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1 Million Zahlungen pro Sekunde: Solana startet Payment Channels für KI-Agenten – live mit Alibaba Cloud

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Agentische Zahlungen haben ein Reibungsproblem. Jeder Aufruf, den ein KI-Agent tätigt, braucht bislang eine eigene Signatur und eine eigene Abwicklung. Für eine einzelne Zahlung ist das kein Problem – für einen Agenten, der in einer Schleife Hunderte von nutzungsbasierten Aufrufen absetzt, ist es das sehr wohl. Genau dieses Problem will Solana mit einer neuen Primitive namens Payment Channels lösen, die diese Woche in einer ersten produktiven Integration live gegangen ist: Alibaba-Cloud-API-Endpunkte lassen sich ab sofort über Payment Channels auf der Zahlungsplattform pay.sh bezahlen.

Vom Handshake zum Tab: Was Payment Channels sind

Payment Channels funktionieren wie eine Bar-Rechnung oder ein Prepaid-Zähler: Man hinterlegt einmal eine Obergrenze, konsumiert Leistung, ohne bei jeder einzelnen Nutzung zu bezahlen, und begleicht am Ende die tatsächlich angefallene Summe. Technisch läuft das in drei Schritten ab:

Erstens hinterlegt ein Agent ein Onchain-Escrow als Ausgabenlimit, behält dabei aber die Kontrolle über sein eigenes Guthaben – die Mittel liegen bei einem Onchain-Kanalprogramm, nicht beim Server. Zweitens wird die eigentliche Nutzung offchain über signierte Nachrichten autorisiert, ohne dass für jeden einzelnen Request eine Transaktion nötig wäre. Drittens wird am Ende – etwa wenn eine Sitzung durch Inaktivität endet – der tatsächlich verbrauchte Betrag in einer einzigen Onchain-Transaktion abgerechnet, während das ungenutzte Restguthaben automatisch an den Agenten zurückfliesst.

Der Vorteil liegt auf der Hand: Eine klassische Abwicklung jedes einzelnen Requests als eigene Onchain-Transaktion funktioniert für eine fixe Einmalgebühr, ist aber langsam und kostet jedes Mal eine Netzwerkgebühr. Das passt schlecht zu zwei Mustern, die bei KI-Agenten immer häufiger vorkommen: Aufrufe, deren Kosten erst im Nachhinein feststehen – etwa eine LLM-Antwort, die pro Token abgerechnet wird, oder ein Rechenjob, der pro Sekunde oder Byte verrechnet wird – und Ströme vieler kleiner Einzelleistungen, etwa eine Token-für-Token-Antwort per Server-Sent Events oder eine Serie günstiger Aufrufe innerhalb einer Sitzung. Ein Payment Channel reduziert den Onchain-Aufwand in beiden Fällen auf genau zwei Transaktionen: eine Eröffnung und eine Abrechnung, egal wie viele Messungen dazwischen stattfinden.

Zwei Varianten für zwei Anwendungsfälle

pay.sh bietet Payment Channels in zwei Ausprägungen an, die beide auf demselben Prinzip beruhen – Obergrenze hinterlegen, offchain messen, tatsächlichen Betrag abrechnen, Rest zurückerstatten –, sich aber für unterschiedliche Szenarien eignen. Für einzelne nutzungsbasierte Aufrufe gibt es das x402-Schema „upto“: Ein Agent autorisiert eine Obergrenze für einen einzelnen gemessenen Aufruf, der Handler wird ausgeführt, und der Betreiber rechnet anschliessend den tatsächlichen Betrag ab und erstattet die Differenz – ideal, wenn die Kosten eines Aufrufs erst nach dessen Ausführung bekannt sind. Für Streaming-Sitzungen mit vielen Einzellieferungen steht das MPP-Schema „session“ bereit: Ein Kanal wird geöffnet und liefert viele gemessene Einzelleistungen, jede davon durch einen laufenden, kumulativen Voucher autorisiert, bis die Sitzung durch Inaktivität automatisch geschlossen und einmalig abgerechnet wird. Die pay.sh-Dokumentation bringt es auf eine einfache Faustregel: ein einzelner gemessener Aufruf spricht für „upto“, ein Strom vieler Lieferungen für „session“.

In beiden Varianten übernehmen die gleichen Bausteine die Arbeit: Guthaben liegt in einem Onchain-Kanalprogramm und nicht beim Server, sodass der Betreiber nur mit einer gültigen Signatur abrufen kann und der Käufer den nicht verbrauchten Rest jederzeit zurückholen kann; die eigentliche Freigabe erfolgt über signierte Nachrichten statt über eine Transaktion pro Aufruf; und der Betreiber kann die Gebühren für Eröffnung und Abrechnung übernehmen, sodass der Käufer lediglich den Stablecoin und kein SOL benötigen.

