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EZB veröffentlicht Planung für tokenisierte Finanzmärkte der Eurozone

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  • Die EZB hat mit „Appia“ eine mehrjährige Planung vorgelegt, die die Entwicklung eines Umfelds für tokenisierte Institutionelle Finanzmärkte gestalten soll.
  • Das Ziel: Zentralbankgeld-Funktionen sollen in die zu schaffende digitale Marktarchitektur übertragen werden.

Die Europäische Zentralbank hat die mehrjährige Planung „Appia“ veröffentlicht, die die digitale Weiterentwicklung der institutionellen Finanzmärkte innerhalb der Eurozone strukturieren soll.

Die Planung soll sicherstellen, dass Zentralbankgeld-Funktionen auch in einer tokenisierten Marktarchitektur verlässlich verfügbar sind und effektiv genutzt werden können. Appia ist der Orientierungsrahmen, der die dazu notwendigen technologischen, operativen und regulatorischen Anforderungen zusammenführt.

Tokenisierung ist Strukturwandel

Die EZB beschreibt Tokenisierung als die Ausgabe traditioneller Vermögenswerte in Form digitaler Token in Distributed-Ledger-Netzen.

Für institutionelle Marktteilnehmer verspricht dieser Ansatz deutliche Effizienzgewinne. Emission, Handel, Abwicklung, Verwahrung und Servicing können in einer gemeinsamen Infrastruktur stattfinden, wodurch Medienbrüche entfallen.

Smart Contracts sollen zudem automatisierte Abläufe ermöglichen, die heute nur mit erheblichem Aufwand realisierbar sind.

Appia und Pontes: Rahmen und Infrastruktur

Die Planung stützt sich auf zwei miteinander verzahnte Initiativen. „Pontes“ ist das operative, auf Distributed-Ledger-Technologie basierende Abwicklungsinstrument des Eurosystems, das ab dem dritten Quartal 2026 die Nutzung von Zentralbankgeld für tokenisierte Transaktionen ermöglichen soll.

Appia verfolgt eine übergeordnete Perspektive: Die EZB will gemeinsam mit Marktakteuren, Behörden und Forschungseinrichtungen ein zukunftsfähiges Modell für institutionelle Finanzmärkte im digitalen Umfeld der Eurozone entwickeln.

Während Pontes die konkreten Funktionen bereitstellt, dient Appia als Rahmen, der bis 2028 komplett ausgearbeitet und in einem Handlungskonzept konkret formuliert sein soll.

Appia wird definieren, wie Marktinfrastruktur, Dienste und Leitlinien der Regulierung in einer tokenisierten Umgebung ineinandergreifen müssen. Die Ergebnisse sollen fortlaufend in die Weiterentwicklung von Pontes einfließen.

Zentralbankgeld als Anker

Die EZB betont, dass Zentralbankgeld auch in einer digitalisierten Marktstruktur die zentrale Referenz bleiben müsse. Nur so lasse sich die Wirksamkeit der Geldpolitik sichern, ebenso wie die Stabilität des Finanzsystems und das reibungslose Funktionieren des Zahlungsverkehrs.

Appia soll gewährleisten, dass diese Rolle auch in einer zunehmend tokenisierten Architektur erhalten bleibt.

Mit Appia verfolgt die EZB das Ziel, die finanzielle und technologische Handlungsfähigkeit der Eurozone zu stärken. Ein stabiler Markt für tokenisierte institutionelle Finanzprodukte soll die Bedeutung des Euro festigen und Abhängigkeiten von Systemen außerhalb der EU reduzieren.

Ausblick bis 2028

Bis zur Veröffentlichung des konkreten Handlungskonzepts will die EZB gemeinsam mit Marktteilnehmern konkrete Anforderungen, technische Modelle und Regulierungsrichtlinien erarbeiten. Appia wird damit zu einem zentralen Instrument für die Weiterentwicklung der institutionellen Finanzmärkte der Eurozone.