Die schlimmste Phase scheint überstanden. Doch Entwarnung gibt es keine. Während sich der Krypto-Markt langsam stabilisiert, warnen Experten davor, die aktuelle Lage falsch zu deuten. Der grosse Absturz könnte vorbei sein – die Unsicherheit bleibt.
Das geht aus einer aktuellen Analyse des Market-Makers Wintermute hervor. Das Unternehmen zählt zu den einflussreichsten Akteuren im Krypto-Handel und beobachtet die Marktbewegungen aus nächster Nähe. In seinem jüngsten Bericht zeichnet Wintermute ein Bild, das Hoffnung macht, aber gleichzeitig zur Vorsicht mahnt.
Krypto News: Warum der Markt weiter wackelt
Im Zentrum der Analyse steht Bitcoin. Die wichtigste Kryptowährung hat laut den Experten die erste grosse Verkaufswelle des aktuellen Bärenmarktes hinter sich. «Bitcoin hat den ersten grossen Verkaufsdruck überstanden. Panikverkäufe haben abgenommen und der Markt stabilisiert sich», heisst es im Bericht. Das klingt nach Entspannung. Doch die Analysten bremsen die Erwartungen sofort: «Das bedeutet nur, dass das Schlimmste hinter uns liegen könnte – nicht, dass ein neuer Krypto-Aufwärtstrend begonnen hat.»
Eine feine, aber entscheidende Unterscheidung. Tatsächlich zeigen mehrere Indikatoren eine Verbesserung. Besonders institutionelle Investoren scheinen wieder aktiver zu werden. Der sogenannte Coinbase Premium – ein wichtiger Gradmesser für US-Nachfrage – steigt. Gleichzeitig nehmen Zuflüsse in Bitcoin-ETFs sowie ausserbörsliche Käufe zu. Für Wintermute ist das ein klares Signal: Bei rund 60.000 Dollar existiert eine starke Nachfrage durch grosse Marktteilnehmer.
Eine Art Sicherheitsnetz, das grössere Abstürze vorerst abfedern könnte. Doch auch hier gilt: Stabilität ist nicht gleich Aufbruch. Wer auf schnelle Kursgewinne hofft, dürfte enttäuscht werden. Laut Wintermute warten oberhalb von 70.000 Dollar massive Hürden. Besonders die Bereiche zwischen 74.000 und 80.000 Dollar gelten als schwer überwindbar. «Über 70.000 Dollar liegen starke Widerstände. Vor allem 74.000 und 80.000 könnten schwer zu durchbrechen sein», so die Analysten. In diesen Zonen rechnen Experten mit verstärkten Krypto-Verkäufen.
Makro-Lage bleibt entscheidend
Ein Szenario, das den Krypto-Markt in eine zähe Seitwärtsphase zwingen könnte. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, warum Vorsicht angebracht ist. Frühere Bärenmärkte dauerten im Schnitt rund 400 Tage. Aktuell liegt der Markt erst bei etwa der Hälfte dieser Zeitspanne. Wintermute formuliert es nüchtern: «Selbst wenn dieser Zyklus flacher und kürzer wird, könnte der Tiefpunkt noch nicht erreicht sein.»
Diese Einschätzung rückt den aktuellen Optimismus in ein anderes Licht. Der Krypto-Markt hat sich zwar gefangen, steht aber noch längst nicht auf festem Boden. Zusätzliche Unsicherheit kommt von aussen. Geopolitische Spannungen, insbesondere im Nahen Osten, sowie geldpolitische Entscheidungen der US-Notenbank, bleiben zentrale Risikofaktoren. Steigende Energiepreise könnten die Inflation erneut antreiben – und damit Zinssenkungen verzögern.
Für den Krypto-Markt bedeutet das: Er bleibt anfällig für globale Entwicklungen. Die Analyse von Wintermute zeigt ein typisches Bild für diese Phase des Marktes. Die Panik ist verschwunden, die Euphorie fehlt. Anleger bewegen sich vorsichtig, fast tastend. Der grosse Ausverkauf scheint vorbei. Doch der grosse Aufschwung lässt auf sich warten. Oder anders gesagt: Der Sturm hat nachgelassen – aber der Himmel ist noch nicht klar. (mck)
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