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Bitwise: Bitcoin zeigt Parallelen zum Bullenmarkt-Beginn Anfang 2023

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Der Kryptomarkt wirkt zum Jahreswechsel orientierungslos: Während die Kurse vieler digitaler Assets zuletzt unter Druck standen, melden On-Chain-Daten und Unternehmenskennzahlen neue Höchststände. Für neue Aufmerksamkeit sorgt nun ein aktueller Bericht des Krypto-Asset-Managers Bitwise, der genau diese Diskrepanz in den Fokus rückt – und Parallelen zu früheren Wendepunkten zieht.

Im Zentrum der Analyse steht das vierte Quartal 2025, das aus Sicht von Bitwise ein ungewöhnlich gespaltenes Bild gezeigt hat. Schwache Preisentwicklung auf der einen Seite, robuste Fundamentaldaten auf der anderen. Bitwise-CIO Matt Hougan verweist darauf, dass sich ein ähnliches Muster bereits Anfang 2023 beobachten ließ, als sich der Markt nur langsam vom FTX-Schock erholte. Auch damals hätten widersprüchliche Signale dominiert, bevor sich die Kurse – allen voran bei Bitcoin – in den folgenden Quartalen deutlich erholten.

Fundamentaldaten gegen Marktsentiment

Auffällig ist laut Bitwise vor allem die Entwicklung der Netzwerkaktivität. Transaktionen auf Ethereum und den zugehörigen Layer-2-Lösungen hätten neue Allzeithochs erreicht, ein Indikator für reale Nutzung jenseits kurzfristiger Spekulation. Parallel dazu wachsen die Umsätze krypto-nativer Unternehmen weiter. Hougan argumentiert, dass der Sektor bei zentralen Wachstumskennzahlen inzwischen schneller zulege als viele klassische Branchen an den Aktienmärkten.

Ein weiterer Schwerpunkt des Reports liegt auf Stablecoins. Das Transaktionsvolumen und die verwalteten Vermögen stiegen im vierten Quartal deutlich an, die gesamte Marktkapitalisierung überschritt erstmals die Marke von 300 Milliarden Dollar. Für Bitwise ist das ein Hinweis darauf, dass Krypto-Infrastruktur zunehmend als funktionaler Bestandteil des globalen Finanzsystems genutzt wird – unabhängig von kurzfristigen Kursbewegungen.

Auch im Bereich der dezentralen Finanzanwendungen sieht der Report strukturelle Fortschritte. So verarbeitet die dezentrale Börse Uniswap laut Bitwise inzwischen regelmäßig mehr Handelsvolumen als der zentralisierte Konkurrent Coinbase. Für Hougan ist diese Entwicklung typisch für späte Phasen von Bärenmärkten, in denen das Sentiment schwach bleibt, während sich die Grundlagen weiter verbessern.

Uneinigkeit über den weiteren Verlauf

Mit Blick auf 2026 gehen die Einschätzungen am Markt auseinander. Der Fundstrat-Analyst Tom Lee rechnet angesichts geopolitischer Spannungen und handelspolitischer Unsicherheiten zunächst mit Gegenwind, bevor sich das Umfeld gegen Jahresende aufhellen könnte. Das Investmenthaus VanEck zeigt sich optimistischer und sieht bereits im ersten Quartal Potenzial für eine Erholung risikoreicher Assets, sollte sich die fiskalpolitische Lage in den USA weiter stabilisieren.

Redaktionelle Einordnung

Aus Sicht von Decentralist liegt der Kern der aktuellen Debatte weniger in kurzfristigen Kursbewegungen als in der Frage, wie belastbar die strukturellen Fortschritte tatsächlich sind. Der Markt scheint fundamentale Entwicklungen wie steigende Nutzung, wachsende Umsätze und die zunehmende Rolle von Stablecoins derzeit zu unterschätzen, während makroökonomische Risiken das Sentiment dominieren. Gleichzeitig bleibt offen, ob regulatorische Klarheit schnell genug vorankommt, um dieses Fundament auch in nachhaltige Marktstärke zu übersetzen.

Ausblick

Entscheidend dürfte in den kommenden Monaten sein, wie sich regulatorische Initiativen in den USA entwickeln, darunter der weitere Fortschritt beim CLARITY Act, sowie Signale von der Geldpolitik. Ebenso relevant bleibt, ob große Finanzhäuser ihren angekündigten Zugang zu Krypto-ETFs tatsächlich umsetzen. Für den Markt wird sich daran entscheiden, ob die aktuelle Divergenz zwischen Fundamentaldaten und Preisen nur eine Übergangsphase ist – oder ein längerer Zustand erhöhter Unsicherheit.