de

Bitcoin vererben: Warum Krypto-Anlegern ein steuerliches Desaster droht

image
rubric logo Legal
like dislike 5

Ein plötzlicher Todesfall kann das Krypto-Erbe schnell zum finanziellen Albtraum machen. Denn wer Bitcoin, Ethereum und Co. vererbt, hinterlässt womöglich auch ein erhebliches Steuerproblem. Noch gilt in Deutschland die einjährige Haltefrist für Kryptowährungen – mit allen Vorteilen, aber auch einem großen Risiko: Das Finanzamt bewertet den Nachlass zum Kurs am Todestag, obwohl Erben oft noch keinen Zugriff auf Wallets oder Börsenkonten haben. Fallen die Kurse danach, droht eine gefährliche Steuerfalle. Im Interview mit $BTC-ECHO erklärt Rechtsexperte Dr. Florian Lindermann, welche Fehler besonders häufig gemacht werden – und wie man Krypto-Erbschaft vorbereitet.

$BTC-ECHO: Der durchschnittliche Krypto-Anleger ist deutlich jünger als der durchschnittliche Aktionär oder Immobilienbesitzer. Warum sollte sich ein beispielsweise 30-Jähriger überhaupt um sein digitales Erbe kümmern?

Weil die wirtschaftliche Bedeutung von Krypto-Assets und damit auch das Vermögen vieler Krypto-Anleger in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen ist, sollte sich jeder auch Gedanken über den Katastrophenfall machen. Wenn der Krypto-Anleger unerwartet verstirbt, gehen die Krypto-Assets auf die Erben über. Zivilrechtlich ist zwar noch immer unklar, wie genau ein Transfer von Krypto-Assets erfolgt, weil es sich nicht um körperliche Sachen oder Rechte handelt und das aktuelle Zivilrecht nicht gut auf Krypto-Assets zugeschnitten ist. Aber erbrechtlich steht fest, dass Bitcoin, Ethereum und Co. im Wege der Universalsukzession auf die Erben übergehen und Gegenstand von Vermächtnissen sein können.

Weil das Krypto-Vermögen oft erheblich und die Volatilität von Krypto-Assets sehr groß ist, können sich hieraus enorme wirtschaftliche und steuerliche Konsequenzen ergeben. Im Hinblick auf die Erbschaftsteuer ist vor allem das sogenannte Stichtagsprinzip hervorzuheben, nach welchem die Krypto-Assets zum Zeitpunkt des Todes mit den Marktkursen bewertet werden. Wirtschaftlich äußerst negativ ist es daher, wenn der Erblasser stirbt und die Erben zunächst nichts von dem Krypto-Vermögen wissen oder keinen Zugriff haben, und dann die Kurse plötzlich fallen. Im Worst-Case-Szenario können die Werte sogar so weit fallen, dass die vorhandenen Krypto-Assets nicht einmal mehr ausreichen, um die auf sie entfallende Erbschaftsteuer zu zahlen.

Das heißt, auch wenn die Erben keinen Zugriff auf die Krypto-Assets haben, müssten sie trotzdem die Erbschaftssteuer darauf begleichen?

Nehmen wir an, dass der Krypto-Investor ein großes Vermögen gebildet hat und plötzlich verstirbt. Die Erben wissen zunächst nichts von diesem Vermögen oder wie sie auf die Krypto-Assets zugreifen können. Nach sechs Monaten stellt sich dann zufällig heraus, dass der Erblasser Krypto-Assets hatte und die Erben finden seine Zugangsdaten, mit denen sie über die Token verfügen können. In diesem Fall ist es ganz klar, dass die Krypto-Assets in den Nachlass gefallen sind und für die Höhe der Erbschaftssteuer der Todeszeitpunkt des Erblassers maßgeblich ist. Wenn die Erben erst nach einem halben Jahr wissen, dass sie Krypto-Assets geerbt haben, aber die Werte dann schon deutlich gefallen sind, ist es womöglich zu spät.

Deswegen sollte jeder Krypto-Investor für den Todesfall sicherstellen, dass die Erben über das digitale Vermögen verfügen und die Krypto-Assets notfalls kurzfristig verkaufen können. Die Erbschaftssteuer ist in Euro zu zahlen und wenn die bei Fälligkeit der Erbschaftsteuer noch vorhandenen Krypto-Assets nicht mehr ausreichen, um diese Steuer zu zahlen, haben die Steuerpflichtigen in Deutschland leider ein Problem. Sie müssten dann die Erbschaftsteuer aus ihrem Privatvermögen zahlen, da Billigkeitsmaßnahmen durch die Finanzverwaltung in solchen Fällen in der Regel nicht gewährt werden. Daher ist die Vorsorge für die Handlungsfähigkeit der Erben so wichtig.

Wie kann man diese Handlungsfähigkeit gewährleisten?

Man sollte am besten eine digitale Vorsorgemappe anlegen, die mit einem Testament und einer General- und Vorsorgevollmacht flankiert wird. Damit kann sichergestellt werden, dass die Erben kurzfristig nach dem Tod einen direkten Zugang auf die Wallets und Krypto-Assets haben. Dann müssen die Erben aber auch wissen, welche ertragsteuerlichen Konsequenzen der Verkauf der Krypto-Assets hat. Wenn die Erben in der wirtschaftlich positiven Situation sind, dass die digitale Vorsorgemappe vorhanden ist und sie die Krypto-Assets verkaufen können, müssen sie dennoch unbedingt wissen, ob die einjährige Spekulationsfrist schon ganz abgelaufen ist oder beispielsweise erst in einer Woche abläuft.

Da sie steuerlich in die Fußstapfen des Erblassers treten, wird ihnen die Halteperiode des Erblassers angerechnet und sie können dann nach Ablauf der Spekulationsfrist regelmäßig steuerfrei verkaufen. Deshalb sollten die Erben in die Lage versetzt werden, genau einschätzen zu können, welche steuerlichen Konsequenzen der Verkauf der Krypto-Assets hätte und ob sie diesen jetzt oder zum Beispiel erst in einem Monat umsetzen sollten. Bei dieser wirtschaftlichen Entscheidung sind neben den Marktrisiken sowohl die ertragsteuerlichen Konsequenzen aus der Veräußerung, als auch die zu erwartende Erbschaftssteuer auf die Krypto-Assets zu berücksichtigen, was eine gute Dokumentation und Vorsorge durch den Erblasser erforderlich macht.

Wie funktioniert das Ganze in der Praxis, wenn sich Krypto-Assets nicht auf einer Cold Wallet befinden, sondern auf einer Börse wie Bitpanda?

In der Praxis kann der schnelle Zugriff durch die Erben schwierig sein, wenn diese nicht die Zugangsdaten haben. Zwar treten die Erben grundsätzlich in das Vertragsverhältnis mit der bestehenden Krypto-Börse ein und wenn ihnen das Passwort nicht bekannt ist, steht ihnen aufgrund ihrer Erbenstellung zwar in der Regel ein Zugangsverschaffungsanspruch zu. Die Krypto-Börsen und Betreiber von Online-Wallets können jedoch den Nachweis verlangen, dass die Erben tatsächlich berechtigt sind auf den Account zuzugreifen. Der zügige Nachweis der Berechtigung kann für die Erben dann schwierig sein und sich durch die Nachlassgerichte und -abwicklung verzögern, insbesondere in internationalen Fällen.