der Derivate sei es möglich, bereits etablierte Drogenverbote zu umgehen.
Schließlich sei es auch möglich gewesen, Zahlungen der pseudonymen Bitcoin-Adressen mit einem Zahlungskonto zu verknüpfen, das Stanislav mit seinem Klarnamen führte.
“Durch die Rückverfolgung dieser [Bitcoin-Zahlungen] gelang es den Ermittlern, die gesamte Infrastruktur rund um die mutmaßliche Operation zu erfassen und schließlich eine Verbindung zwischen BarbaraWhite und Stanislav herzustellen”, berichtet Chainalysis.
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