Die Stimmung in der Ethereum-Community wird zunehmend schlechter. Während Bitcoin im Oktober ein neues Allzeithoch erreichte, blieb Ether im Bullenmarkt 2024/25 deutlich hinter den Erwartungen zurück. Selbst umfangreiche Käufe durch Treasury-Firmen wie BitMine konnten den Kurs nach dem Einbruch im Zuge des Krypto-Winters kaum stabilisieren. Woran liegt die anhaltende Schwäche von Ethereum und wie groß ist das Risiko weiterer Verluste? $BTC-ECHO hat ChatGPT, Gemini und Perplexity nach konkreten Einschätzungen gefragt und mögliche Worst-Case-Szenarien analysiert.
Das Ethereum-Allzeithoch liegt bald fünf ganze Jahre zurück
Dass der wichtigste Bitcoin-Rivale im vergangenen Bullenmarkt kein neues Allzeithoch erreichen konnte, führt ChatGPT in erster Linie auf ein Wahrnehmungsproblem zurück: “Bei Bitcoin war die Story sofort glasklar, bei Ethereum deutlich schwerer zu verkaufen.” Entsprechend fiel auch der Start der Spot ETFs verhaltener aus, da $ETH für viele traditionelle Investoren komplexer wirkte und zugleich Konkurrenten wie Solana die Dynamik sowie den Retail-Hype auf sich zogen.
Zudem sieht der OpenAI-Chatbot einen weiteren belastenden Faktor: “Ethereum wurde zwar effizienter, aber hat auch einen Teil seiner Kursfantasie verwässert.” Für den Bärenmarkt bedeutet das aus seiner Sicht, dass eher “mit einer zähen Schwächephase” bis in den Sommer zu rechnen ist als mit einer raschen Trendwende.
“Während Bitcoin als digitales Gold und Solana als Hochleistungs-Netzwerk klare Narrative bedienen, steckt Ethereum in einer Identitätskrise zwischen Layer-1-Sicherheit und Layer-2-Fragmentierung fest”, ergänzt Gemini. Das lange Zeit eher verhaltene Interesse der Wall Street erklärt der Google-Chatbot ebenfalls mit der komplexeren Erzählung rund um Ethereum: “Ethereum ist kein reiner Store of Value und die institutionelle Adoption braucht Zeit, um das Zusammenspiel von Staking-Yields und deflationären Mechanismen zu diskontieren.”
Für die kommenden Monate rechnet Gemini mit einer anhaltenden Schwächephase im Sinne eines verlängerten Krypto-Winters. Erst wenn die zahlreichen Layer-2-Lösungen wie Arbitrum oder Optimism “spürbaren wirtschaftlichen Wert zurück in das Hauptnetz von Ethereum pumpen, dürfte die Durststrecke enden”.
Perplexity sieht hingegen ein häufig unterschätztes Potenzial in der fortschreitenden Institutionalisierung von Ethereum: “Mit Produkten wie Treasury-basierten Renditemodellen entsteht erstmals eine Brücke zwischen Ethereum-Staking, Real-World-Assets und klassischem Zinsmarkt”. Dadurch könne sich eine stabilere Nachfrage entwickeln, die weniger von kurzfristigen Hypes abhängt. Aus dieser Perspektive erscheint der aktuelle Bärenmarkt eher als Übergangsphase hin zu einem stärker Cashflow-getriebenen Narrativ rund um $ETH.
Wo der Ethereum-Boden liegen könnte
Ob Ethereum im Bärenmarkt weiter nachgibt, hängt laut ChatGPT maßgeblich davon ab, ob die Marke von 2.000 US-Dollar im Frühjahr gehalten werden kann: “Bricht sie klar, wäre bis Mai oder Juni 2026 auch ein Rücksetzer in den Bereich zwischen 1.600 und 1.800 US-Dollar realistisch.” Eine nachhaltige Erholung hält das Modell frühestens ab dem Sommer für möglich, realistischer erscheint jedoch erst das dritte Quartal 2026. “Dafür braucht es frische ETF-Zuflüsse, bessere Stimmung an den Märkten und wieder eine überzeugende Ethereum-Story, die Anleger zurück in $ETH zieht”, so die Einschätzung. Entsprechend dürfte Geduld für $ETH-Hodler vorerst entscheidend bleiben.
Auch aus Sicht von Gemini entscheidet sich die Bodenbildung an der Marke von 2.000 US-Dollar. “Sollte der ETF-Verkaufsdruck im April jedoch anhalten, ist ein Test der 1.800 US-Dollar als Sicherheitsnetz wahrscheinlich”, prognostiziert die Google-KI. Im Worst-Case-Szenario hält der Chatbot sogar Kurse um 1.500 US-Dollar für möglich, falls die erhofften Gebührenströme aus den Layer-2-Netzwerken länger auf sich warten lassen. Eine nachhaltige Trendwende könnte sich dann erst im dritten Quartal 2026 abzeichnen. “Der Wendepunkt kommt durch sinkende US-Leitzinsen und den technologischen Reifeprozess der Layer-2s”, meint Gemini.
Perplexity beschreibt die aktuelle Situation von Ethereum als “verletzliche, aber kontrollierte” Phase. Der Spielraum nach unten dürfte sich grob bis in einen Bereich um 1.600 US-Dollar erstrecken und in ausgeprägten Stressphasen auch darunter liegen. “Solange die Zinsen hoch bleiben und ETF-Zuflüsse schwanken, dominiert ein seitwärts bis abwärts gerichteter Markt”, betont Perplexity. Eine echte Erholung erscheint dem Modell erst ab 2027 realistisch, wenn sich das Zinsumfeld entspannt, die On-Chain-Aktivität zunimmt und die Spot ETFs dauerhaft Kapital anziehen.
Ethereum-Erfolg ganz ohne $ETH-Kursrallye?
Selbst wenn Ethereum durch die Tokenisierung von Real-World-Assets institutionell an Relevanz gewinnt, lässt sich daraus laut ChatGPT kein direkter Effekt auf den Kurs ableiten. Die KI hält vielmehr ein Szenario für plausibel, in dem die Blockchain als Infrastruktur profitiert, während der Coin selbst hinter den Erwartungen zurückbleibt: “Erfolg auf Infrastrukturebene heißt nicht automatisch Erfolg auf Preisebene.”
Zwar könnten Treasury-Firmen wie BitMine diese Diskrepanz zeitweise überdecken, da sie Kapitalzuflüsse und Aufmerksamkeit generieren, doch “solche Vehikel sind eher Verstärker als Fundament”. Ein $ETH-Kurs von über 10.000 US-Dollar, wie ihn Tom Lee in Aussicht gestellt hat, erscheint im nächsten Bullenmarkt ab 2027 damit zwar grundsätzlich möglich, bleibt jedoch eher unwahrscheinlich.
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