Ein Gerichtsdokument sowie On-Chain-Daten enthüllen, dass die USA vor wenigen Wochen circa 57,5 Bitcoin, die von den verurteilten Gründern der Privacy-Wallet Samourai an Behörden übertragen wurden, verkauft haben. Sieht Donald Trumps Dekret zur strategischen Bitcoin-Reserve nicht vor, dass USA keine Bitcoin mehr verkaufen? Wie passt das zusammen?
Verkauf von Bitcoin aus dem Samourai-Fall
Die USA haben allem Anschein nach vor mehreren Wochen Bitcoin im Gegenwert von mehr als 6,3 Millionen US-Dollar verkauft. Das geht aus einem Gerichtsdokument mit dem Titel „Asset Liquidation Agreement“ (z. Dt.: „Vereinbarung über die Liquidation von Vermögenswerten“) hervor, das Bitcoin Magazine vorliegt und am 3. November von stellvertretenden Staatsanwälten unterschrieben wurde.
Dabei geht es um einen Transfer, den die inzwischen zu Haftstrafen verurteilten Gründer der Samourai Wallet, Keonne Rodriguez und William Hill, im Rahmen ihres Schuldbekenntnisses für die Betreibung eines nicht-lizenzierten Geldübermittlers leisten mussten.
Laut dem Dokument handelt es sich um eine Zahlung von 6.367.139,69 US-Dollar, die in Bitcoin zu begleichen war, sobald die Vereinbarung unterschrieben wurde. Zu dem Zeitpunkt des 3. November 2025 entsprach die Summe rund 57,5 BTC.
Keonne Rodriguez und William Lonergan Hill vereinbaren Bitcoin im Wert von ca. 6.367.139,69 US-Dollar zu übertragen, wobei der Schlusskurs des Vortages gemäß Yahoo Finance nach Unterzeichnung der Vereinbarung zugrunde gelegt wird, und zwar vom Bitcoin-Konto bc1q4pntkz06z7xxvdcers09cyjqz5gf8ut4pua22r, das Keonne Rodriguez und William Lonergan Hill besitzen und kontrollieren, an den United States Marshals Service (USMS).
Aus dem Dokument


In dem Dokument heißt es weiter, dass diese Bitcoin durch die Behörde U.S. Marshals Service (USMS) direkt über eine Exchange liquidiert werden sollen und Rodriguez und Hill die Gebühren zu tragen haben.
Keonne Rodriguez und William Lonergan Hill ermächtigen den USMS, das Bitcoin-Konto zu übernehmen und es unverzüglich in einer vom USMS festgelegten Weise zu liquidieren, wozu auch die Nutzung einer Kryptowährungsbörse gehört. Keonne Rodriguez und William Lonergan Hill sind sich bewusst, dass die vom USMS genutzte Börse bei der Liquidation der Bitcoins eine Gebühr erhebt, die direkt aus dem Erlös der Liquidation bezahlt wird. Keonne Rodriguez und William Lonergan Hill erklären sich bereit, diese Gebühr zu zahlen.
Aus dem Dokument
Über On-Chain-Daten ist zudem nachzuvollziehen, dass dieser Betrag am 3. November 2025 tatsächlich aus der in dem Dokument genannten Adresse von Rodriguez und Hill geflossen ist. Weiter ist ersichtlich, dass die Coins unmittelbar auf eine Einzahlungsadresse des Dienstleisters Coinbase Prime weitergeleitet wurden.
Verletzung von Trumps Dekret?
Im März 2025 unterzeichnete US-Präsident Donald Trump ein Dekret zur strategischen Bitcoin-Reserve, das eigentlich vorsah, dass keine Bitcoin, die sich im Besitz der USA befinden, mehr verkauft werden. Beim Krypto-Gipfel im Weißen Haus sagte Trump dann auch noch, dass die USA von nun an die Regel „Verkaufe niemals deine Bitcoin“ verfolgen werden.
Von diesem Tag an wird Amerika die Regel befolgen, die jeder bei Bitcoin sehr gut kennt: verkaufe niemals deine Bitcoin.
Donald Trump beim Krypto-Gipfel
Beim „Digital Asset Summit“ hat sich US-Präsident @realDonaldTrump gerade zur neuen Bitcoin-Reserve geäußert. 🇺🇸👀
— Blocktrainer (@blocktrainer) March 7, 2025
Dabei kritisierte er auch, dass die US-Regierung bereits BTC verkauft hat und er sagte: „Verkaufe niemals deine Bitcoin!“ 🔥 pic.twitter.com/7ahdouC8XD
Doch im Dekret heißt es wörtlich nur, dass die Bitcoin, die in der strategischen Reserve gehalten werden, nicht mehr verkauft werden dürfen. Demnach gilt der von Trump angesprochene Leitsatz nicht uneingeschränkt, wie die jüngste Liquidierung durch die Behörden erneut zeigt.
Die von der Regierung in die strategische Bitcoin-Reserve eingezahlten BTC dürfen nicht verkauft werden und sind als Reservevermögen der Vereinigten Staaten zu halten, das zur Erreichung staatlicher Ziele in Übereinstimmung mit geltendem Recht verwendet wird.
Aus dem Dekret
Laut dem Dekret ist auch zulässig, dass BTC liquidiert werden, um Opfer zu entschädigen. Dies geschah beispielsweise im Oktober 2025, als Behörden 667 BTC allem Anschein nach verkauften, um sie den Geschädigten eines Schneeballsystems zu erstatten. Diese Coins stammten von den Betreibern der Betrugsmasche.
Im Samourai-Fall, bei dem noch Hoffnung auf eine Begnadigung der Entwickler der Privacy-Wallet besteht, gibt es hingegen keine direkt Geschädigten, die Ansprüche geltend machen könnten. Demnach gibt es auf den ersten Blick kein gutes Argument, wieso die eingezogenen Coins nicht in die Reserve überführt, sondern liquidiert werden sollten. Denn wenn die USA wirklich das Ziel hätten, so viele BTC wie möglich zu akkumulieren, hätten die Coins wohl auch genutzt werden können, um die Reserve zu vergrößern.
Zum aktuellen Zeitpunkt ist unklar, ob rechtliche Bestimmungen einen Verkauf erzwungen haben. Laut Trumps Dekret sind Bitcoin-Veräußerungen nämlich auch erlaubt, wenn es sich beispielsweise um Gerichtsanordnungen handelt. Es liegt noch keine Stellungnahme der Behörden zur Liquidierung und der Vereinbarkeit mit der strategischen Bitcoin-Reserve vor.
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