Mit dem Versprechen einer Krypto-Kreditkarte konnte TenX in 2017 mindestens 80 Millionen US-Dollar von Investoren einsammeln – doch das Projekt scheiterte. Ein Streit bei Parallel führt zurück zur TenX Schatztruhe.
An Skandalen fehlt es der Kryptobranche bestimmt nicht, TenX ist ein ganz besonderes Beispiel. Gründer Toby Hoenisch scheint untergetaucht, er wird wegen TenX gesucht und Recherchen aus 2022 legen nahe, dass er zudem den folgenreichen DAO Hack bei Ethereum angeleitet. Auch der umstrittene Krypto-Promi Julian Hosp war bei TenX als Team-Mitglied und Aushängeschild schwer aktiv, bis er zum Jahreswechsel 2018/19 zum Ausstieg gedrängt wurde. Personalien sind ein Teil der Geschichte von TenX, aber es geht auch um sehr viel Geld.
Rückblende nach 2017: TenX sammelt per ICO mindestens 80 Millionen US-Dollar ein und gibt dafür anschließend PAY Token an die frühen Investoren aus. Die Idee einer Krypto-Kreditkarte kommt für TenX noch zu früh, spätestens Anfang 2021 muss das Projekt als gescheitert eingestuft werden. Seitdem fragen sich Anleger aber wieder und wieder, was eigentlich mit dem Millionen aus ICO passiert, hier unsere Bericht zu den damaligen Informationen anhand der Geschäftsberichte.
TenX und PAY- dann Mimo, später Parallel: Weg des Krypto-Geldes
Heute wissen wir, dass TenX PAY Token zum nächsten Fehlschlag Mimo übertrug und diese dann beim DeFi-Projekt Parallel landeten, für Anleger ein Verlustgeschäft von mehr als 90 Prozent. Bei Mimo waren damals TenX Mitgründer Paul Kittiwongsunthron und der letzte CEO Claude Eguienta mit an Bord. Parallel spiegelt vor, als dezentralisiertes Projekt keine Verantwortlichen zu kennen. Deshalb hat uns auch der Hinweis aus der Community neugierig gemacht, welcher eine weitere Affäre befürchtet. Und zwar plant das Team von Parallel, 500.000 US-Dollar an Mimo zu überweisen, für „frühere Services“ und als Einmalzahlung, wie es im entsprechenden Vorschlag heißt. Bei Mimo ist Claude Eguienta CEO, zuvor war er der letzte Chef bei TenX.
Die Kommentare zu dieser merkwürdigen Extrazahlung im Parallel-Forum ähneln der Einschätzung unseres Hinweisgebers. Schließt sich hier ein Kreis zur TenX Vergangenheit? Tauchen endlich wieder die mehr als 3.000 Bitcoin wieder auf, die aus der ICO von 2017 stammen und jetzt mehr als 200 Millionen Dollar wert sind? Was weiß Claude Eguienta? Ist eine „retroaktive“ Sonderzahlung an Mimo überhaupt gerechtfertigt? Offizielle Antworten von Parallel und Mimo bleiben bisher aus, stattdessen sichert sich das Parallel Team offenbar durch Staking eine Mehrheit für das erwartete Referendum. Auf X hat Parallel Nachfragen aussortiert, das Projekt ist ohnehin auf dem absteigenden Ast.
Fazit: TenX für geprellte Anleger noch nicht abgehakt
Julian Hosp beteuert, er habe mit den verschwundenen TenX Bitcoin im Millionenwert nichts zu tun und Toby Hoenisch sei der Ansprechpartner. Doch Hoenisch ist von der Bildfläche verschwunden, der zweite TenX Mitgründer Paul Kittiwongsunthron hat seine Profile auf sozialen Netzwerken gelöscht und Claude Eguienta schweigt eisern – die drei könnten am ehesten über die wahren Geschehnisse aufklären. Da sie nicht dazu bereit scheinen, ihre Investoren über den Verbleib von Bitcoin im dreistelligen Millionenwert aufzuklären, ist es wohl statthaft, das Schlimmste zu vermuten. Aus dem TenX Skandal wurde so im Laufe der Jahre auch einer für Mimo und Parallel, was angesichts personeller Überschneidungen wenig überrascht. Die privaten TenX Kleinanleger mussten in allen drei Fällen riesige Verluste hinnehmen, eine gerichtliche Aufarbeitung der Ereignisse ist bislang leider nicht bekannt.