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Haltefrist für Krypto-Assets in Deutschland könnte fallen – Bitpanda-Mitgründer warnt davor

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Das hier regt Krypto-Deutschland gerade ordentlich auf: Denn Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) hat auf der Bundespressekonferenz bestätigt, dass die Bundesregierung eine Änderung der Besteuerung von Kryptowährungen plant. Die Eckpunkte des Haushalts 2027 wurden vom Bundeskabinett beschlossen. Details zur konkreten Ausgestaltung sollen aber erst Anfang Juli folgen. Aus der Branche kommt bereits jetzt deutliche Kritik.

Was Klingbeil angekündigt hat

Im Rahmen der Haushaltspressekonferenz erklärte Klingbeil, die Bundesregierung wolle die staatlichen Einnahmen stärken, indem weniger „entgehe“. Kryptowährungen sollen dabei künftig anders besteuert werden. Gemeinsam mit Maßnahmen zur Bekämpfung von Finanz- und Steuerkriminalität sollen durch die neue Krypto-Besteuerung rund zwei Milliarden Euro eingenommen werden.

„Wir wollen die Kryptowährungen anders besteuern“, sagte Lars Klingbeil, Bundesfinanzminister.

Auf Nachfrage von Journalisten, was genau geplant sei, verwies Klingbeil auf den Juli: Die konkreten Pläne würden erst zur Etatreife vorgestellt. Zur Frage, ob und wie Altbestände behandelt werden sollen, äußerte er sich nicht. Klingbeil: „Das sind die Leitplanken, die eingezogen werden, und an denen keine und keiner mehr vorbeikommt.“

Was die Änderung bedeuten könnte

Derzeit gilt in Deutschland für Gewinne aus dem Verkauf von Kryptowährungen eine einjährige Haltefrist: Wer seine Coins länger als ein Jahr hält, muss auf den Gewinn keine Steuern zahlen. Diese Regelung könnte mit dem Haushalt 2027 wegfallen. Denkbar wäre, dass künftig eine Kapitalertragsteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag greift, ähnlich wie bei Aktiengewinnen.

Offen bleibt, ob bereits gehaltene Bestände von der neuen Regelung betroffen sein werden oder ob ein Bestandsschutz für vor 2027 erworbene Coins gilt. Auch die Frage, warum Kryptowährungen anders behandelt werden sollen als Edelmetalle oder Sammlergegenstände, bei denen die Haltefrist weiterhin gelten soll, blieb unbeantwortet.

Warnung aus Österreich: Demuth nennt es „extrem dumme Entscheidung“

Eric Demuth, Mitgründer der österreichischen Kryptobörse Bitpanda, kennt die Folgen einer solchen Entscheidung aus eigener Erfahrung. Österreich hatte die Haltefrist für Krypto-Gewinne bereits 2022 abgeschafft. Demuth bewertet das rückblickend scharf.

„Die Abschaffung der Haltefrist in Österreich war eine extrem dumme Entscheidung. Die Idee wurde damals massiv von Krypto-Tax-Startups und deren Consulting-Umfeld gepusht, die Politikern mit Fantasiezahlen und hohen Steuereinnahmen geblendet haben, um ihr eigenes Geschäftsmodell zu stärken“, so Eric Demuth, Mitgründer Bitpanda)

Demuth beschreibt die praktischen Folgen für sein Unternehmen als erheblich: Die technische Umsetzung eines funktionierenden Kapitalertragsteuersystems habe enorme Ressourcen verschlungen und andere Produktentwicklungen verzögert. Das Ergebnis sei mehr Bürokratie, höhere Komplexität für Nutzer und kaum zusätzlicher fiskalischer Nutzen für den Staat gewesen.

„Ich bin selbstverständlich gegen die Abschaffung der Haltefrist in Deutschland auf Bitcoin bzw. Krypto. Das war damals bereits ein Fehler der Regierung in Österreich und Deutschland sollte dies keinesfalls nachmachen“, so Eric Demuth.

Strukturelle Herausforderungen bei der Umsetzung

Ein zentrales Problem liegt in der technischen Natur von Kryptowährungen. Anders als bei klassischen Wertpapieren gibt es keine geschlossenen Systeme, keine vollständige Datenverfügbarkeit über Plattformgrenzen hinweg und keine eindeutig nachvollziehbaren Anschaffungskosten. Die Übertragung des Kapitalertragsteuermodells aus dem klassischen Finanzmarkt stößt daher in der Praxis schnell an Grenzen.

In Österreich haben viele Plattformen bis heute Schwierigkeiten, ein vollständig funktionierendes Steuerabzugssystem zu implementieren, obwohl die Regelung schon länger in Kraft ist. Kritiker sehen darin ein strukturelles Problem, das sich bei einer ähnlichen Regelung in Deutschland wiederholen könnte. Zuletzt haben Bybit und Blockpit eine Partnerschaft zur Krypto-Besteuerung in Österreich geschlossen (mehr dazu hier).

Politischer Kontext und weiterer Zeitplan

Die Ankündigung steht in einem gewissen Widerspruch zu früheren Aussagen aus der Koalition. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte erklärt, der Koalitionsvertrag sehe keine Steuererhöhungen vor. Aus der CDU/CSU-Fraktion war zuletzt signalisiert worden, es gebe keinen „überzeugenden steuerpolitischen Grund“, die Haltefrist anzutasten.

Konkrete Details zur geplanten Änderung sollen Anfang Juli 2026 im Rahmen der Etatreife des Bundeshaushalts 2027 vorgestellt werden. Parallel dazu diskutiert auch das Europäische Parlament über eine neue Steuer auf Krypto-Gewinne auf EU-Ebene, wobei sich laut Berichten sowohl Frankreich als auch Deutschland auf europäischer Ebene dafür aussprechen sollen.