Ethereum-Mitgründer Vitalik Buterin hat öffentlich eine fast zehn Jahre alte Meinung zurückgenommen. Das zeigt einen großen Wandel beim Denken über Selbstbestimmung auf der Blockchain.
In einem aktuellen Beitrag auf X (Twitter) sagte Buterin, dass er seiner Aussage von 2017 nicht mehr zustimmt, dass volle eigene Verifizierung durch Nutzer nur eine „seltsame Bergmenschen-Fantasie” sei.
Warum Vitalik Buterin Ethereums Selbstüberprüfung jetzt hinterfragt
Die Aussage spiegelt laut ihm wider, dass es sowohl Fortschritte in der Kryptografie gibt als auch wichtige Lehren aus echten Problemen mit Netzwerken.
2017 diskutierte Buterin mit dem Blockchain-Experten Ian Grigg darüber, ob Blockchains alle Daten direkt auf der Chain speichern sollen. Grigg meinte, es reicht, wenn Blockchains nur die Reihenfolge der Transaktionen speichern, nicht aber automatisch Nutzer-Salden, Smart-Contract-Code oder Speicherinhalte.
Buterin war damals gegen diesen Ansatz. Er warnte, dass Nutzer dann entweder den gesamten Verlauf der Chain abspielen oder vollkommen Dritten, wie RPC-Anbietern, vertrauen müssten. Zu dieser Zeit war laut dem Ethereum-Chef beides nicht wirklich praktisch für normale Nutzer.
The idea of average users personally validating the entire history of the system is a weird mountain man fantasy. There, I said it.
— vitalik.eth (@VitalikButerin) June 9, 2017
Er betonte, dass Ethereums Entscheidung, Daten auf der Chain zu sichern und Werte durch Merkle-Proofs zu prüfen, das Vertrauen ins Netzwerk sicherer macht als das Vertrauen auf einen einzelnen Anbieter.
Seit damals hat sich viel verändert. Besonders wichtig ist der Durchbruch durch ZK-SNARKs, eine neue Methode aus der Kryptografie. Damit können Nutzer prüfen, ob die Blockchain korrekt ist, ohne jede einzelne Transaktion selbst auszuführen.
Buterin vergleicht diese Entwicklung mit einer „Pille, die alle Krankheiten für 15 USD heilt“ – eine Technik, die Sicherheit bringt und dennoch günstig bleibt.
Dank dieser Innovation, so Buterin, kann Ethereum jetzt noch einmal neu überlegen, wie groß die Kompromisse zwischen Skalierbarkeit, Überprüfung und Dezentralisierung wirklich sein müssen.
Die „Mountain-Man“-Option: Ethereums Zuflucht für eine dezentrale Zukunft
Buterin betonte zudem, wie wichtig echte Widerstandsfähigkeit gegenüber Problemen im Alltag ist.
„Manchmal fällt das Peer-to-Peer-Netzwerk aus. Manchmal steigt die Verzögerung auf das 20-Fache. Manchmal wird ein Dienst, den du brauchst, abgeschaltet. Manchmal bündeln Miner oder Staker ihre Macht und Mittelsmänner zensieren Anwendungen”, schrieb er.
In solchen Situationen müssen die Nutzer die Möglichkeit behalten, die Chain direkt zu prüfen und zu nutzen – ohne „bei den Entwicklern anzurufen“. Das ist nötig, um Selbstbestimmung auch dann zu sichern, wenn eigentlich alles schiefläuft.
Dieses Prinzip ist der Kern seiner neuen Unterstützung für das, was er die „Bergmenschen-Option“ nennt. Zwar soll eigene Vollprüfung nicht Alltag werden, doch ist sie als Notlösung und Druckmittel sehr wichtig. Es ist für Ethereum sozusagen die letzte sichere Hütte.
Genauso wie BitTorrent Streaming-Plattformen dazu gebracht hat, fairer mit Nutzern umzugehen, gibt die Bergmenschen-Hütte Ethereum-Nutzern mehr Einfluss und Schutz, wenn Technik oder Politik unsicher sind.
Im Kern ist Buterins neues Denken sowohl technisch als auch grundsätzlicher Natur. ZK-SNARKs machen eigene Nachprüfungen viel leichter möglich. Zudem hat die Praxis gezeigt, dass Zentralisierung, Netzwerkausfälle und Zensur echte Gefahren darstellen.
Durch das Festhalten an der Bergmenschen-Option sorgt Ethereum für mehr Widerstandsfähigkeit und bleibt bei seinem Prinzip von Selbstbestimmung.
Buterins Meinungswechsel zeigt, dass frühere Annahmen bei der Entwicklung nicht unverrückbar sind. Starke Notlösungen sind wichtig für eine dezentrale Zukunft.