Der Praxistest: über eine Million Zahlungen pro Sekunde

Dass es sich dabei nicht nur um ein theoretisches Konzept handelt, hat die Solana Foundation am 3. September 2026 mit konkreten Testzahlen unterlegt: In einem Belastungstest mit 100’000 individuellen Wallets verarbeiteten die Payment Channels mehr als eine Million Zahlungen pro Sekunde. Hochgerechnet entspräche das einem theoretischen Tagesvolumen von über 80 Milliarden Zahlungen. Die Kosten pro Zahlung lagen im Test bei rund 0,000000000776 US-Dollar – ein Betrag, der im Rauschen jeder klassischen Zahlungsinfrastruktur verschwindet und erst durch die Kombination aus Offchain-Messung und einmaliger Onchain-Abrechnung möglich wird.

Auf dieser Infrastruktur setzt nun die erste grössere Praxisintegration auf: Alibaba Cloud bringt API-Endpunkte an den Start, die über Payment Channels auf pay.sh bezahlbar sind, mit Fokus auf KI-Inferenz als primärem Anwendungsfall. Agenten können damit ein Ausgabenlimit einmal autorisieren und den Dienst danach wiederholt nutzen, ohne für jeden einzelnen Aufruf eine manuelle Freigabe einzuholen.

Einordnung: Ein Baustein der Agentic-Payments-Infrastruktur

pay.sh selbst ist keine Alibaba-Eigenentwicklung, sondern ein von der Solana Foundation betriebenes Gateway, das im Mai 2026 zunächst in Zusammenarbeit mit Google Cloud gestartet ist. Es erlaubt autonomen Agenten, APIs ohne Konto, ohne Zugangsdaten und ohne Abonnement zu entdecken und pro Aufruf mit Stablecoins auf Solana zu bezahlen. Rich Widmann, Head of Strategy for Web3 bei Google Cloud, brachte die strategische Logik dahinter auf den Punkt: Agentische Zahlungen gehörten zu den wichtigsten Grenzbereichen im Agenten-Stack, und Solana sei für die Abwicklung die richtige Wahl gewesen. Seither ist der Katalog auf über 70 APIs gewachsen – von Google-Cloud-Diensten wie Gemini, BigQuery und Cloud Run über Blockchain-Infrastruktur wie Helius, Alchemy und Quicknode bis zu Datenanbietern wie Nansen und Dune Analytics –, abgerechnet in Stablecoins wie USDC, USDT oder PYUSD mit Abwicklungszeiten von rund 400 Millisekunden. Die Anbindung von Alibaba Cloud reiht sich in dieses Ökosystem ein und zeigt, dass das x402/MPP-Modell über den ursprünglichen Google-Cloud-Kontext hinaus Anklang findet.

Für Schweizer Leser mit Blick auf die Bitcoin- und Krypto-Infrastruktur ist der Vorgang aus zwei Gründen bemerkenswert. Erstens verschiebt sich mit Payment Channels der Massstab dafür, was auf einer Blockchain als „Zahlung“ überhaupt zählt: Nicht mehr jede einzelne Transaktion muss onchain sichtbar sein, sondern nur noch Eröffnung und Abrechnung eines Kanals – ein Muster, das Konzepten aus dem Lightning Network nicht unähnlich ist, hier aber gezielt für maschinelle, hochfrequente Mikrozahlungen zwischen KI-Agenten und APIs konzipiert wurde. Zweitens positioniert sich Solana damit explizit als Abwicklungsschicht für die entstehende „Agentic Economy“, in der nicht mehr Menschen, sondern Software im Auftrag von Unternehmen Rechenleistung, Daten und Dienste automatisiert einkauft und bezahlt.

Fazit

Mit über einer Million getesteten Zahlungen pro Sekunde und der ersten produktiven Anbindung von Alibaba-Cloud-API-Endpunkten über pay.sh liefert Solana einen konkreten Beleg dafür, dass Payment Channels mehr sind als ein Whitepaper-Konzept. Ob sich das Modell als Standard für agentische Zahlungen durchsetzt, hängt nun davon ab, wie viele weitere API-Anbieter und Cloud-Plattformen dem Beispiel von Google Cloud und Alibaba Cloud folgen – und ob sich x402 und MPP als offene Protokolle auch ausserhalb des Solana-Ökosystems etablieren.