Die Krypto-Governance-Plattform Tally, die On-Chain-Abstimmungen für mehr als 500 DAOs wie Arbitrum, Uniswap und ENS ermöglichte, stellt nach sechs Jahren den Betrieb ein. CEO Dennison Bertram begründet den Schritt mit einem grundlegenden Wandel im Markt: Sowohl der regulatorische Druck als auch das Wachstum neuer dezentraler Anwendungen, die die Nachfrage nach Governance-Tools bislang angetrieben hätten, seien zuletzt deutlich zurückgegangen.
Zwang zur Dezentralisierung
Besonders bemerkenswert ist Bertrams Einschätzung zur US-Politik. Demnach habe die frühere SEC-Linie unter Gary Gensler die Krypto-Branche stärker zur Dezentralisierung gezwungen, weil Projekte vermeiden wollten, dass ihre Token als Wertpapiere eingestuft werden. DAOs und entsprechende Tools seien damit nicht nur technische, sondern auch regulatorische Schutzmechanismen gewesen. Unter der neuen, krypto-freundlicheren politischen Linie falle dieser Druck nun weg, sodass viele Projekte Dezentralisierung nicht mehr als Notwendigkeit betrachten.
Hinzu kommt laut Bertram, dass sich der Markt nicht wie erwartet in Richtung Tausender neuer Protokolle und Layer-2-Netzwerke entwickelt habe. Stattdessen habe sich das Ökosystem auf wenige dominante Projekte konzentriert. Während Krypto zwar Produkt-Markt-Fit in Bereichen wie Zahlungen und Spekulation gefunden habe, sei die breite Anwendungslandschaft ausgeblieben, die ein Geschäftsmodell für Governance-Infrastruktur dauerhaft getragen hätte.
Auch andere Projekte haben sich zuletzt von DAO-Strukturen distanziert. So schlug Across Protocol die Auflösung seiner DAO zugunsten einer klassischen US-Kapitalgesellschaft vor, während Jupiter und Yuga Labs ihre Governance-Modelle bereits zurückfuhren. Für Bertram ist das ein Signal: Ein tragfähiges Venture-Modell für Governance-Tools dezentraler Protokolle gibt es derzeit nicht.