- Electrocoin-CEO Nikola Škorić behauptete MiCA habe die Zahl der in Kroatien tätigen Krypto-Unternehmen deutlich auf sieben reduziert.
- Die Zahlen haben auch die Dynamik des Kryptomarktes im Land verändert und den Wettbewerb sowie die Auswahlmöglichkeiten für Kunden eingeschränkt.
Die Verfasser der MiCA-Verordnung (Markets in Crypto-Assets) hatten offenbar ein hehres Ziel: die Schaffung eines umfassenden, einheitlichen Rechtsrahmens für digitale Währungen. Damit sollten Anlegerschutz und Finanzstabilität gewährleistet und gleichzeitig Innovationen gefördert werden.
Nikola Škorić, CEO des in Kroatien ansässigen Unternehmens Electrocoin, beklagte jedoch, dass der Rechtsrahmen allein in seinem Land die Zahl der Krypto-Unternehmen erheblich reduziert habe.
MiCA: Ausdünnung der Branche
Laut Škorić gibt es in Kroatien jetzt nur noch sieben Krypto-Unternehmen. Dazu gehören zwei traditionelle Krypto-Broker, eine Tochtergesellschaft einer globalen Börse und vier lokale Unternehmen. Von den lokalen Unternehmen sind zwei als Portfoliomanager tätig, eines ist ein Marktmacher.
Electrocoin war das erste Unternehmen in Kroatien, das sich eine Lizenz als Crypto Asset Service Provider (CASP) unter dem MiCA-Regime gesichert hat. Es bietet seinen Kunden Krypto-zu-Fiat-Umtausch, Krypto-zu-Krypto-Handel, Verwahrungsdienste für digitale Währungen und Vermögensverwaltung an.
White Tech ist hingegen eine geschäfts- und nutzerorientierte Handelsplattform. Sie befindet sich mehrheitlich im Besitz von Volodymyr Nosov, dem Gründer und CEO von WhiteBIT.
Zu den übrigen gehören Illiricka, Incrementum, Orcabay, Alaric Securities und Belayer. Škorić betonte jedoch, dass nur Electrocoin berechtigt ist, Kryptowährungen direkt zu verkaufen, als Infrastruktur für Banken zu fungieren und als Krypto-Acquirer für Händler zu dienen.
Zudem betonte Škorić, dass sich in Kroatien tatsächlich 16 Unternehmen als Krypto-Unternehmen registriert haben. Nur zwei verfügen derzeit über eine CASP-Lizenz: Electrocoin und White Tech.

Krypto-Unternehmen in Kroatien (Quelle: Electrocoin)
Warum das wichtig ist
Škorić erklärte, dass die Veränderungen im Ökosystem für digitale Währungen in Kroatien über die Anzahl der Krypto-Unternehmen hinausgehen. Der Trend hat auch die Marktdynamik beeinflusst.
Der CEO von Electrocoin wies darauf hin, dass Kryptowährungen früher ein Fernservice waren. Man konnte sich von überall in Europa oder außerhalb bei einem Anbieter anmelden. Doch dann schränkte MiCA das Modell auf lokalisierte Regulierung und kontinuierliche Aufsicht ein. Darüber hinaus bedeutete dies eine tiefere Integration mit Banken und Händlern, die über die API-Ebene (Application Programming Interface) hinausging.
Škorić sagte, diese Entwicklung bedeute, dass lokale Präsenz heute wichtiger sei als vor MiCA. Er erklärte, dass sich die sieben Krypto-Unternehmen zwar in den Bereichen Vermögens-, Ausführungs- und Liquiditätsmanagement auszeichnen, aber nur wenige den gesamten Lebenszyklus von Euro zu Kryptowährung, API-Integration und Zahlungsinfrastruktur abdecken können.
Insgesamt hat MiCA die Auswahl für Banken oder Händler, die kryptobezogene Produkte und Dienstleistungen integrieren wollen, auf wenige Akteure eingeschränkt.
Unverhältnismäßige Auswirkungen von MiCA auf kleine Krypto-Unternehmen
Škorićs Kritik deckt sich mit den Herausforderungen, die BeInCrypto identifiziert hat und die seiner Meinung nach den Wettbewerb durch kleine Krypto-Unternehmen in Europa einschränken. Es wurde angemerkt, dass MiCA zwar schwarze Schafe beseitigt habe, aber auch Unternehmen ohne große Kapitalreserven unverhältnismäßig stark getroffen habe.
Ein Problem, das kleine Unternehmen aus dem Markt drängt, sind die exorbitanten Lizenz- und Compliance-Kosten. Startups müssen mindestens 250.000 € für Lizenzen, 80.000 € für die Gehälter von Compliance-Beauftragten und 50.000 € für Rechtskosten aufbringen. Ebenso müssen Stablecoin-Emittenten ein Reservekapital von mindestens 5 Millionen € vorhalten. Diese Kosten können je nach Faktoren wie dem Unternehmensprofil leicht in die Höhe schnellen.
Zudem legen verschiedene Rechtsordnungen die MiCA unterschiedlich aus, was manche Unternehmen dazu zwingt, aus Gebieten mit bürokratischen Engpässen an Standorte zu ziehen, an denen der Rechtsrahmen klarer und schlanker ausgelegt und umgesetzt wird.