Die US-Börsenaufsichtsbehörde SEC hat einen Vorschlag der Nasdaq genehmigt, der es ermöglicht, bestimmte Aktien als Blockchain-basierte Token zu handeln und abzuwickeln – eine Entscheidung, die die Infrastruktur für digitale Vermögenswerte fest in der Architektur der amerikanischen Aktienmärkte verankert.
Die Entscheidung der SEC vom 18. März gibt der Nasdaq grünes Licht für den Aufbau einer Plattform, auf der Wertpapiere in zwei parallelen Formen existieren können: als herkömmliche Aktien, die über bestehende Kanäle gehandelt werden, und als tokenisierte Versionen, die über die Depository Trust Company abgewickelt werden. Unternehmen aus dem Russell 1000 Index gehören neben börsengehandelten Fonds, die wichtige Indizes wie den S&P 500 und den Nasdaq 100 nachbilden, zum ersten Pool der in Frage kommenden Titel.
Ein regulatorisches Grünlicht, keine technologische Empfehlung
Die Nasdaq hatte den Regeländerungsantrag erstmals im vergangenen September bei ihrem Börsenvorstand eingereicht und argumentiert, dass tokenisierte Wertpapiere neben ihren traditionellen Entsprechungen funktionieren könnten, sofern die zugrunde liegenden Clearing- und Abwicklungsmechanismen intakt blieben.
Die Genehmigung der SEC bestätigt diesen Rahmen auf der Ebene der Regelsetzung. Entscheidend ist, dass die Entscheidung technologieunabhängig ist; die Regulierungsbehörden haben weder ein bestimmtes Tokenisierungsprotokoll befürwortet noch kommentiert und die Entscheidung somit als eine Frage der Marktstruktur und nicht als technologische Wette dargestellt.
Diese Unterscheidung hat Gewicht. Sie deutet darauf hin, dass die SEC bereit ist, tokenisierte Instrumente in ihren bestehenden Regulierungsrahmen aufzunehmen, ohne den Markt auf einen einzigen Blockchain-Ansatz festzulegen.
Börsen wetteifern um den Aufbau der Infrastruktur
Die Nasdaq agiert nicht im luftleeren Raum. Im Februar kündigte die Intercontinental Exchange, Muttergesellschaft der New York Stock Exchange, eine eigene Plattform für den Handel und die Abwicklung tokenisierter Wertpapiere an. Mehrere andere Börsen führen Pilotprojekte durch, die auf eine durchgängige Infrastruktur abzielen, die Verwahrung, Handel und Abwicklung digitaler Vermögenswerte abdeckt.
Die Genehmigung lässt wichtige Fragen offen. Broker-Dealer, Verwahrstellen und die DTC müssen jeweils ihre Betriebsbereitschaft nachweisen, bevor tokenisierte Notierungen live gehen. Emittenten des Russell 1000 müssen ebenfalls prüfen, ob die Umstellung echte Vorteile gegenüber herkömmlichen Notierungsstrukturen bietet.
Es wird erwartet, dass weitere SEC-Anträge im Zusammenhang mit einzelnen Wertpapieren folgen werden. Die Interoperabilität mit dem breiteren Marktökosystem und die Liquiditätstiefe für tokenisierte Instrumente bleiben weiterhin ungelöst. Vorerst liefert die Entscheidung das bislang deutlichste regulatorische Signal, dass tokenisierte Aktien einen legitimen Platz in der US-Marktstruktur haben, auch wenn der Weg zur breiten Akzeptanz noch unklar ist.