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Zonda-CEO flieht nach Israel: Verdacht auf Exit Scam erhärtet sich

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Zonda-CEO flieht nach Israel: Verdacht auf Exit Scam erhärtet sich

Przemysław Kral, Geschäftsführer der Krypto-Börse Zondacrypto, verließ seinen ehemaligen Wohnort Polen wohl für immer, um nach Israel zu fliehen – darüber berichtet das polnische Nachrichtenmagazin Onet. Kral soll neben einer polnischen Staatsbürgerschaft auch eine israelische Staatsbürgerschaft halten.

Israel liefert seine eigenen, straffälligen Staatsbürger nicht ans Ausland aus. Kral könnte strafrechtlichen Konsequenzen entgehen, die im Fall um Zondacrypto in der EU auf ihn zukämen. Über die letzten Wochen kam die Vermutung auf, dass Zonda einen Ausstiegsbetrug begangen haben könnte.

In der Krypto-Szene sorgte das Gerücht für besonders große Aufmerksamkeit, da Zonda in mehreren EU-Ländern reguliert ist. Bis heute wirbt das Unternehmen mit dieser Regulierung für sich. Die Kunden der Krypto-Börse konnten daraus augenscheinlich keinen Vorteil ziehen.

Seit Anfang April erlaubt Zonda seinen Kunden keine Auszahlungen mehr. Unzählige Kryptowährungen befinden sich augenscheinlich weiter unter der Kontrolle der Unternehmensführung. Bei den Coins handelt es sich um das Eigentum der Kunden, für dessen Verwahrung die Krypto-Börse verantwortlich ist.

Auch sonst ist ein starker Rückgang der betrieblichen Aktivitäten zu vernehmen. Zonda entließ große Teile seiner Belegschaft und weist auf sozialen Netzwerken seit einigen Wochen kaum mehr Aktivitäten auf.

Mitte des Monats dann die Überraschung: Geschäftsführer Kral meldete sich auf X in einem Video zu Wort. Darin bestritt er den Vorwurf eines Ausstiegsbetrugs. Zonda, so erklärte er, habe lediglich Liquiditätsprobleme, da Firmengründer Sylwester Suszek den Zugang zu 4.500 $BTC seit 2022 geheim halte. Suszek verschwand 2022 spurlos. Polnische Behörden gehen von einem Todesfall aus.

Laut Onet lag Kral bereits längst mit polnischen Behörden im Zwist. Weil er in Polen eine Festnahme befürchtete, lebte er demnach schon seit Jahren in Monaco. Seine Lebenshaltung finanzierte er über die Krypto-Börse Zonda, die ihren Sitz in Estland unterhält, aber vor allem Kunden in Polen bediente.

Finanzbetrüger Kral nutzt toten Zonda-Gründer als Sündenbock?

Onet beruft sich in seinem Bericht auf Insideraussagen. Insider bestätigen: Kral verließ des Fürstentum Monaco – seinen letzten Wohnort – bereits am 17. April, um nach Israel auszureisen. Die Reise habe er mit der Absicht angetreten, in Israel einen neuen Wohnsitz aufzubauen, da er dort sicher vor der Strafverfolgung sei.

Polnische Behörden, die Kral offenbar auf der Spur waren, sollen diese Behauptungen gegenüber Onet bestätigt haben. Krals öffentliche Darstellung, wonach Suszek für den angeblichen Verlust von 4.500 $BTC im Wert von 343 Millionen US-Dollar schuld sei, verfolge ein bestimmtes Kalkül.

Suszek wird in polnischen Sicherheitskreisen als Opfer eines Mordfalls gehandelt. Dass der Fall nie aufgeklärt werden konnte, nutzt Kral aus. Er nutzt den mutmaßlich verstorbenen Zonda-Gründer als Sündenbock, da sich jener nicht gegen die Vorwürfe wehren kann.

Kral kennt den Fall gut. Bis zu Suszeks Ableben war er als dessen Anwalt aktiv. Nach Suszeks Verschwinden übernahm er das Unternehmen von seinem Mandanten.

In seinem Video vom 16. April fordert Kral Suszek auf, die privaten Schlüssel für die Bitcoin-Reserve herauszurücken. Kral wollte damit implizieren, dass Suszek gar nicht tot sei, sondern sich lediglich versteckt halte.

Aufsichtsrat sieht Schuld bei Kral

Zondas Aufsichtsrat sieht die Schuld am Vorfall eindeutig bei Geschäftsführer Kral. Gegen ihn habe man geschlossen Anzeige bei den estnischen Behörden erstattet, gab Aufsichtsratsmitglied Guido Bühler vor wenigen Tagen auf X bekannt. Der Anzeige habe sich auch der ehemalige Manager Dawid Grzegorz Sendecki angeschlossen.

Auf Nachfragen des Aufsichtsrates habe Kral keine verlässlichen Antworten geliefert, erklärt Bühler. Stattdessen habe sich der Geschäftsführer in Widersprüche verstrickt.

“Wir sahen uns mit Informationen konfrontiert, die unklar und widersprüchlich waren und teilweise im Widerspruch sowohl zu öffentlichen Erklärungen als auch zu zuvor intern vorgelegten Informationen standen. Wichtige Fragen hinsichtlich der Eigentumsverhältnisse, der Kontrolle und der Verfügbarkeit von Vermögenswerten, die als Unternehmensvermögen ausgewiesen wurden, blieben unbeantwortet”, heißt es in der Erklärung.

Statement by Former Supervisory Board Members of BB Trade Estonia OÜ

Dear clients, partners, stakeholders, and members of the community,

Following our resignations from the Supervisory Board of BB Trade Estonia OÜ, we consider it necessary to provide an additional public…

— laseritum (@guibuhzug) April 23, 2026

Polnische Behörden vermuten hinter Zonda eine kriminelle Machenschaft, die tief im kriminellen Milieu verwurzelt gewesen sein soll. Die Krypto-Börse habe demnach gezielt Geld für Partner aus dem Milieu gewaschen. Geldflüsse, die auf eine russische Herkunft hinweisen, seien den Ermittlungsbehörden bereits besonders ins Auge gestochen.

Viele wichtige Gläubiger, so vermutet der polnische Staatsapparat, werden sich aus diesem Grund nicht am Prozess gegen Zonda beteiligen. Laut Polskieradio nutzten russische Oligarchen den Dienstleister zur Umgehung von Sanktionen.