Regulierte Stablecoins in Europa wachsen unter der Markets in Crypto-Assets Regulation (MiCAR). Allerdings bleibt eine ganze Kategorie leer. Fast zwei Jahre nach dem vollständigen Inkrafttreten der neuen Regulierung wurde in der EU noch kein einziger Asset-Referenced Token zugelassen.
Daten der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) zeigen 19 lizenzierte Emittenten und 29 regulierte Stablecoins. Jedoch liegt der Bereich für durch Rohstoffe und Warenkörbe gedeckte Token weiterhin bei null.
Stablecoins unter MiCAR: Was die Zahlen wirklich zeigen
MiCA, das am 30. Dezember 2024 vollständig in Kraft trat, teilt regulierte Stablecoins in zwei unterschiedliche Kategorien auf.
- Electronic Money Tokens (EMTs) sind durch eine einzelne Fiat-Währung gedeckt.
- Asset-Referenced Tokens (ARTs) sind durch Körbe von Vermögenswerten, Rohstoffe oder andere nicht-währungsbezogene Vermögenswerte wie Gold gedeckt.
Das Update im März 2026 zum vorläufigen MiCA-Register der ESMA zeigt 19 autorisierte EMT-Emittenten in 11 Ländern. Im Vergleich dazu waren es vor zwei Monaten noch 17 Emittenten in 10 Ländern.
Frankreich liegt mit fünf lizenzierten Emittenten vorn. Danach folgen Litauen, Luxemburg, Malta und die Niederlande mit jeweils zwei Anbietern.
Von den aktuell 29 im Umlauf befindlichen EMTs sind 17 auf den Euro, 9 auf den US-Dollar und jeweils ein Coin auf die Tschechische Krone, das britische Pfund und den Schweizer Franken ausgerichtet.
Der Bereich für Asset-Referenced Tokens steht weiterhin bei null.
Eine Lücke, die auf strukturelle Probleme hinweist
MiCA widmet den Titeln III und IV vollständig den Asset-Referenced Tokens. Ihr Fehlen ist weder ein Zufall noch ein Versehen. Dies wirft direkt die Frage auf, ob die regulatorischen Vorgaben praktisch umsetzbar sind.
Laut Patrick Hansen, Circle-Manager für EU-Strategie und -Politik, zeigt dies weitergehende Probleme im regulatorischen Rahmen.
„Immer noch null(!) ARTs, fast zwei Jahre nachher. Da ARTs… einen erheblichen Teil des Rahmens abdecken (Titel III und IV), zeigt dieses anhaltende Ausbleiben auf tiefere strukturelle Hürden. Die kommende MiCA-Überprüfung bietet die Gelegenheit, diese Hürden anzugehen und das ART-Regime in der Praxis umsetzbar zu machen”, schrieb Hansen .
Hansen merkte zudem an, dass selbst die genehmigten EMTs noch kaum außerhalb der Krypto-Märkte genutzt werden.
Auf die Frage, ob regulierte Stablecoins von Institutionen oder Nicht-Krypto-Nutzern eingesetzt werden, beschrieb er die Nutzung als „meist noch im Krypto-Bereich, aber wächst darüber hinaus”.
Diese Einschätzung ist im Kontext wichtig.
Unter den 50 größten Stablecoins nach Marktkapitalisierung stellte Hansen fest, dass nur USDC, USDG und EURC derzeit die MiCAR-Anforderungen erfüllen. Das ist ein sehr kleiner Teil des weltweiten Stablecoin-Marktes.
Der Druck durch Behörden nimmt spürbar zu
Diese Stablecoin-Daten erscheinen, während ESMA den Druck auf Krypto-Dienstleister (CASPs) erhöht, vor Ablauf ihrer nationalen Übergangsfristen eine Zulassung zu beantragen.
Die meisten Übergangsregelungen enden am 1. Juli 2026. Weitere Verlängerungen sind nicht geplant.
Im Dezember 2025 hat ESMA Krypto-Dienstleister ohne Zulassung dazu aufgefordert, geordnete Abwicklungspläne zu erstellen. Zudem wurde die Anweisung an nationale Behörden erteilt, späte Anträge mit „erheblicher Vorsicht” zu behandeln.
Für Stablecoin-Emittenten wird das Zeitfenster für die Einhaltung der Anforderungen kleiner. Das Whitepaper-iXBRL-Format ist seit Dezember 2025 vorgeschrieben. Die Aufzeichnungspflicht für Orderbücher im JSON-Format gilt seit April 2025.
Die Frage zu Asset-Referenced Tokens wird voraussichtlich in der kommenden MiCA-Überprüfung erneut Thema sein. Davon, ob die Regulierungsbehörden die fehlenden Zulassungen als politisches Scheitern oder als Zeichen von Vorsicht werten, wird abhängen, wie der Rechtsrahmen künftig mit durch Rohstoffe und Warenkörbe gedeckten Token umgeht.
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