Obwohl viele Marktbeobachter das Bitcoin-Lightning-Netzwerk aus den Augen verloren haben, wickelte der „Second Layer“ von Bitcoin im November 2025 1,17 Milliarden US-Dollar an Volumen ab – ein Anstieg um mehr als 300 % im Vorjahresvergleich. Die neuen Daten von River zeigen aber auch, dass die Anzahl an Transaktionen nicht im gleichen Maß mitsteigt. Wie steht es um die Adoption von Lightning und was sind die Treiber dahinter?
In den vergangenen Monaten ist es sehr ruhig um das auf Bitcoin aufbauende Lightning-Netzwerk geworden. Zum einen liegt es daran, dass die Transaktionsgebühren im $BTC-Hauptnetzwerk weitestgehend gering waren, wodurch es auf den ersten Blick wenig Anreiz gab, den „Second Layer“ auch zu nutzen. Andererseits ist das Lightning-Netzwerk nicht sehr transparent, was die Datenerhebung generell erschwert.
Das Unternehmen River hat nun neue Zahlen vorgestellt, die zeigen, dass die Lightning-Nutzung zugenommen hat. Sowohl bei dem Volumen als auch bei der Anzahl an Transaktionen gab es im November 2025 gegenüber dem Vorjahresmonat einen deutlichen Anstieg – bei gleichzeitig größerer Summe pro Transaktion.
Lightning-Volumen steigt um 300 %
Im November 2025 wurden laut River 1,17 Milliarden US-Dollar in Bitcoin über das Lightning-Netzwerk verschoben. Ein Jahr zuvor waren es lediglich 286,5 Millionen US-Dollar, ergo gab es im Vorjahresvergleich einen Zuwachs um mehr als 300 % beziehungsweise den Faktor 4.
Auffällig an der von River bereitgestellten Grafik ist jedoch, dass im August 2023 noch 6,6 Millionen Lightning-Transaktionen abgewickelt wurden, während das Volumen lediglich 78,2 Millionen US-Dollar betrug. Obwohl sich das Transaktionsvolumen seither fast verfünfzehnfacht hat, gab es im November 2025 „nur“ 5,22 Millionen Transaktionen, also weniger als rund 2 Jahre zuvor.
Dennoch: Gegenüber November 2024 stiegen sowohl die Anzahl an Transaktionen als auch das gesamte Volumen, das via Lightning verschoben wurde, merkbar an, was auf eine weiter zunehmende Adoption des Lightning-Netzwerks schließen lässt.
Die Gründe für den Anstieg
In dem Artikel zu den neuen Zahlen erklärt Sam Wouters, Marketing-Direktor von River, dass der Volumenanstieg in erster Linie darauf zurückzuführen sei, dass immer mehr Börsen Lightning integriert haben, und bei Ein- und Auszahlungen tendenziell größere Summen verschoben werden.
Heute ist der häufigste Anwendungsfall für Lightning-Transaktionen das Senden von Geldern von und zu Börsen. Diese Transaktionen werden in der Regel mit größeren Beträgen durchgeführt.
Sam Wouters, River
Im November 2025 betrug die durchschnittliche Lightning-Transaktion 223 US-Dollar und damit fast doppelt so viel wie die 118 US-Dollar von einem Jahr zuvor.
Das insgesamt gestiegene Transaktionsvolumen sei letztlich aber auch, so Wouters, auf die wachsende Anzahl an Unternehmen, die Bitcoin via Lightning als Zahlungsmittel akzeptieren, zurückzuführen.
Ein Trend, der im Jahr 2023 zu der hohen Anzahl an Transaktionen beigetragen haben soll, waren Micropayments im Kontext von Gaming oder Nachrichtendiensten, die sich bis heute noch nicht großflächig durchsetzen konnten.
Im Jahr 2023 scheint es umfangreiche Experimente mit Mikrozahlungen für Spiele und Messaging gegeben zu haben. Da Lightning-Transaktionen extrem günstig sind, summierte sich dies auf insgesamt Millionen von Transaktionen. Diese speziellen Experimente fanden offenbar keinen Product Market Fit und sind weitgehend verschwunden.
Sam Wouters, River
Wouters von River vermutet, dass Experimente mit KI-Agenten künftig aber einen ähnlichen Anstieg bei der Nutzung herbeiführen könnten, der die pro Transaktion verschobene Summe wieder sinken lassen könnte.
Da KI-Agenten keine mentalen Kosten für jede Transaktion haben, die sie durchführen, könnte die durchschnittliche Transaktionsgröße mit dem Anstieg der agentenbasierten Zahlungen über das Lightning-Netzwerk sinken.
Sam Wouters, River
Schwierige Datenerhebung
Anders als beim Bitcoin-Netzwerk ist bei Lightning die Anzahl der Transaktionen nicht öffentlich einsehbar. Deshalb musste River für die Erhebung der Daten mit einigen der größten Lightning-Node-Betreiber zusammenarbeiten – unter anderem Block, Lightspark, Kraken, Wallet of Satoshi und Breez.
Dadurch sollen 50,6 % der gesamten Lightning-Kapazität abgedeckt worden sein, wovon ausgehend die restlichen Daten hochgerechnet wurden. Die Zahlen von River basieren also zu einem großen Anteil auf Schätzungen und sind entsprechend mit Vorsicht zu genießen. Dennoch sind sie hilfreich, um ein Gefühl für den Trend zu bekommen.
Lightning bleibt relevant
Theoretisch betrachtet ist Lightning nur eine „Second-Layer-Technologie“ von mehreren – wenn auch die führende und momentan vielversprechendste. Damit Bitcoin eines Tages als Geld der Welt dienen kann, ist eine Skalierung außerhalb des Hauptnetzwerks von großer Relevanz, sodass alle Menschen ihre alltäglichen Transaktionen mit $BTC abwickeln können.
Die Nutzung von Lightning gibt entsprechend Aufschluss über die generelle Adoption von Bitcoin als Zahlungsmittel beziehungsweise Transaktionsmedium. Je mehr Zahlungsflüsse über Lightning laufen und je größer die Kapazität des auf Bitcoin aufbauenden Netzwerks ist, desto nützlicher ist es für jede weitere Person.
Die neuen Daten von River zeigen, dass der Trend unter dem Strich intakt ist. Derweil deuten andere Zahlen darauf hin, dass das Wachstum ins Stocken geraten ist. Denn sowohl die Anzahl der Lightning-Nodes als auch die Kapazität des Lightning-Netzwerks in $BTC gemessen stagnieren seit Ende 2022/Anfang 2023.
Es wird spannend zu sehen sein, ob das Lightning-Netzwerk künftig einen neuen Boom erfahren wird. Mögliche Treiber wären, dass sich Micropayments durchsetzen, KI-Agenten Bitcoin zum Bezahlen nutzen oder hohe Transaktionskosten im Hauptnetzwerk die Alternative wieder attraktiver machen. Auch wenn Zahlen rund um Lightning mit Vorsicht zu genießen sind, untermauert der neue Bericht von River, dass Lightning alles andere als totgesagt werden kann.
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