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Bhutan verkauft Bitcoin – und stoppt das Mining?

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Bhutan hat innerhalb der letzten 48 Stunden Bitcoin im Wert von rund 72 Millionen US-Dollar bewegt. Die nationale Bitcoin-Reserve ist damit auf weniger als 4.500 $BTC geschrumpft – im Oktober 2024 hielt das Land noch über 13.000 $BTC. Außerdem sind laut Daten von Arkham Intelligence seit mehr als einem Jahr keine Mining-Erträge auf den identifizierten Wallets des Königreichs eingegangen. Hat Bhutan seine Bitcoin-Strategie schon wieder aufgegeben?

Bhutans Bitcoin-Reserve

Seit 2019 betreibt Bhutan staatliche Bitcoin-Mining-Anlagen und nutzt dafür vor allem in den Sommermonaten die reichlich vorhandene überschüssige Energie aus Wasserkraft. So konnte sich das kleine Königreich als eines der ersten Länder eine eigene Bitcoin-Reserve aufbauen und diese strategisch einsetzen.

Die staatliche Investmentgesellschaft Druk Holding and Investments (DHI) verkaufte regelmäßig Teile der Bestände, um:

  • wichtige Staatsausgaben zu finanzieren und die Wirtschaft zu stabilisieren,
  • den Ausbau der Infrastruktur für erneuerbare Energien, Stromnetze und Rechenzentren voranzutreiben sowie
  • innovative Stadtprojekte langfristig zu fördern.

Zudem ist geplant, die umweltfreundlich produzierten Bitcoin gezielt an Unternehmen zu verkaufen, die ihre ESG-Ziele erreichen wollen. Gleichzeitig führte das Land ein Krypto-Zahlungssystem für Touristen ein, das bislang jedoch kaum genutzt wird.

Diese Initiativen zeigen, dass Bhutan Bitcoin und Mining fest in seine nachhaltige nationale Entwicklungsstrategie integriert hat.

Rückgang der Bestände

Daten des Blockchain-Analyseunternehmens Arkham Intelligence zeigen jedoch einen gegenteiligen Trend:

Bis Oktober 2024 hatte das Königreich durch Mining eine Reserve von mehr als 13.000 $BTC aufgebaut. Seitdem sinkt der Bestand kontinuierlich. Laut Arkham hält DHI aktuell nur noch rund 4.453 $BTC.

Allein in den letzten 48 Stunden wurden etwa 970 $BTC im Wert von rund 72 Millionen US-Dollar wegtransferiert.

Bhutans $BTC-Bestand, Stand 18.März 2026, Quelle: Arkham
Letzte Abflüsse, Stand 18. März 2026; Quelle: Arkham

Mining-Stopp?

Arkham Intelligence weist darauf hin, dass die bekannten Wallets von DHI seit über einem Jahr keine nennenswerten Mining-Belohnungen mehr erhalten haben.

Entsprechend wirft die Analysefirma die Frage in den Raum, ob das Land den Mining-Betrieb wieder eingestellt hat.

Der letzte $BTC-Zufluss von über 100.000 US-Dollar von Bhutan liegt mehr als ein Jahr zurück. Hat Bhutan das Bitcoin-Mining eingestellt?
Arkham

Zuflüsse vom Mining-Pool Foundry blieben seit dem 15. November 2024 vollständig aus.

Ab dem 8. Februar 2025 wurden auch keine Transfers mehr vom Ant Pool verzeichnet.

Bislang gibt es keine Informationen aus dem Königreich, wie es um die Mining-Strategie steht.

In einem Bitcoin-Bekenntnis der bhutanischen Stadt Gelephu Mindfulness City (GMC) aus Dezember 2025 hieß es noch:

Anstatt diese wertvolle Ressource [Anm. d. Red.: gemeint ist Wasserkraft] ungenutzt zu lassen, haben wir uns dafür entschieden, einen Teil dieses Überschusses durch den verantwortungsvollen Abbau von Bitcoin in ein langfristiges nationales Gut umzuwandeln.
GMC

HAS BHUTAN STOPPED MINING BITCOIN?

Bhutan just moved another $44.44M $BTC out of its accounts. Bhutan has moved $72.3M $BTC out of its addresses in the past 24 hours.

