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Binance beantragt EU-MiCa-Lizenz in Griechenland

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  • Die weltgrößte Kryptobörse Binance will ihre Präsenz in der Europäischen Union dauerhaft sichern.
  • Aus diesem Grund wurde in Griechenland die Betriebslizenz nach der EU‑MiCA-Verordnung beantragt.

Die Verordnung, deren Bedingungen ab Juli von allen EU-Krypto-Dienstleistern vollständig erfüllt sein müssen, schafft ein einheitliches Regelwerk für die Kryptobranche in allen EU-Mitgliedstaaten.

Binance: Schillernde Vergangenheit

Für Binance ist der Antrag nicht selbstverständlich. Immerhin hatte sich die Kryptobörse durch jahrelange Missachtung nationalstaatlicher Regelungen weltweit den soliden Ruf erworben, auf geltendes Recht und Gesetz zu pfeifen.

Wenn Binance-Gründer und CEO Changpeng Zhao auf solche Vorwürfe angesprochen wurde – und das geschah regelmäßig durch Presse und Behörden – setzte er das auf, was er für sein freundlichstes Lächeln hielt, gab den Unschuldsengel und versicherte, man halte sich selbstverständlich immer und überall an sämtliche Vorschriften.

Doch irgendwann hatte ein US-Staatsanwalt genug. Binance-US wurde zwangsweise geschlossen und Zhao landete in Untersuchungshaft, mit Aussicht auf einen 20-jährigen Aufenthalt in einem US-Bundesgefängnis.

Gut vernetzt, wie er war, paukten ihn seine Anwälte heraus. Er bekam nur vier Monate, und musste 50 Millionen Dollar Geldstrafe wegen Beihilfe zur Geldwäsche zahlen. Außerdem erhielt er ein dreijähriges Berufsverbot in den USA und sein Unternehmen Binance musste 4,3 Milliarden Dollar Strafe zahlen.

Unter dem neuen Binance-Chef Richard Teng sind seitdem keinerlei Rechtsverstöße mehr bekannt geworden.

EU-MiCA-Antrag in Griechenland

Die MiCA‑Lizenz gilt in allen EU‑Staaten, wie es das so genannte Passporting-System vorsieht. Damit steht die Tür zu einem der größten Finanzmärkte der Welt offen, ohne das in jedem einzelnen Land separate Genehmigungen erteilt werden müssten.

Bemerkenswert ist die Wahl Griechenlands als Standort. Während Binance in der Vergangenheit eher auf angenehm korrupte Länder wie Malta, Bulgarien oder Rumänien gesetzt hätte – aus bekannten Gründen, siehe oben – fiel die Entscheidung nun auf Athen.

Dort wurde eigens eine Holding gegründet, die den Antrag stellte. Die griechische Finanzaufsicht HCMC gilt als kooperativ, aber streng, und hat bislang noch keine MiCA‑Lizenzen vergeben. Für Binance könnte das ein schnelles Genehmigungsverfahren und eine entsprechend schnelle Aufnahme des Geschäftsbetriebs bedeuten.

Begleitet wird das Antragsverfahren von den internationalen Wirtschaftsprüfern EY und KPMG. Griechenland erhofft sich durch die Ansiedlung eine Stärkung seines Finanzsektors und eine stattliche Körperschaftssteuer von 22%. Angesichts der zu erwartenden Gewinne von Binance in der EU ist das ein volkswirtschaftlicher Faktor.

Signalwirkung

Der Antrag hat über Griechenland hinaus Bedeutung. Er zeigt, dass die Branche in eine Phase der Konsolidierung und rechtssicheren Regulierung eintritt. Für Binance ist es ein großer Schritt auf dem Weg, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen und sich als zuverlässiger, rechtskonfomer Akteur zu etablieren.

Für die EU wiederum ist es ein Testfall, wie effektiv die MiCAR in der Praxis funktionieren und ob sie gegenüber großen Krypto-Unternehmen in der Praxis verläßlich durchgesetzt werden.