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Bitcoin-Swiss-CEO stellt Vierjahreszyklus infrage und warnt vor neuer Finanzkrise

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Während der Bitcoin-Kurs trotz positiver Nachrichten aus dem institutionellen Umfeld kaum vorankommt, mehren sich Stimmen, die den Markt grundlegend neu bewerten. In diesem Umfeld sorgt eine aktuelle Einordnung von Andrej Majcen, CEO von Bitcoin Swiss, für Aufmerksamkeit: Er erklärt zentrale Marktmechanismen der vergangenen Jahre für überholt. Für den Kryptomarkt ist das relevant, weil es den bisherigen Bezugsrahmen vieler Investoren infrage stellt.

Institutionelles Kapital verändert die Spielregeln

Nach Einschätzung Majcens hat sich Bitcoin strukturell von dem Markt entfernt, der lange von Privatanlegern, Liquiditätszyklen und klaren Narrativen wie Halvings geprägt war. Der traditionelle Vierjahreszyklus, der Kursanstiege nach jeder Halbierung der Blockbelohnung unterstellt, habe an Erklärungskraft verloren. Stattdessen dominiere heute der Einfluss institutioneller Akteure, deren Anlageentscheidungen deutlich stärker von makroökonomischen Daten, Geldpolitik und geopolitischen Entwicklungen abhängen.

Der Einstieg großer Vermögensverwalter wie BlackRock habe Bitcoin stärker in das globale Finanzsystem integriert. Damit reagiere der Markt sensibler auf Zinsentscheidungen, Konjunkturdaten oder politische Spannungen. Bitcoin sei nicht mehr nur ein eigenständiger Krypto-Markt, sondern zunehmend Teil des breiteren Risiko- und Absicherungsspektrums institutioneller Investoren.

Warum positive Nachrichten derzeit nicht zünden

Auffällig ist dabei, dass selbst konstruktive Signale aus der Finanzindustrie bislang kaum nachhaltige Kursimpulse auslösen. Die Öffnung traditioneller Finanzhäuser, etwa durch die Akzeptanz von Bitcoin als Sicherheit bei JPMorgan oder strategische Schritte von Charles Schwab, verpufften weitgehend. Majcen führt das auf eine ausgeprägte Unsicherheitsphase zurück.

Handelskonflikte, politische Blockaden in den USA und abrupte Liquidationsereignisse hätten ein Umfeld geschaffen, in dem viele Marktteilnehmer abwarten. Kapital sei vorhanden, werde aber zurückgehalten. Der Markt befinde sich weniger in einer klassischen Baisse als in einer Phase strategischer Zurückhaltung, in der neue Positionierungen von externen Impulsen abhängen.

Bitcoin im Kontext einer möglichen Systemkrise

Deutlich pessimistischer fällt Majcens Blick auf die globale Wirtschaft aus. Eine neue Finanzkrise innerhalb der kommenden drei bis fünf Jahre hält er für ein realistisches Szenario. Als mögliche Auslöser nennt er strukturelle Verwerfungen durch künstliche Intelligenz, Produktivitätsverschiebungen und steigende Arbeitslosigkeit im qualifizierten Angestelltensegment. Solche Faktoren könnten bestehende Ungleichgewichte im Finanzsystem verschärfen.

In diesem Kontext sieht Majcen Bitcoin nicht mehr primär als Spekulationsobjekt, sondern als Instrument zur Vermögenssicherung. In einer Krise könne Bitcoin seiner Ansicht nach schneller Vertrauen zurückgewinnen als viele traditionelle Anlageklassen, gerade weil es außerhalb staatlicher Geldsysteme operiert.

Redaktionelle Einordnung

Aus Sicht von Decentralist ist entscheidend, dass Majcens Aussagen weniger als kurzfristige Marktprognose zu verstehen sind, sondern als Hinweis auf einen Reifeprozess. Der Markt neigt weiterhin dazu, alte Zyklen und Narrative mechanisch auf neue Marktphasen zu übertragen. Dabei wird häufig unterschätzt, wie stark institutionelle Akteure die Volatilitätsstruktur und die Reaktionsmuster von Bitcoin verändern. Gleichzeitig bleibt offen, ob Bitcoin in einer echten Systemkrise tatsächlich als stabilisierender Anker wahrgenommen würde oder zunächst selbst unter Liquiditätsdruck geriete.

Ausblick:
Für den Kryptomarkt dürfte in den kommenden Monaten weniger das nächste Halving als vielmehr die Entwicklung der globalen Konjunktur, der Geldpolitik und der politischen Rahmenbedingungen ausschlaggebend sein. Marktteilnehmer sollten besonders beobachten, wie sich institutionelle Kapitalflüsse bei steigender oder fallender Risikobereitschaft verhalten – und ob Bitcoin seine neue Rolle im Spannungsfeld zwischen Risikoasset und Wertspeicher behaupten kann.