Bhutan's last >$100K $BTC inflow was over 1 year ago. Has Bhutan stopped mining Bitcoin? https://t.co/IhcGDMRH0t pic.twitter.com/qvQuKXXoaU

— Arkham (@arkham) March 18, 2026

Mögliche Gründe

Weniger Überschuss

Die Stromproduktion in Bhutan ist stark wetter- und jahreszeitenabhängig. Im Winter führen geringere Niederschläge und niedrigere Wasserstände zu einem deutlichen Rückgang der Energieproduktion. In den Sommermonaten hingegen entstehen große Überschüsse – allein in vier Monaten werden rund 68 % der Jahresproduktion erzeugt. Ohne konstante Überschussenergie kann auch kein kontinuierliches Mining stattfinden.

Zudem leidet die Bevölkerung trotz hoher Wasserkraftkapazitäten häufig unter Stromausfällen. Mehr als 20 % der Unternehmen sind zeitweise auf Notstromgeneratoren angewiesen. 


Mit dem Ausbau der Energieinfrastruktur könnte ein größerer Teil des Stroms direkt im Inland genutzt werden – zulasten des Minings, da dadurch auch die Überschüsse geringer werden könnten.

Allerdings erscheint es unwahrscheinlich, dass dauerhaft keinerlei Energieüberschüsse mehr entstehen, die am effektivsten durch Mining-Anlagen monetarisiert werden können.

Fokus auf KI-Rechenzentren

Eine weitere mögliche Erklärung für die ausbleibenden Mining-Einnahmen ist ein strategischer Wandel hin zu KI-Infrastruktur – ein Trend, der aktuell auch bei vielen Mining-Unternehmen zu beobachten ist.

Im Oktober 2025 hat Bhutan seine KI-Strategie vorgestellt. Das Land will Künstliche Intelligenz ähnlich nutzen wie Bitcoin-Mining: Ziel ist es, die Wirtschaft mithilfe digitaler Technologien zu modernisieren – aber auf eine ethische, nachhaltige und kulturell angepasste Weise.

Geplante Rechenzentren sollen vollständig mit erneuerbarer Energie betrieben werden. Als Energiegrundlage für die entsprechende digitale Infrastruktur sollen die Kapazitäten von Wasser- und Solarkraftwerken des Landes – derzeit rund 3.500 MW (plus weitere 2.000 MW im Bau) – bis 2040 auf etwa 20.000 MW ausgebaut werden. Die aktuellen Bitcoin-Verkäufe könnten zur Finanzierung dieser Infrastruktur beitragen.

Teil der neuen Strategie sind unter anderem auch Roboter-Technologien, Quantencomputer und Batteriespeicher mit einer Kapazität von bis zu 100 Megawatt, wie der CEO von DHI auf dem Invest Bhutan Summit im Februar 2026 erklärte. Langfristig könnten dadurch weniger Energieüberschüsse für Mining zur Verfügung stehen.

Neue Adressen für Mining-Einnahmen

Eine weitere Möglichkeit: Bhutan schürft weiterhin Bitcoin – aber empfängt diese nicht mehr auf bekannten Adressen.

Das Königreich hielt seine Mining-Aktivitäten über Jahre geheim. Erst durch Ermittlungen im Zusammenhang mit den Insolvenzen von Celsius und BlockFi wurden sie enthüllt. Es wäre daher denkbar, dass DHI wieder unter dem Radar operiert und neue, bisher noch unbekannte Wallets für die Mining-Belohnungen nutzt.


Keine Gründe, das Mining zu stoppen

Bitcoin-Mining bleibt grundsätzlich eine effiziente – wenn nicht sogar die effizienteste – Methode, überschüssige Energie zu monetarisieren. Im Gegensatz zu KI-Anwendungen können Mining-Anlagen flexibel hoch- und heruntergefahren werden und lassen sich dadurch nahezu überall einsetzen.

Energie wird prinzipiell dort genutzt, wo sie den höchsten wirtschaftlichen Nutzen bringt. Ob Bhutan inzwischen eine für sich bessere Verwendung der Energie gefunden hat, ist unklar.

Bis die Energieinfrastruktur so ausgebaut ist, dass andere Abnehmer, wie die Bevölkerung oder wirtschaftlich attraktivere Technologien wie KI-Rechenzentren, die Überschussenergie nutzen können, dürfte es eigentlich weiterhin Sinn ergeben, Bitcoin-Mining zu betreiben.

Die On-Chain-Daten deuten letztlich auf einen Wandel hin. Ob es sich um einen Rückzug oder eine strategische Neuausrichtung handelt, bleibt erst einmal aber noch unbekannt.