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Japan kündigt weitere Zinserhöhungen an: Nach jeder folgte ein Einbruch beim Bitcoin-Kurs

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Die Zentralbankchef von Japan Kazuo Ueda hat zu Beginn des Jahres 2026 eine klare Botschaft gesendet: Die Phase der Zinserhöhungen ist noch lange nicht beendet.

Vor etwa zwei Wochen hat die Bank of Japan den Leitzins auf 0,75 Prozent angehoben. Das ist der höchste Stand seit 1995. Allerdings war diese Entscheidung von Uedas unklaren Aussagen zu weiteren Zinsschritten überschattet. Die Märkte waren enttäuscht und der Yen fiel auf Rekordtiefs gegenüber dem Euro und dem Schweizer Franken. Mit seinen Neujahrsworten möchte Ueda das wohl klarstellen.

So reagieren die Anleihemärkte

„Wir werden die Zinsen weiter anheben, wenn sich Wirtschaft und Inflation verbessern“, sagte Ueda am Montag bei einer Neujahrskonferenz der Japanese Bankers Association. „Die richtige Anpassung der lockeren Geldpolitik wird dazu führen, dass wir das Inflationsziel dauerhaft erreichen und langfristig wirtschaftliches Wachstum bekommen.”

Kurz vor Uedas Rede stieg die Rendite für Japans zehnjährige Staatsanleihen auf den höchsten Stand seit 1999. Das zeigt, dass viele am Markt mit weiteren Zinserhöhungen rechnen.

Quelle: TradingView.com

Die meisten Fachleute erwarten den nächsten Zinsschritt um die Jahresmitte 2026. Einige Analysten meinen jedoch, dass er früher kommen könnte, wenn der Yen weiter schwach bleibt. Die Währung lag gegen Mittag in Tokio bei etwa 157,15 pro USD und damit nahe an der Grenze von 160. Viele glauben, ab hier könnte die Regierung eingreifen.

Letzten Sommer haben die Behörden ungefähr 100 Mrd. USD verkauft, um den Yen bei ähnlichen Kursen zu stützen. Vizefinanzminister Atsushi Mimura sagte letzten Monat, dass die Regierung „angemessen reagieren” werde, falls die Währung zu stark schwankt.

Strukturelle Risiken im Verborgenen

Die Bank of Japan hat selbst zugegeben, dass „der reale Zinssatz in Japan derzeit weltweit am niedrigsten ist”. Auch wenn er jetzt bei 0,75 Prozent liegt, sorgt die Inflation von 2,9 Prozent dafür, dass der echte Zinssatz immer noch bei etwa minus 2,15 Prozent liegt. Die Notenbank meint, dass es „bis zum neutralen Zinssatz noch einiges an Abstand gibt” — somit könnten noch 100 bis 175 Basispunkte an weiteren Anhebungen bevorstehen.

Auch das Finanzsystem in Japan spürt die Belastung. Norinchukin Bank, eine Agrar-Kreditgenossenschaft, meldete 12,6 Mrd. USD Verlust und musste Anleihen im Wert von 63 Mrd. USD abstoßen. Regionale Banken in Japan sitzen inzwischen auf etwa 3,3 Billionen Yen an nicht realisierten Verlusten. Das sind etwa 260 Prozent mehr als im März 2024, denn die steigenden Zinsen drücken den Wert ihrer Anleihen.

Im vergangenen Jahr hat Deutschland Japan als größten Gläubigerstaat der Welt abgelöst – das gab es seit 34 Jahren nicht mehr. Das zeigt, dass Japan jetzt Kapital abzieht und nicht mehr wie früher Märkte im Ausland finanziert.

Was das für den Bitcoin-Kurs bedeutet

Für die Krypto-Märkte bedeutet der Kurswechsel der Bank of Japan bekannte Risiken. Bitcoin ist nach den letzten drei BOJ-Zinserhöhungen jeweils um 20 bis 31 Prozent gefallen. Grund ist, dass durch das Auflösen der sogenannten Yen-Carry-Trades weltweite Risikowerte verkauft werden müssen.

Der Mechanismus ist einfach: Investoren haben sich mit Yen zu fast null Prozent Zinsen verschuldet, um das Geld in Anlagen mit mehr Rendite weltweit zu investieren – auch in Krypto. Mit steigenden Zinsen in Japan rechnet sich das aber immer weniger. Investoren müssen daher Positionen verkaufen, auch in anderen Märkten.

Der Flash-Crash im August 2024 zeigt deutlich, wie schnell das gehen kann. Die Bank of Japan hob die Zinsen damals an, ohne dies vorher klar anzukündigen. Der Nikkei-Index fiel um zwölf Prozent an einem Tag – auch Bitcoin stürzte ab.

Im Moment reagiert der Yen kaum auf Uedas Aussagen. Das deutet darauf hin, dass die Märkte eher auf Taten als auf Worte warten. Solange der Yen weiter schwächelt und die realen Zinsunterschiede zum USD — derzeit mehr als 3,5 Prozentpunkte — bestehen bleiben, läuft das Carry-Trade-Geschäft weiter.

Der Ausblick

Am 23. Januar steht die nächste wichtige Entscheidung der Bank of Japan an. Falls die Zentralbank dann wieder an der Zinsschraube dreht oder klar auf verschärfte Maßnahmen hinweist, könnte der Yen stark steigen. Das wiederum könnte dazu führen, dass Carry-Trades aufgelöst werden und auch die Krypto-Märkte unter Druck geraten.

Bleibt die Notenbank allerdings weiter vage, dürfte die aktuelle Ruhe zwar halten. Das aber könnte den Yen noch schwächer machen und das Risiko einer Intervention erhöhen.

Krypto-Trader sollten in den nächsten Wochen mit starken Schwankungen aus Japan rechnen. Wie Robin Brooks vom Brookings Institution sagt: Japan balanciert „zwischen Währungsabwertung und Schuldenkrise”. Wie das Land diesen Balanceakt meistert, beeinflusst weit mehr als nur Tokio.